Testessen im Tuya nahe dem Stephansplatz

„Oui, Chef!": Ein neues Luxusrestaurant in der Wiener Innenstadt legt es französisch an. Unter anderem mit Desserts, die auch Paul Bocuse als Desserts erkannt hätte.   

(c) Christine Pichler

Würde diese Kritik im „Goldenen Jacht-Boten" erscheinen, erübrigte sich ein Hinweis auf die Preise. So soll an dieser Stelle angemerkt werden: Für ein Essen im Tuya muss man mit etwas höheren Ausgaben rechnen, ungeachtet des Namens, der an die Trenngebüsche einer baumarktaffinen Zielgruppe erinnert. Zu finden ist das Tuya in der Jasomirgottstraße, schräg gegenüber dem ebenfalls neuen Mayer & Freunde und auf der selben Straßenseite wie die Cantinetta Antinori, die Roberto American Bar II und das Wein & Co. Zwei Stockwerke, unten die Bar, oben das Restaurant mit Panoramafenstern, einigen versteckten Sitznischen und einer offenen Küche, aus der im vielstimmigen Küchenstakkato „Oui, Chef!" tönt. Das Interieur spricht mit Samt, Messing, dunkelgrünem Terrazzo und Marmor die Sprache eines zeitgemäßen Luxusrestaurants comme il faut. Die internationale Weinkarte (ein Lektorat hätte nicht geschadet) listet Flaschen um über 5000 Euro (Château Petrus und Co.), hält aber auch für hiesige Verhältnisse erstaunlich günstige Weine parat, ab rund 30 Euro.

(c) Christine Pichler


In der Küche des Tuya steht mit Richard Rios Aguilar ein gebürtiger Kolumbianer, den es schon früh nach Italien verschlagen hat und der später im La Petite Maison in London mit der südfranzösischen Küche infiziert wurde. Nicht jeder teilt die Vorliebe für das Sharing-Konzept, das den Gästen auch hier aufgedrängt wird: Alles wird erst einmal in die Mitte gestellt, egal, wer was bestellt hat. Die Miniportion Calamars frits mit Yuzu-Mayonnaise gelingt prächtig (18 Euro). Eine dicke Scheibe einer runden Melanzani, mit Pistou gegrillt und immerhin mit drei halbierten Garnelen ergänzt (20 Euro), eignet sich mit ihrer molligen Fleischigkeit als Steakersatz für Pescetarier – das ist als Kompliment zu lesen, nicht alle Gemüsegerichte gehören in die grün gestrichene Leichtigkeits-schublade.

Sehr gut der Steinbutt: Eine massive Tranche, aromabringend am Gebein gegart, dazu Sauce und Gemüse à la Barigoule, hier grüßt Südfrankreich mit Fenchel und Artischocken erneut (38  Euro). Auch zu empfehlen: das überfahrene, also plattgedrückte Stubenküken, mit Joghurt mariniert und mit Kräutern ofengebacken (32 Euro). Und es gibt Desserts, die auch Paul Bocuse als Desserts erkannt hätte, während vielen Köchen derzeit nicht mehr einfällt als Eis mit Schaum oder zur Feier des Tages Schaum mit Eis. Patissière Desirée Kloiber fabriziert Schokoladesoufflé ebenso wie formidables ­Clafoutis mit Himbeeren. Endlich.

Info

Tuya, Jasomirgottstraße 3a, 1010 Wien, Tel.: +43/(0)1/532 33 92, Restaurant: Mo–Sa: 11.30–2 Uhr. reservation@tuya.rest

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