Fragilität im Alter: Plötzlich, hart, endgültig

Nachlassende sensorische Fähigkeiten, eingeschränkte Mobilität, sich häufende körperliche Beschwerden und Vereinsamung: Fragilität im Alter ist ein Massenphänomen - wird aber oft verdrängt.

Beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Fragilität im Alter: Christoph Gisinger.
Beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Fragilität im Alter: Christoph Gisinger.
Beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Fragilität im Alter: Christoph Gisinger. – Stanislav Kogiku

"Bis zu einem bestimmten Tag deines Lebens", bekennt Commissario Montalbano in Andrea Camilleris „Die dunkle Wahrheit des Mondes“ (2005), "rutschst du aus, stürzt, stehst auf und hast dir nichts getan. Aber dann kommt der Tag, da rutschst du aus, stürzt und kannst nicht mehr aufstehen, weil du dir den Oberschenkelhals gebrochen hast. Was ist passiert? Passiert ist, dass du die unsichtbare Grenze von einem Lebensabschnitt zum anderen überschritten hast."

Was der Commissario in diesem Roman so treffend beschreibt, ist eine unangenehme Realität, die nur allzu gern verdrängt wird – von der Gesellschaft ebenso wie von der Politik: Fragilität im Alter. Jene Gebrechlichkeit, die eine mangelnde Robustheit und Anpassungsfähigkeit älterer bzw. (chronisch) kranker Menschen gegenüber den Herausforderungen des Alltags beschreibt und die zum schleichenden Verlust der physiologischen sowie sensomotorischen Reserven führt.

Betroffene sind rasch erschöpft, nur begrenzt leistungsfähig und vor allem in ihrer Mobilität (stark) eingeschränkt. Diese Faktoren führen bei vielen Menschen häufig zu dramatischem Gewichtsverlust mit einem massiven Abbau der Muskulatur, sodass sie kaum gegen akute Erkrankungen gerüstet sind.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.12.2018)

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