Testessen: „Österreich erleben"-Tapas in der Feinkosterei

Zum satten kleinen Franzi. Am Judenplatz hat sich das Cateringunternehmen Schwarz-Hirsch mit seinem Flagshiplokal Feinkosterei breitgemacht.

Die Feinkosterei am Judenplatz in Wien
Die Feinkosterei am Judenplatz in Wien
Die Feinkosterei am Judenplatz in Wien – (c) Schwarz Hirsch/www.stefanknittel.at

Vielleicht hätte man diese Rubrik Restaurantkritikerei nennen sollen. Oder Essensbeschauerei. Einerlei. Am Judenplatz, der im Rennen um die stillen Schönheiten Wiens (Kopfsteinpflaster, kein Verkehr, keine Bodenmarkierungen, kaum Schilder – am schönsten zur blauen Stunde!) ganz vorn dabei ist, hat sich das Cateringunternehmen Schwarz-Hirsch mit seinem Flagshiplokal Feinkosterei breitgemacht. Die Portalaufschrift des alteingesessenen Vorgängers, „Beisl zum ,Scherer‘ Restaurant", ist also einem „Die Feinkosterei in der kleinen Dreifaltigkeit" gewichen.

Das Motto: Einheitsbrei. Pardon, ein peinliches Versehen – Tapas sollte das heißen. „Österreich erleben"-Tapas. (Ob man in Google-Zeiten behaupten sollte, das erste österreichische Tapas-Restaurant zu sein, wo mit einem Mausklick frühere Beispiele zu eruieren sind, sei dahingestellt.) Das langgestreckte Lokal wurde sehr ambitioniert, aber etwas steril modernisiert – eine lange Schank samt Bar mit viel Neolustergebaumel und Steckdosen bei jedem zweiten Sitz sowie, unter anderem, schmale Sitznischen mit höhergelegten Bänken.

(c) Schwarz Hirsch/www.stefanknittel.at

Diese Nischen haben den Vorteil, dass man einen guten Ausblick auf den Judenplatz hat und sich angenehm abhörsicher fühlt; sie sind jedoch so eng, dass man sich zu viert versetzt, also im Reißverschlusssystem, platzieren muss, um den Gegenüberfüßen nicht auf der einen gemeinsamen, sehr knappen Fußstange unter dem Tisch zu nahe zu kommen („Zur dreifaltigen Füßelei" wäre doch ein schöner Portalschriftzug gewesen.) Das Programm der Feinkosterei sieht neben Brötchen Kleinportionen von allerlei Österreichischem vor – wie sich der kleine Franzi das eben so vorstellt. Die Portionen bewegen sich, bis auf einige Ausnahmen, preislich zwischen vier und acht Euro und sind überraschend üppig dimensioniert.

Originell die Kombi aus Pfiff und Mini-­Leberkässemmel sowie „Das Beste vom Würstelstandl" mit diversen Miniwürsteln (8,90 Euro). Die zwei dicken Scheiben gebratener Blunzen, mit Tatar genannten Apfelstücken und Zwiebelmarmelade serviert, sind in Ordnung (6,10 Euro), ebenso das Rindsgulasch mit Butternockerln (absurd günstige 4,90 Euro für eine Menge, die anderswo als Normalportion durchgeht). Das Beuschl im Teenagerformat, ebenfalls unter fünf Euro, gerät irritierend süß, womit bei diesem Innereiengericht die genau falsche Geschmacksrichtung eingeschlagen wurde. Gelungen: ­die selten gewordenen Palatschinken (5,80  Euro). Fix ist: Satt wird man hier. 

Info

Feinkosterei, Judenplatz 7, 1010 Wien, Tel.: +43/(0)1/396 14 21, täglich 11–24 Uhr.

 

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