Testessen: "Cucina essenziale" im Materia

Stefano Patelli und Francesca De Rossi füllen ein neues Souterrainlokal im Achten mit Nostalgie, Zuppa di pesce, Trüffelpolenta und Torta Caprese.

Materia in der Tigergasse 31
Materia in der Tigergasse 31
Materia in der Tigergasse 31 – (c) Stanislav Kogiku

Ob man Englisch sprechen könne, sagt die römische Chefin, ihr Deutsch sei noch nicht so gut. Für Wiener Adria-Veteranen ist Letzteres eine Aufforderung zur Hilfsbereitschaft, ergo feiern das Grazie und das Prego fröhliche Urständ’ an den wenigen Tischen des Materia. In einem Souterrainlokal im Achten, wo davor die Speisekammer von Roman Steger Wege abseits des Mainstreams beschritten hat, sind nun der Halbsalzburger Stefano Patelli in der Küche und Francesca De Rossi im Service am Werk.

Stegers Bücherregal mit Wälzern von Kochintellektuellen ist einem Schwarz-Weiß-Foto einer Fischfangszene gewichen. Den augenscheinlichsten Unterschied zum Vorgänger bemerkt man gleich beim Hereinkommen: Das Lokal ist g’steckt voll, beschwingte Nostalgieklänge füllen den immer schon und noch immer eher kahlen Raum zusätzlich mit Leben. Patelli und De Rossi nennen ihr Konzept „cucina essenziale". Es gibt nur ein Menü – vier Gänge um 45 Euro bis sechs um 65. Das scheint nicht viel, relativiert sich aber dann doch etwas. Es beginnt vielversprechend mit einem Schöpfer paradeiserdichter Zuppa di pesce von wohlaustarierter Säure, darin kringeln sich fröhlich kleine Oktopusarme, schwimmen Miesmuscheln.

(c) Stanislav Kogiku

Der nächste Gang sieht aus wie eine Bastelarbeit zur Kürbiszeit und erinnert auch sonst an Kleinkinder: ein Klecks Kürbiscreme von Hipp-Konsistenz mit eingeweichten gerösteten Brotwürfeln, etwas dumpf nur mit Safran aromatisiert und mit Kürbiskernen bestreut, in einem ungelenk ausgehöhlten Hokkaidokürbis serviert. Ein Gedanke an Vorgängergäste, die diese Schüssel schon ausgeschleckt haben könnten, taucht auf. Enttäuschend auch die hausgemachte Pasta: Tagliolini mit Sardellen und Pecorino.

Die untersten Nudelexemplare lösen sich gleich einmal zu Brei auf, die Sauce ist von allzu stechendem Geschmack. Keine Spur von den Zauberkünsten alchimistisch beseelter Nonne, die aus Zutaten wie altem Brot, Paradeisern und Olivenöl hochkomplexe Wunder kochen können.

Danach in diesem Menü: sehr weich gegarte Rindswange mit Trüffelpolenta und/oder ein klares Sepia-Gericht; eine Tintenfischtube, sorgfältig eingeritzt, etwas gar blass gebraten, mit Spritzern von peperoncinowürziger Paradeissauce serviert. Die Torta Caprese mit Palmzuckerkaramell-Tupfen zerfällt schon vom Anschauen, birst aber dafür vor Wohlgeschmack. Auf der Habenseite – und das wirklich ohne Abstriche: Die Stimmung ist großartig.

Info

Materia, Tigergasse 31, 1080 Wien, Tel.: +43/(0)1/402 69 16, Restaurant: Mi–So: 18–24 Uhr.

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Testessen: "Cucina essenziale" im Materia

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.