Eine kleine Kulturgeschichte des Schredderns

Daten werden nicht erst zerstört, seit ein Mitarbeiter von Ex-Kanzler Kurz fünf Festplatten vernichten ließ.

Erst wird Papier in großen Mengen ausgedruckt, später dann geschreddert.
Erst wird Papier in großen Mengen ausgedruckt, später dann geschreddert.
Erst wird Papier in großen Mengen ausgedruckt, später dann geschreddert. – Martin Poole/picturedesk.com

Die Zerstörung von Geschriebenem kann viele Gründe haben. Im alten Ägypten, zum Beispiel, wurde manches Papyrus verbrannt, die Asche in Wasser aufgelöst und getrunken. Die Idee war allerdings nicht die Vernichtung des Inhalts. Vielmehr sollte die Magie des Textes so auf eine Person übergehen. Im europäischen Kontext gab es mit den Schluckbildchen ein ähnliches Phänomen – kleine Zettel mit Gebeten oder Heiligenbildern wurden geschluckt, in der Hoffnung, dass einem dadurch Heil widerfährt.

Die Zerstörung von Geschriebenem kann aber auch ein Zeichen von Machtausübung sein. In der Antike gab es etwa im griechisch-römischen Kulturraum das Phänomen der damnatio memoriae. Namen von Persönlichkeiten wurden von Inschriften ausgemeißelt, um ihr Andenken zu schädigen, etwa bei Herrschern, die im Nachhinein delegitimiert werden sollten. Auch die Verbrennung von Büchern, wie sie im Lauf der Geschichte immer wieder durchgeführt wurde, hat diese symbolische Ebene – einen Autor oder dessen Ideen öffentlich zu brandmarken. Und in zweiter Linie natürlich auch mit dem Verbrennen des Papiers die zu Schrift gewordenen Gedanken materiell aus der Welt zu schaffen.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2019)

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