Salon, Netzwerk, Burschenschaft: Frauen unter sich

Neu sind rein weibliche Salons und Frauenzirkel natürlich nicht. Doch zu Clubs und Verbänden mit langer Tradition sind in jüngster Zeit auffallend viele neue gekommen – die den Zusatz „Women only“ durchaus strenger sehen als frühere Schwesternschaften.

Lotte Puschmann (l.) und Ema Kaiser-Brandstaetter laden seit 2018 in ihren Salon im Looshaus.
Lotte Puschmann (l.) und Ema Kaiser-Brandstaetter laden seit 2018 in ihren Salon im Looshaus.
Lotte Puschmann (l.) und Ema Kaiser-Brandstaetter laden seit 2018 in ihren Salon im Looshaus. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Schon der Ort ist Programm. Als sich Lotte Puschmann und Ema Kaiser-Brandstaetter einig waren, gemeinsam einen Salon für Kunst zu veranstalten, stand schnell fest, dass sie diesen im Looshaus am Wiener Michaelerplatz veranstalten würden. Ein Gebäude, das nicht nur wegen seines Architekten, Adolf Loos, und der geraden Linien und Kanten für viele männlich konnotiert ist, sondern auch wegen seines langjährigen Eigentümers, einer großen österreichischen Bank. An einem der (für viele) männlichsten Orte der Wiener Innenstadt sollte ihr neuer Klub für Frauen stattfinden, dachten sich die beiden Kuratorinnen und Kunstvermittlerinnen Puschmann und Kaiser-Brandstaetter.

Mit ihrem „Salon im Looshaus“ wollen sie seit dem Frühjahr dafür sorgen, dass weibliche Kunst einen exklusiven Raum und nicht zuletzt Käuferinnen bekommt; denn den öffentlichen okkupierten vor allem in der bildenden Kunst immer noch zu oft Männer. An jedem Salonabend – bisher waren es fünf, der nächste ist im Jänner – werden Werke einer bildenden Künstlerin ausgestellt und zum Verkauf angeboten, zusätzlich lesen Autorinnen aus ihren Büchern und/oder treten Musikerinnen auf. Im Oktober waren etwa die deutsche Schriftstellerin Helene Hegemann ,Fotokünstlerin Anita Schmid und Sängerin Teresa Rotschopf zu Gast. Der Eintritt ist immer frei, die Wiener Mundpropaganda hat bereits gute Arbeit geleistet. Die Salonabende (salonimlooshaus.at) sind immer gesteckt voll – und die Männer müssen draußen bleiben, bis auf den einen Mann, der die Bar schmeißt, Roberto Pavlovic-Hariwijadi.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.12.2018)

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