Schellhorn-Kochbuch: Fünf Jahrzehnte Zunge zeigen

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„Today I love you forever“, schwört die Schürze des Jüngsten, während die Rehe und Tauben auf seinem bunten Unterarm die Älteste umarmen. Die Älteste bewahrt nicht nur an der Kaffeemaschine weißblusengebügelte Haltung, sondern selbst dann, wenn sie Schwarzbeerzähne zeigt.

Und der Blick des Mittleren (der in seiner Küche den Bauch laut Chronist nicht einzieht) ist vom Dampf vernebelt. Was man sonst noch zu sehen bekommt: Hirn in blutiger Lake, Hawaiihemden, Milchreis. Die Schellhorns haben ein Kochbuch gemacht.

(c) Ingo Pertramer
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„Schellhorns Generationenkochbuch“ heißt es, und es zeigt, was im Seehof im Salzburger Goldegg, der für die heimische Intellektuellenszene kein unbekannter Ort ist, so alles passiert, wenn der Tag lang ist oder auch kurz. Karola, die Älteste, Sepp, der Mittlere, und Felix, der Jüngste. Das klingt fast ein bisschen nach den drei Stanisläusen von Vera Ferra-Mikura, nur dass die Frau auch eine Hauptrolle spielen darf.

 

(c) Ingo Pertramer
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Karola Schellhorn hat den Seehof, den sie schon von ihren Eltern übernommen hatte und dessen Gäste sie mit Crevettencocktail genauso versorgt hat wie mit Kalbsnierenbraten, 1996 an ihren Sohn Sepp übergeben.

(c) Ingo Pertramer
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Der steht nun breitbeinig und Bauch voran (Autor Christian Seiler ist es, der solch unerhörte Einblicke preisgibt) in der Seehof-Küche, wenn er nicht gerade als Nationalratsabgeordneter der Neos unterwegs ist. Und verarbeitet hier alle möglichen Körperteile von allen möglichen Tieren, wie er es von klein auf mitbekommen hat. Für die einen ist der Seehof mit seinem Restaurant namens „Hecht!“ ein Hort der Nose-to-Tail-Küche – Rezepte für Pökelzunge mit Sauce Madeira, Milzkroketten oder Hirn mit Rüben stehen dafür.

(c) Ingo Pertramer
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Er ist aber genauso ein Ort der Mehlspeisen, wie Topfenknödel mit Butterbröseln beweisen oder Weißbrotschmarrn mit Honigschlag (der wunderbarerweise auch so heißen darf, ohne von sprachlichen Sahne-Krücken gestützt zu werden).

(c) Ingo Pertramer
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Und der Seehof ist nicht zuletzt ein Ort der türkisch oder peruanisch geprägten Ideen: wenn nämlich Felix Schellhorn, der jüngere Sohn von Sepp, am Herd steht und nicht etwa an der Seite von Noma-Chef René Redzepi Flechten putzt oder sich bei anderen Kochgelegenheiten ebenso spontan wie weltoffen verdingt.

(c) Ingo Pertramer
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Dafür, wie Sepp Schellhorn sich mit einer Kalbsleber befasst, sieht Autor Christian Seiler gleich eine Doppelseite vor. Mit welchem Schuhwerk sich die drei Generationen über den Küchenboden bewegen, hält Fotograf Ingo Pertramer fest (und nebenbei auch, dass jener Boden für die Fotos nicht extra groß geputzt wurde).

(c) Ingo Pertramer
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Und Buchgestalter Peter Baldinger (der Künstler hat unter anderem schon die Etiketten von Seehof’schem Eingekochtem gemacht) zeigt mit den Kürzeln K, S und F, welches Rezept von wem stammt. Ein weiteres, das „beste Rezept von allen“, hat Sepp Schellhorn parat: „Du musst die Menschen lieben, für die du kochst.“

(c) Ingo Pertramer
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"Schellhorns Generationenkochbuch": Texte von Christian Seiler, Fotos von Ingo Pertramer, CSV-Verlag, 400 Seiten, 48 Euro. Im Buchhandel oder auf shop.derseehof.at

(c) Ingo Pertramer
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