Green Cinema

Die Filmbranche geht grüne Wege

Mehrweg statt Müll, Energie aus Wasserkraft. Mehr Bewusstsein für die Umwelt zieht in Kinosälen ein.

Mehr Bewusstsein für die Umwelt im Kinosaal: Wiktoria Pelzer vom Gartenbaukino startete 2016 die Initiative #kinodenktweiter. Mit kleinen und großen Schritten versucht man seitdem, das Kino als grünen Standort zu adaptieren - Mehrweg statt Müll, Energie aus Wasserkraft. Dafür gab es bereits den Umweltpreis der Stadt Wien.

(c) Beigestellt

Zusätzlich zur Standortoptimierung sollen thematische Veranstaltungen das Bewusstsein für ein nachhaltiges Leben wecken. Voriges Jahr beschäftigte man sich zum Beispiel unter dem Motto "Wear it Right" mit "Fair Fashion" als Alternative zu unbedachtem Modekonsum. Zusätzlich zu Gesprächen und Infoständen werden Filme gezeigt, die einen Missstand thematisieren (bisher u. a. "Guardians Of The Earth" über die UN-Klimakonferenz 2015).

(c) Elodie Grethen

Seit Pelzer begann, sich mit Zero Waste und weiteren Umweltaspekten zu beschäftigen, weiß sie: Ein Wandel ist nötig. Große Änderungen seien in Programmkinos jedoch schwer umzusetzen. Dafür fehle Budget, es bräuchte mehr Unterstützung, meint sie. Kleine, skurrile Änderungen sorgen indes für nötige Aufmerksamkeit: So entschied sich das Gartenbaukino, seine ausgemusterte Leinwand nicht wegzuschmeißen, sondern ihr ein neues Leben zu schenken.

(c) Beigestellt

Gemeinsam mit dem Wiener Unternehmen "garbarage upcycling design" schuf man aus dem perforierten Material der Leinwand eine "Upcycling Edition": Umhängetaschen, Rucksäcke und Handysleeves.

(c) Beigestellt

Den Impuls zu grünem Bewusstsein gab die Diagonale in Graz: Im Jahr 2016 startete das Festival des österreichischen Films gleichsam die Initiative #denktweiter, um bei den Rahmenbedingungen (wie Anreise, Gastronomie, Entlohnung) über ökologische und soziale Aspekte nachzudenken. 

(c) Diagonale Pibernig

Seitdem heißt es in Graz etwa: Lieber Blumen statt Plastik. Die Intendanten Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber und ihr Team setzen auf ein Netzwerk aus regionalen Unternehmen (mittlerweile haben sie rund 30 Partner), um nachhaltige Ressourcen vor Ort einzubinden und so eine Art Hinweispolitik zu betreiben.

Um die regionale und saisonale Blumenausstattung aus biologischem Anbau kümmert sich der Betrieb "Vom Hügel". 

(c) Sebastian Reiser

Auch bei der Diagonale sind die Visionen groß, die Möglichkeiten überschaubar (allein dadurch, dass man in den Locations nur Untermieter ist). Daher zählen kleine Schritte wie Abfallvermeidung. Das Festival nahm sich vor, wenig Werbematerial produzieren, dieses dafür bedacht. Es gibt Sattelschoner aus PVC-/ PCB-/ AZO-freiem Material, recyclebare Tragetaschen, Broschüren aus Recyclingpapier und so weiter. 

(c) Paul Pibernig

Transportmittel sind bei der Diagonale ebenfalls ein Thema. Man setzt auf Lastenräder und Leih-E-Bikes, mittlerweile auch auf erste Elektroautos. Und die Bestrebungen betreffen nicht nur die Beförderung von Menschen und Dingen, sondern auch den digitalen Datentransport: Sogar eine "Green-IT-Zertifizierung" ist vorhanden.

(c) Sebastian Reiser

Die Gäste der Diagonale können durch die Initiative #denktweiter die Region kennenlernen. Mit dem Signature-Drink etwa: Der steirische Bio-Gin "Aeijst" trifft darin auf den regionalen Apfelsaft "Blonder Apfelwasser". Die Partner des Festivals vernetzen sich, kreieren zusammen nachhaltige Produkte - mittlerweile auch abseits der Diagonale, wie die Intendanten wohlwollend beobachten.

(c) Miriam Raneburger

Die Festivalwoche ist kurz. Daher geht es darum, jenseits von Greenwashing und flüchtigem Labelling Anreize weiterzugeben, langfristige Möglichkeiten zu zeigen. Auch im Begleitprogramm wird diskutiert, wie die Filmbranche grüner werden kann. Die Intendanten haben im Rahmen ihrer Branchenkonferenz ein verstärktes Interesse am Thema "Green Producing" bemerkt: Bereits während der Filmproduktion wollen viele auf Umweltfreundlichkeit achten. Hierzulande dienen die Kriterien des "Österreichischen Umweltzeichens" als Zertifikat dafür.

(c) Alexi Pelekanos

Zertifikate kann auch die Diagonale aufweisen: Das Diagonale Film Meeting und die Eröffnung sind stets "ecoversum"-zertifizierte Veranstaltungen. Bereits zweimal wurde das Festival mit dem "Green Events Austria Award" ausgezeichnet, mittlerweile wurde es in die Hall of Fame von "Green Events Austria" aufgenommen, in der vorbildhafte (Kultur-)Initiativen vorgestellt werden.

Im Filmprogramm der Diagonale geht es freilich um den künstlerischen Anspruch. Dennoch kommt es mitunter vor, dass sich die gezeigten Filme auch inhaltlich mit Umweltfragen auseinandersetzen.

(c) Sebastian Reiser

Bei der diesjährigen Diagonale wurde auch die  Dokumentation "Erde" von Nikolaus Geyrhalter präsentiert. Die Kinopremiere folgt am 14. Mai im Gartenbaukino.

"Es gibt natürlich immer den Wunsch, mit Filmen die Welt zu verbessern. Das heißt für mich aber nicht, dass uns ein Film sagt, wie eine bessere Welt ausschauen sollte, sondern, dass ein Denkprozess in Gang kommt", so der Wiener Filmemacher. Geyrhalter möchte nicht belehren, sondern beobachten. Bei "Erde" wirft er die Frage auf: Warum bewegt der Mensch geologisch gesehen wesentlich mehr Erdoberfläche als die Natur?

(c) NGF

Geyrhalters Filme setzen sich mit Fragen der Menschheit und Zivilisation auseinander. Dazu gehören immer wieder umweltpolitische Aspekte. In "Erde" führte er Interviews in Minen, Steinbrüchen und bei Baustellen, dokumentiert so die menschliche Eroberung der Erde im Anthropozän. Wenn ein Arbeiter erzählt, wie er Berge versetzen und sich wegen seiner großen Maschinen dabei so fühlen würde, als gebe es keine Grenzen, dann lässt sich bereits ahnen, dass der Mensch mittlerweile zum wichtigsten Einflussfaktor auf dem Planeten geworden ist.

(c) NGF

In sieben Kapiteln führt Geyrhalter in seinem Dokumentarfilm zu Orten, die ansonsten nur schwer zugänglich sind, und macht in weiten Panoramen Bestandsaufnahmen. Im Kino sollen die Zuseher diese Ortsporträts hautnah erleben können - und so eine Möglichkeit bekommen, sich selbst eine Meinung zu bilden und die eigene Verantwortung zu reflektieren.

Wie verhält sich der Mensch gegenüber seiner Umwelt, welche Spuren hinterlässt er? Geyrhalter ist bereits mit der Recherche zu seinem nächsten Projekt beschäftigt: Einem Film über unseren Müll, der sich in den entlegensten Gegenden findet, und über die Menschen, die versuchen, ihn zu beseitigen.

(c) NGF
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Mehr Bewusstsein für die Umwelt im Kinosaal: Wiktoria Pelzer vom Gartenbaukino startete 2016 die Initiative #kinodenktweiter. Mit kleinen und großen Schritten versucht man seitdem, das Kino als grünen Standort zu adaptieren - Mehrweg statt Müll, Energie aus Wasserkraft. Dafür gab es bereits den Umweltpreis der Stadt Wien.

(c) Beigestellt

Zusätzlich zur Standortoptimierung sollen thematische Veranstaltungen das Bewusstsein für ein nachhaltiges Leben wecken. Voriges Jahr beschäftigte man sich zum Beispiel unter dem Motto "Wear it Right" mit "Fair Fashion" als Alternative zu unbedachtem Modekonsum. Zusätzlich zu Gesprächen und Infoständen werden Filme gezeigt, die einen Missstand thematisieren (bisher u. a. "Guardians Of The Earth" über die UN-Klimakonferenz 2015).

(c) Elodie Grethen

Seit Pelzer begann, sich mit Zero Waste und weiteren Umweltaspekten zu beschäftigen, weiß sie: Ein Wandel ist nötig. Große Änderungen seien in Programmkinos jedoch schwer umzusetzen. Dafür fehle Budget, es bräuchte mehr Unterstützung, meint sie. Kleine, skurrile Änderungen sorgen indes für nötige Aufmerksamkeit: So entschied sich das Gartenbaukino, seine ausgemusterte Leinwand nicht wegzuschmeißen, sondern ihr ein neues Leben zu schenken.

(c) Beigestellt

Gemeinsam mit dem Wiener Unternehmen "garbarage upcycling design" schuf man aus dem perforierten Material der Leinwand eine "Upcycling Edition": Umhängetaschen, Rucksäcke und Handysleeves.

(c) Beigestellt

Den Impuls zu grünem Bewusstsein gab die Diagonale in Graz: Im Jahr 2016 startete das Festival des österreichischen Films gleichsam die Initiative #denktweiter, um bei den Rahmenbedingungen (wie Anreise, Gastronomie, Entlohnung) über ökologische und soziale Aspekte nachzudenken. 

(c) Diagonale Pibernig

Seitdem heißt es in Graz etwa: Lieber Blumen statt Plastik. Die Intendanten Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber und ihr Team setzen auf ein Netzwerk aus regionalen Unternehmen (mittlerweile haben sie rund 30 Partner), um nachhaltige Ressourcen vor Ort einzubinden und so eine Art Hinweispolitik zu betreiben.

Um die regionale und saisonale Blumenausstattung aus biologischem Anbau kümmert sich der Betrieb "Vom Hügel". 

(c) Sebastian Reiser

Auch bei der Diagonale sind die Visionen groß, die Möglichkeiten überschaubar (allein dadurch, dass man in den Locations nur Untermieter ist). Daher zählen kleine Schritte wie Abfallvermeidung. Das Festival nahm sich vor, wenig Werbematerial produzieren, dieses dafür bedacht. Es gibt Sattelschoner aus PVC-/ PCB-/ AZO-freiem Material, recyclebare Tragetaschen, Broschüren aus Recyclingpapier und so weiter. 

(c) Paul Pibernig

Transportmittel sind bei der Diagonale ebenfalls ein Thema. Man setzt auf Lastenräder und Leih-E-Bikes, mittlerweile auch auf erste Elektroautos. Und die Bestrebungen betreffen nicht nur die Beförderung von Menschen und Dingen, sondern auch den digitalen Datentransport: Sogar eine "Green-IT-Zertifizierung" ist vorhanden.

(c) Sebastian Reiser

Die Gäste der Diagonale können durch die Initiative #denktweiter die Region kennenlernen. Mit dem Signature-Drink etwa: Der steirische Bio-Gin "Aeijst" trifft darin auf den regionalen Apfelsaft "Blonder Apfelwasser". Die Partner des Festivals vernetzen sich, kreieren zusammen nachhaltige Produkte - mittlerweile auch abseits der Diagonale, wie die Intendanten wohlwollend beobachten.

(c) Miriam Raneburger

Die Festivalwoche ist kurz. Daher geht es darum, jenseits von Greenwashing und flüchtigem Labelling Anreize weiterzugeben, langfristige Möglichkeiten zu zeigen. Auch im Begleitprogramm wird diskutiert, wie die Filmbranche grüner werden kann. Die Intendanten haben im Rahmen ihrer Branchenkonferenz ein verstärktes Interesse am Thema "Green Producing" bemerkt: Bereits während der Filmproduktion wollen viele auf Umweltfreundlichkeit achten. Hierzulande dienen die Kriterien des "Österreichischen Umweltzeichens" als Zertifikat dafür.

(c) Alexi Pelekanos

Zertifikate kann auch die Diagonale aufweisen: Das Diagonale Film Meeting und die Eröffnung sind stets "ecoversum"-zertifizierte Veranstaltungen. Bereits zweimal wurde das Festival mit dem "Green Events Austria Award" ausgezeichnet, mittlerweile wurde es in die Hall of Fame von "Green Events Austria" aufgenommen, in der vorbildhafte (Kultur-)Initiativen vorgestellt werden.

Im Filmprogramm der Diagonale geht es freilich um den künstlerischen Anspruch. Dennoch kommt es mitunter vor, dass sich die gezeigten Filme auch inhaltlich mit Umweltfragen auseinandersetzen.

(c) Sebastian Reiser

Bei der diesjährigen Diagonale wurde auch die  Dokumentation "Erde" von Nikolaus Geyrhalter präsentiert. Die Kinopremiere folgt am 14. Mai im Gartenbaukino.

"Es gibt natürlich immer den Wunsch, mit Filmen die Welt zu verbessern. Das heißt für mich aber nicht, dass uns ein Film sagt, wie eine bessere Welt ausschauen sollte, sondern, dass ein Denkprozess in Gang kommt", so der Wiener Filmemacher. Geyrhalter möchte nicht belehren, sondern beobachten. Bei "Erde" wirft er die Frage auf: Warum bewegt der Mensch geologisch gesehen wesentlich mehr Erdoberfläche als die Natur?

(c) NGF

Geyrhalters Filme setzen sich mit Fragen der Menschheit und Zivilisation auseinander. Dazu gehören immer wieder umweltpolitische Aspekte. In "Erde" führte er Interviews in Minen, Steinbrüchen und bei Baustellen, dokumentiert so die menschliche Eroberung der Erde im Anthropozän. Wenn ein Arbeiter erzählt, wie er Berge versetzen und sich wegen seiner großen Maschinen dabei so fühlen würde, als gebe es keine Grenzen, dann lässt sich bereits ahnen, dass der Mensch mittlerweile zum wichtigsten Einflussfaktor auf dem Planeten geworden ist.

(c) NGF

In sieben Kapiteln führt Geyrhalter in seinem Dokumentarfilm zu Orten, die ansonsten nur schwer zugänglich sind, und macht in weiten Panoramen Bestandsaufnahmen. Im Kino sollen die Zuseher diese Ortsporträts hautnah erleben können - und so eine Möglichkeit bekommen, sich selbst eine Meinung zu bilden und die eigene Verantwortung zu reflektieren.

Wie verhält sich der Mensch gegenüber seiner Umwelt, welche Spuren hinterlässt er? Geyrhalter ist bereits mit der Recherche zu seinem nächsten Projekt beschäftigt: Einem Film über unseren Müll, der sich in den entlegensten Gegenden findet, und über die Menschen, die versuchen, ihn zu beseitigen.

(c) NGF
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