Hütte am Weg

Die Hütte am Weg ist für die einen ein sozialromantischer Ausflugstraum, für mich nicht ganz so toll.

Die Geschichte könnte in etwa so lauten: Eine deutsche Kaffeefahrt bleibt auf dem schönen Weg durch den Wienerwald mit dem Reisebus hängen. Die rüstigen und gut gelaunten Damen stranden bei einem heruntergewirtschafteten Ausflugslokal auf der Höhenstraße, beschließen dortzubleiben, renovieren es nach dem Designkatalog und machen ein sympathisches Romantikwirtshaus daraus, das die jungen nahen (Döbling) und fernen (Neubau) Städter lieben; der Schwerpunkt der Küche liegt auf Bratkartoffeln und Schweinsbraten.

Oder man schreibt es so, wie es schon ein paar Mal zu lesen war: Toll, dass in der Josefinenhütte die geniale 1930er-Einrichtung freigelegt und „mit modernem Touch“ versehen wurde. Dort zeigen nun Deutsche uns Wienern, wie man eine gemütliche und großartige Ausflugsstation führen kann.

(c) Die Presse (Stix)
Oder ich erzähle, was mir passiert ist: An einem nassen Sonntag frottiere ich die Kinder ab, die mir noch nicht sagen können, dass ich mir einen anständigen Beruf suchen soll, und lasse mich von einem am Eingang postierten weiblichen Vorstopper misstrauisch fragen, ob ich denn wirklich reserviert habe. Nachdem ich die diversen Gaststuben, die aussehen, als hätte sich La Hong nun auch an einem Adolf-Loos-Nachbau vergangen, durchquert habe, werden zwei Tische zusammengeschoben.

Eine Kellnerin mit deutschem Charme nimmt die guten Tischtücher weg, weil man die nicht heiß waschen könne und die Kinder, Sie verstehen schon . . . Ich entschuldige mich insgeheim, dass ich die Plastikautoplanen vergessen habe, um die Fratzen abzudecken, bestelle aber lieber hungrig und freue mich, dass ein Grenadiermarsch kommt, der leider eine halbe Tonne Trockengewürz abbekommen hat.

Ähnlich wie die sogenannten Rosmarinkartoffeln. Das gegrillte Beiried ist zäh, dafür taut die Kellnerin auf, die nach längerem Geplänkel wirklich nett wird und die ideale Leih-oma wäre, die am besten vom „Wirtshaus im Spessart“ erzählen könnte. (Idealerweise bei netteren Familien.) Was nun stimmt? Ganz einfach: Dass sich der Bobo dann am wohlsten fühlt, wenn er in einem absurden Lokal elegant und nicht uncharmant vorgeführt wird. Schön, dass ich das langsam hinter mir habe.

TIPP

Hütte am Weg
1190 Wien, Josefsdorf 47, Telefon: 01/320 39 75, Mi–Mo, 10–22 Uhr

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