„Kunstgeschichte kann auch nur von Frauen erzählt werden“

Auffallend viele Ausstellungen weisen darauf hin: Der Kunstbetrieb hat die Frauen übersehen, jetzt besteht Nachholbedarf.

Friederike Pezold: Frauenbilder (Tresor)
Friederike Pezold: Frauenbilder (Tresor)
Friederike Pezold: Frauenbilder (Tresor) – (c) Friederike Pezold

„Warum gab es keine bedeutenden Künstlerinnen?", fragte die Kunsthistorikerin Linda Nochlin 1971 in einem Essay – und stieß eine Debatte über Geschlechterrollen, Institutionen und Kunstverständnis an. „Ihre Analyse gilt auch im zeitgenössischen Kontext. Sie entmystifiziert die Vorstellung des ,Künstlergenies‘, das lang für Größe stand und hauptsächlich Männer begünstigte, die die strukturellen Voraussetzungen hatten, um ihr Leben den Künsten zu widmen", erklärt Noit Banai, Professorin für Neueste Kunstgeschichte an der Universität Wien. Nochlins Arbeit hat kaum an Relevanz verloren: Mechanismen, die abhalten, Künstlerin zu werden, nachteilige Bedingungen in der Ausstellungspraxis, geringere Wertschätzung am Markt – das sorgte historisch für Ungleichgewicht, in vielen Fällen noch immer. Kunstinstitutionen haben sich des Tatbestands angenommen und stellen neuerdings vermehrt Künstlerinnen aus. Eine positive, dringliche Entwicklung angesichts eines männlich dominierten Kunstkanons?

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