Sommerszene: Salzburgs andere Festspiele

Die Szene Salzburg feiert heuer ihr 50-jähriges Bestehen. Angela Glechner hat dem Tanztheaterfestival neuen Schwung verliehen.

Angela Glechner freut sich u. a. auf die Truppe Forced Entertainment.
Angela Glechner freut sich u. a. auf die Truppe Forced Entertainment.
Angela Glechner freut sich u. a. auf die Truppe Forced Entertainment. – (C) Szene Salzburg

Tanzen kann sie nicht – auch wenn der Tanz viel mit ihrem Beruf zu tun hat. Angela Glechner leitet mit der Szene Salzburg eines der ältesten Festivals für Tanztheater und Performance in Österreich. Gestern Abend startete die diesjährige Sommerszene Salzburg mit dem aktuellen Stück „Rule of Three“ des belgischen Choreografen Jan Martens. Es ist das siebente Programm, das die Handschrift der 50-jährigen Oberösterreicherin trägt. Glechner stellt dabei internationale Produktionen – heuer sind beispielsweise die britische Kultgruppe Forced Entertainment oder der portugiesische Theatermacher Tiago Rodrigues zu Gast – Arbeiten der heimischen Szene gegenüber.

Das Festival, das vor 50 Jahren als „Szene der Jugend“ gegründet wurde, hat sich längst von einer kleinen und durchaus umstrittenen Plattform für damals neue kreative Ausdrucksformen zu einer fixen Größe im Salzburger Kulturangebot entwickelt. Die Berührungsängste, die es in den Anfangsjahren beim etablierten Kulturpublikum gab, sind passé. Heute geht man zur Szene genauso wie zu den Festspielen.

 

Young Vibes für die Jüngeren

Ganz junge Menschen sieht man aber in der Szene noch zu wenig. Das zu ändern, ist Glechner ein großes Anliegen. Mit dem neu geschaffenen Format „Young Vibes“ will sie während des Jahres Jugendliche für den zeitgenössischen Tanz begeistern – mit lokalen oder internationalen Projekten, die für junge Menschen gemacht wurden sowie dazu passenden Workshops, Tanzpartys oder Künstlergesprächen. „Ich bin sicher, dass der gemeinsam erlebte analoge Moment auch die Generation Smartphone begeistern kann“, sagt Glechner. Man müsse die Jugendlichen nur dazu einladen.

Sie selbst ist über Umwege zum Theater gekommen. „Eigentlich wollte ich Journalistin werden, ich habe Kommunikationswissenschaften in Wien studiert“, erzählt die Intendantin. „Doch ich habe bald gemerkt, dass Sprache und Theater mich stärker faszinieren.“ Sie dockte bei einer freien Performance-Gruppe in Wien an und gehörte zur Gründergeneration des Tanzquartiers Wien. Sie organisierte und arbeitete bei den Produktionen im Hintergrund mit. Selbst Regie zu führen oder gar zu tanzen, kam ihr nie in den Sinn. „Ich habe überhaupt kein Rhythmusgefühl“, lacht die Oberösterreicherin. Das kuratorische Arbeiten, die Suche nach einem Thema oder einem inhaltlichen roten Faden lag ihr viel mehr. Schritt für Schritt entwickelte sie sich zur Kuratorin. Seit 2012 ist sie nach Stationen in Wien und Hamburg Intendantin der Szene Salzburg.

„Man muss sich die Produktionen selbst anschauen“, sagt sie. Sich einfach auf Empfehlungen zu verlassen, ist ihre Sache nicht. Sie will die Stücke, die sie einlädt, selbst beurteilen. „Es muss ein Funke überspringen“, nennt sie als Richtschnur für ihre Arbeit. Einen Schlüsselmoment des Theaters hat ihr die britische Kultgruppe „Forced Entertainment“ vor einigen Jahren beschert. „Es war für mich, als würde das Theater neu erfunden“, sagt sie über diesen für sie legendären Abend. Seit Langem bemüht sie sich, die postdramatische Künstlergruppe aus Sheffield nach Salzburg zu holen – heuer ist es gelungen. Die Briten sind mit ihrem aktuellen Stück „Out of Order“ rund um sechs traurige Clowns zu Gast.

Die emotionale Berührung, die Überraschung, die Vielfalt – das sind Dinge, die Glechner bei der Zusammenstellung ihres Programms wichtig sind. Sie will offen für neue Ausdrucksformen bleiben, die Neugier treibt sie an. Gerade erst war sie in Portugal, um sich die dortige Szene anzusehen und neue Stücke kennenzulernen. „Ich habe 16 Stücke in vier Tagen gesehen.“ Das ist anstrengend, aber auch inspirierend. Wenn ihr das Theater zu viel wird, stürzt sie sich zur Erholung in Bücher, lässt sich in andere Welten entführen. „Für mich gehört die Kunst zu einem guten Leben einfach dazu“, sagt sie. Und daran will sie mit ihrer programmatischen Arbeit möglichst viele Menschen teilhaben lassen.

AUF EINEN BLICK

Die Sommerszene Salzburg dauert vom

17. bis 29. Juni. Gezeigt werden 14 Produktionen aus neun Ländern. Eröffnet wurde Montagabend mit Jan Martens „Rule of Three“. Während des Festivals gibt es eine permanente Installation im Neutor von Marco Döttlinger. Das Salzburger Künstlerkollektiv ohnetitel lädt jeden Abend unter dem Titel „Die Späte der Stunde“ zu einer Erkundungstour ins Innere der Stadt. Das gesamte Programm gibt es online unter

Web:www.szene-salzburg.net

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.06.2019)

Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Sommerszene: Salzburgs andere Festspiele

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.