Lokal-Kolorit: Spelunke

Dem Kanal seinen Steckerlfisch.

(c) Carolina Frank

Zum weißen Schwan, Zum Weißen Roß, Zum Goldenen Pfau, Zum Schwarzen Adler. So hießen die „Einkehrwirtshäuser“ am Anfang der Taborstraße, dieser historisch wichtigen Ausfallstraße, im 19. Jahrhundert. Der jüngste Neuzugang im Heute, ganz am Anfang dieser Straße gelegen, nennt sich indes Spelunke. Angesichts der aufwendigen Inszenierung dieses Großlokals eine onomastische Tiefstapelei (ob man das charmant-kokett oder zwänglerisch berufsjugendlich findet – einprägsam ist der Name). Monika Wlaschek und Werner Helnwein, Betreiber des Klee am ­Hanslteich, wollten mit der Spelunke dem Zentrum seine Hafenkneipe schenken. Darauf weisen auch zahlreiche Seemannszitate hin, etwa ein versoffener Popeye auf dem Graffito oder der Hinweis „Schleusen geöffnet“ bei den Öffnungsinformationen. Das Lokal ist nicht auf den ersten Blick erfassbar, gruppieren sich doch rund um die Bar verschiedene Bereiche. An Reizunterflutung leidet man hier jedenfalls nicht. Ein DJ-Pult, dick gepolsterte Lederbänke wie in einem US-Diner, seifenblasenartige Deckenlampen, kupfern schlafende Biertonnen über der Bar und dazwischen die Säulen des Hans-Hollein-Baus, in dem auch die „News“-Mannschaft werkt.

(c) Carolina Frank

Küchenchef ist Alexander Pochlatko, zuvor im Klee am Hanslteich, die Bar hat Marcus Philipp über. Über die Speisekartenpoetik kann man streiten; Chilis sind würzig, aha, eine Rouille ist cremig, noch größeres Aha. Besonders fehl am Platz sind diese sprachlichen Ausschweifungen, wenn das Attribut nicht zutrifft. Das ist bei den angeblich knusprigen Ährenfischchen der Fall (noch dazu als Sardinen angeführt), die lauwarm und unknusprig zum Tisch kommen. Schade, dieses Gericht ist in Wien ohnehin so selten zu bekommen. Dem „Ceviche“ von reifer Mango und Avocado fehlt die typische Zitrussäure – wenn man einen Salat (wie überall derzeit) schon Ceviche nennt . . . Auch beim Salat mit Garnelen, Calamari, Fenchel, Orangenfilets und Dille wünscht man sich mehr Geschmack, an sich ist er gut gearbeitet. Sehr erfrischend ist der Kohlrabisalat mit Yuzu und wirklich gelungen die Hendl-Kombination aus bestens glasierter Keule und Kroketten mit Maispüree und Brokkoli. Zum Signature-Dish dürfte der Steckerlfisch werden: Die Makrele kommt vom Grill, den die Küche gut im Griff hat, und wird mit Pusztasalat und Knusperbrot serviert. So schnell wird die Spelunke nicht leer, dafür sorgt allein der strategisch perfekte Ort.

Info

Spelunke, Taborstraße 1, 1020 Wien, Tel: +43/(0)1/212 41 51, Mo–So: 11– 2, ab 20. 11.: 8 – 2 Uhr, Küche: ­11–23.30 Uhr.

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