Geschmacksfrage: Libanesisch Essen

Lammhirn, Lammzunge und Lammleber: Libanesisch Essen beim Wiener Prater. Und dann passierte eine Katastrophe.

(c) Julia Stix

Es soll Menschen geben, die das Abenteuer suchen. Ein solcher Zeitgenosse ist einer meiner Ess-Freunde. (Das sind Leute, die mit mir gemeinsam Lokale testen, damit ich nicht allein bin, nicht sofort vom Wirten verprügelt werde und mehrere Gerichte ausprobieren kann.) Besagter Mann hat jedenfalls eine Schwäche für ausgefallene Innereien. Da war die Begleiter-Wahl für ein neues libanesisches Lokal gegenüber der ebenfalls neuen U2-Station Messe klar. Der Garten vor dem schönen 20er-30er-Jahre(?)-Haus ist das, was man sonst inflationär lauschig nennt. Drinnen wirkt das Souterrain-Restaurant nicht ganz geschmacksicher: Würde in Beirut ein Stadt-Heuriger – die sind schon so pervers genug – eröffnen, könnte man sich den so vorstellen.

Egal, wir sind zum Essen da und legen ohne jede Angst vor Arthritis los: Gebratenes Lammhirn und ebenso behandelte Lammleber und Lammzunge werden geordert. Das gut gewürzte libanesische Beef Tatar und das unvermeidliche Taboulé (Petersilie, Petersilie und Petersilie) seien nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Dann kommt es zur Katastrophe: Nein, der aufziehende Sturm und das Ausscheiden der Türken, das bei unserem Besuch gerade im TV besiegelt wurde, waren uns egal. Der freundliche Wirt meint, die rohe Lammleber sei nicht vorrätig. Schlimmer kann es einen kaum treffen. Wozu der ganze Ausflug? Gut, das Lammhirn ist auch eine Herausforderung in puncto Geschmack und Konsistenz: etwas schwammig und säuerlich, aber nicht uninteressant. Die Lammleber (gebraten, Frechheit!) schmeckt harmloser und gut gewürzt, aber besser – weil intensiver – als die brave Kalbsleber, die so gut nach Venedig passt. Die Zunge hingegen beißt sich ledrig an, schmeckt intensiv nach seinem Träger. Als Nachspeise gibt es gestockten Grießbrei, er heißt anders, schmeckt aber wie ein solcher. Unglaublich gute, weil mit Nüssen und nicht zu süß gewürzte Riesen-Teigtaschen beschließen die Session. Und für die rohe Lammleber müssen wir tatsächlich wieder herkommen. Aber mit mir wollen eben nicht sehr viele essen gehen.

 

INFO

Le Cèdre
Ausstellungsstraße 51, 1020 Wien. Tel.: 0676/563 85 02, täglich 11-23 Uhr.

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