Testessen in der Weinbar Krawall am Naschmarkt

Weine von Uwe Schiefer, Essen von Markus Leitgeb: Großes auf engem Raum.

Die Presse (Carolina Frank)

Die Fischkopf-Reserl, die für ihre Rauflust berüchtigte Haverschesser Mariedl und die Krawall-Minerl gibt es längst nicht mehr. Vor vier Jahren aber benannte man Teile des Wiener Naschmarkts nach den legendären Marktschreierinnen. Und die Krawall-Minerl, die bekam hier posthum quasi noch ihr eigenes Lokal: Vor einigen Monaten eröffnete das Krawall. Dahinter stecken der Münchner Weingut- und Bisonzuchtbesitzer Hans Kilger sowie der Winzer Uwe Schiefer. Um die Gäste der grün gestrichenen und von orangen Markisen beschützten Weinbar kümmern sich vor Ort freilich andere: ­Alexander Herwei ist für Wein zuständig, Adriano Iovene für die Bar und Markus Leitgeb für das Essen. Letzterer hat, zum Glück für Wien, die Küche seines „Zum alten Weinstock" im burgenländischen Rudersdorf gegen jene im kleinen Naschmarkt-Lokal getauscht. „Zwei Herdplatten, ein Salamander", präzisiert der redefreudigere Wein-Chef Herwei die Arbeitsplatzmaße seines stilleren Kollegen.

Die Presse (Carolina Frank)

Es empfiehlt sich, einen der wenigen Tische zu reservieren und den Koch einfach loslegen zu lassen. Da kommt etwa eine Platte mit durchaus als Unterlage taugenden, sprich subtil deftigen Kleinigkeiten: wundersam köstliche Gemüsecouscous-Taler, Polenta mit Stockfischcreme (der Naschmarkt war einst Stockfisch-Umschlagplatz) und süßen roten Zwiebeln oder Schwarzbrotlaibchen mit Blauschimmelkäse, Lauch und Turopoljespeck. Ein Auftakt, der Großes erwarten lässt. Und Leitgeb enttäuscht nicht, schickt goldumrandete Vintageteller mit fantastisch mürbem Rohschinken aus Hans Kilgers Bisonzucht hinterher, mit rosa Grapefruit, Olivenöl und Haselnüssen, und eine Sardellen-Pannacotta mit Puntarelle, mit der er beweist, dass die Umamifischlein und das Bittergemüse nicht nur in Rohkostform, als Puntarelle alla romana, zusammenpassen.

Dazwischen hakt sich Alexander Herwei ins Geschehen ein, serviert glasweise Weine von Schiefer (nach dem Blaufränkisch-Sekt 2012 fragen!) und den Domaines Kilger (Achtel ab 3,70 Euro) oder aber von der internationalen Weinkarte – Piemont, Abruzzen, Côtes Catalanes, Mosel . . . Dann immer wieder Markus Leitgeb, der mit Schweinszunge mit Linsen und Kren zum Tisch kommt, mit Erdnussrisotto samt Pak Choi und Mango – klingt absurd, schmeckt, als ob es immer schon so hätte sein müssen –, selbst gemachten Gnocchi mit Petersilpesto und Grammeln, Hirschgulasch mit Polenta. Als Menüpreis ruft man hier am Markt einen knappen Fuffziger aus.

Info

Krawall, Naschmarktstand 975, 1060 Wien, Tel.: +43/(0)664/207 22 52, Restaurant: Di–Fr: 11–22,
Sa 8–22 Uhr.

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