Fred Adlmüller: Wiener Schick

Gute fünfzig Jahre stand der Wiener Couturier und Mäzen W. F. Adlmüller im Dienste der Schönheit. Im März wäre er 100 geworden. Zum Geburtstag gibt es eine Ausstellung und ein Buch.

Fred Adlmüller machte seine modische Karriere mit internationaler Reputation zu einer Zeit, als Stangenware kein Begriff war und von ­Demokratisierung der Mode keine Rede. Couture war noch nicht zur Wegwerfware degradiert worden und lediglich einem kleinen Kreis der Bevölkerung zugänglich.

Bis zum Ende der Monarchie gab es in Österreich ­eine blühende Textil- und Modeindustrie, die den Begriff „Wiener Chic“ prägte und nährte. Dieser stand für höchste Qualität und beste Verarbeitung und orientierte sich am französischen und englischen Stil – natürlich mit kleinen kreativen Eigenheiten. Als der Münchener Adlmüller 1929 nach Wien zog und als Modeeinkäufer bei ­Tailors, Stone & Blyth auf der Kärntner Straße anfing, machte er sich genau das zu eigen. 1933 präsentierte er seine erste eigene Kollektion. Adlmüllers große Stärke bestand ­
da­rin, sein an Paris orientiertes Modebewusstsein an Wiener Verhältnisse zu adaptieren. Das brachte ihm die Verehrung seiner Kundinnen ein und katapultierte ihn rasch an die Spitze der Wiener Modewelt, der er weltmännisches Flair einzuhauchen verstand.

Fred Adlmüller war kein modischer Visionär, aber er und sein legendärer Salon im Palais Esterházy waren eine Wiener Institution. Adlmüller stand mit Haut und Haar im Dienste der Schönheit. Nichts wurde dem Zufall überlassen, vom Kleiderbügel bis zur Schaufenstergestaltung war alles Teil einen großen Ganzen. Seine Bedeutung bestand darin, das Bewährte zu schützen, weiterzuentwickeln und es doch hin und wieder dem sogenannten Zeitgeist anzupassen. Noch an seinem 80. Geburtstag sagte der letzte Wiener Couturier, der auch Dependancen
in München und Bad Gastein hatte: „In meinem Leben stand an erster Stelle die Mode, dann kam wieder die ­Mode und dann nochmals die Mode.“

Modeschöpfer, Professor und Mäzen.
Am 16. März wäre er 100 Jahre alt geworden. Grund genug für Elisabeth Frottier, Leiterin der Kostüm- und Modesammlung der Universität für angewandte Kunst, und Rektor Gerald Bast, eine ordentliche Adlmüller-Retrospektive auf die Beine zu stellen. „Die Ausstellung und der dazugehörige Katalog nähern sich dem Phänomen Adlmüller auf drei Ebenen. Adlmüller als Modeschöpfer, als Professor an der Angewandten und als Mäzen“, sagt Frottier.
Denn auch seine Arbeit von 1974 bis ’79, als letzter ­ordentlicher Professor in der Modeklasse, nahm der Modezar mehr als ernst. Obwohl er sich nur beim Bewährten wirklich sicher fühlte und mit dem Stil und den modischen Veränderungen der 70er-Jahre recht wenig anfangen konnte, widmete er sich seiner Aufgabe mit Hingabe und Offenheit.

Mit der Angewandten blieb er bis weit nach seiner Lehrtätigkeit eng verbunden. Einen Großteil seines Privatvermögens ließ er in die Fred-Adlmüller-Stiftung einfließen, die seit 1993 ein Stipendium an herausragende Studenten vergibt. Das Adlmüller-Stipendium ist bis heute ein zuverlässiger Gradmesser für die modischen Talente in diesem Land. Für Andreas Bergbaur, Unit-F-Gründer und Kommunikationschef bei Jil Sander, Grund zur Anerkennung, „denn Adlmüller war der Erste, der auf Mode gesetzt hat, auf Mode in Wien.“

TIPP

Ausstellung: W. F. Adlmüller: Mode – Inszenierung + Impulse.
Universität für angewandte Kunst, Ausstellungszentrum Heiligenkreuzer Hof, 1010 Wien, von 13. 3. bis 30. 4. 2009, Katalog im Springer Verlag erschienen.

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