Testessen: One Night in Beijing in Nussdorf

Lackierte Enten, bunte Dim Sum und viel Marmor: Wiens neuer Nobelchinese.

(c) die Presse (Carolina Frank)

Womöglich ist Wien nirgends so zu Ende wie in Nussdorf. Nicht situationselastisch zu Ende, wie an den Ausläufern des endlos-flachen 22., wo nie ganz klar und auch ein bisschen egal ist, ob schon Land oder noch Stadt. In Nussdorf ist die Sache einfach: Im Osten die Donau, im Norden der Nussberg. Da sind wenige Mägen zuhause. Hier ein Lokal zu eröffnen, ein anspruchsvolles ohne „Nimmt der Kunde gern"-Einheitskonzept, erfordert unternehmerischen Mut. Das Frauengespann Weny Sun und Li Zhang hatte diesen, die beiden eröffneten direkt an der S-Bahn-Station Nussdorf das One Night in Beijing: ein nobel ausgerichtetes und auch so eingerichtetes großes Restaurant mit ambitionierter Weinkarte. Die atmosphärische Niedrigtemperatur des Interieurs (teurer Steinboden, graue Wände, Mobiliar in Schwarz-Weiß) wird man im Sommer mehr zu schätzen wissen denn im Winter. Aber fürs Wärmen sind zu dieser Jahreszeit ja andere da: der Tee, der als kleiner Willkommensgruß gereicht wird. Oder die erquickliche Entenbrühe, mit Gojibeeren und einer roten Dattel als

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dezent-fruchtige Untermieter: Sie kommt als Teil des Peking-Enten-Pakets vorab auf den Tisch, ist aber auch separat zu haben (5,90 Euro). Nachhaltig wärmend auch der unscheinbare, aber umso erstaunlichere Bambussalat, der laut Service aus der Wurzel der Pflanze geschnitzt wird: dickfleischige, knackig-mürbe Stücke, mariniert mit Reiswein, Sesam und Fünf-Gewürze-Pulver. Überraschend komplex. Dem gegenüber fallen die mit Avocado und Garnelen gefüllten Babysalatblätter mit Molekularküchendotter aus Mangopüree deutlich ab – ein buffettypischer Schönling ohne Tiefgang. Die bunten Dim Sum gibt es sortenrein oder als praktisches Mix-Trio um 5,80 Euro. Zur Perfektion des Teigs der akkurat gefältelten Täschchen empfiehlt sich bei allen Ambitionen (Füllungen wie Tintenfisch-Hamachi-Garnelen) aber doch eine Nachhilfestunde in der Gratmessermetropole Hongkong. Aus einem geflochtenen Bambusstanitzel lässt man frittierte, gepfefferte Ährenfischlein kullern (8,80) – schön, dass es dieses Fingerfood generell immer öfter gibt. Hauptdarsteller im One Night in Beijing ist aber die vorbildlich lackknusprige und saftige Ente (am besten sind natürlich die fetten Teile), die mit gedämpften Pfannkuchen, gestifteltem Rohgemüse und süßer, dunkler Sauce serviert wird: Eine halbe reicht für zwei und kommt auf 39, eine ganze auf 75 Euro. Man kann es auch so sehen: In Nussdorf beginnt die Stadt. 

Info

One Night in Beijing, Nussdorfer Platz 8, 1190 Wien, Tel.: +43/(1)/318 53 03, Restaurant:
Mo–So 11–23 Uhr.

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