Darum sehen alle Hipster gleich aus

Ein Mathematiker der Brandeis University in Massachusetts hat herausgefunden, warum Non-Konformisten am Ende doch wieder alle gleich aussehen. Ein Hipster bestätigte die These unfreiwillig.

(c) imago/stockillustrations (imago stock&people)

Vollbart, Flanellhemd, Hornbrille. Fertig ist der 08/15-Hipster, der doch so gar nicht dem Mainstream entsprechen will. Denn schon rein aus der Definition des Urban Dictionary heraus definieren sich Hipster als Anhänger einer Subkultur, „die sich zu sehr bemühen, anders zu sein (…)."

Dass dem aber gar nicht so ist, zeigen nicht nur Beobachtungen, sondern nun auch der Wissenschaftler Jonathan Touboul von der Brandeis University in Waltham, Massachusetts. Er fand heraus, warum Non-Konformisten also all jene, die gegen den Mainstream wettern, im Grunde doch gleich aussehen. Das Phänomen hat auch einen Namen: Hipster-Effekt. Die These wurde im "MIT Technology Review"-Magazin veröffentlicht.

Der Mathematiker untersuchte die Übertragung von Informationen und wie sie die Gesellschaft und das Verhalten der Menschen beeinflusst. Er unterscheidet dabei Konformisten und Non-Konformisten oder eben Hipster. Seine These: Wenn sich eine große Masse von Menschen abheben will, wird sie sich zwangsläufig wieder ähnlich. Mit einem Computermodell untersuchte er, unter welchen Umständen Hipster ihr Aussehen anpassen.

Aufgebrachter Hipster bestätigt These

Im Normalfall handeln die Non-Konformisten zunächst zufällig, dann aber gibt es eine Übergangsphase in der es zu einem synchronen Zustand kommt. Danach machen sie wieder das Gegenteil. "Wenn sich eine Mehrheit der Menschen den Bart abrasiert, dann wollen sich die meisten Hipster einen Bart wachsen lassen. Und wenn sich dieser Trend wieder bei einer Mehrheit der Bevölkerung ausbreitet, führt das dann wieder dazu, dass sie sich den Bart abrasieren."

Die These wurde auch sogleich mit einem aufgebrachten Hipster untermauert. Er beschwerte sich, dass der Artikel zur Studie mit ihm bebildert wurde. "Ihr Mangel an grundlegender journalistischer Ethik, sowohl in der Art und Weise, wie Sie über diesen nicht belegbaren Unsinn berichten, als auch in der verleumderischen und unnötigen Verwendung meines Bilder ohne Erlaubnis, erfordert eine Antwort. Und ich werde natürlich rechtliche Schritte einleiten."

Der Clou: Bei dem Bild handelt es sich um ein Getty-Stockfoto. "MIT Technology Review"-Chefredakteur Gideon Lichfield machte sogar das Model ausfindig. Und der bewies: Der aufgebrachte Hipster ist gar nicht auf dem Foto zu sehen, er hatte sich verwechselt. Was wiederum belegt: Alle Hipster sehen gleich aus.

 

(chrile )

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