Tanzbauten: Baustelle als Bühne

Eine Ausstellung in Linz zeigt, wie Architektur und Tanz zusammenhängen, beide sind raumfüllend.

Stemmen. Tanz und Bauen erfordern gleichermaßen viel Kraft.
Stemmen. Tanz und Bauen erfordern gleichermaßen viel Kraft.
Stemmen. Tanz und Bauen erfordern gleichermaßen viel Kraft. – (c) Peter Wagner

Architektur baut den Raum. Tanz benötigt ihn. Im Architekturforum Oberösterreich (AFO) befreundet sich die materialgebundene Architektur mit dem ephemeren, aus Bewegung bestehenden Tanz. „Wir haben das versucht, als experimentelle Überschneidung“, sagt AFO-Chef Franz Koppelstätter. „Wir wollten wissen, was passiert, wenn Architektur und Tanz gleichzeitig den Raum benützen und verändern. Normalerweise passieren Architektur und Tanz in zeitlicher Abfolge. Erst wenn der Raum gebaut ist, kann der Tanz ihn nutzen.“ Bildende Künstler und Künstlerinnen, Architekten und Tänzer wurden eingeladen, um im AFO gemeinsam zu arbeiten, zu bauen und zu tanzen.

Architektur und Tanz entstehen nebeneinander, miteinander. „Das war anfangs nicht so einfach, wir mussten zuerst die unterschiedlichen Raumbegriffe auf einen Nenner bringen. Auch die Vorstellungen von der Nutzung des Raumes sind nicht gleich. Tänzer erobern einen Raum ganz anders. Die Auseinandersetzung mit den fremden, von der Architektur genutzten Materialien fiel den Tänzern nicht so schwer.“ Die Tänzer setzen sich mit ungewohnten Materialien – Holz, Zementfaserplatten, Maschendraht – auseinander und benützen das Material der Architektur. Auf die Bewegung zwischen Faserplatten und Holzpfählen sind Tänzer längst trainiert. Das anfangs ungleiche Dreieck aus Architektur, bildender Kunst und Tanz wurde bald zu einem gleichseitigen, was in der aktuellen Ausstellung „Architektur + Tanz“ zu beobachten ist. „Den Prozess der Zusammenarbeit von Architektur und Tanz haben wir in Videos und Fotos dokumentiert, die gemeinsam mit den entstandenen Objekten in der Ausstellung zu sehen sind. Schon vor der Eröffnung haben drei Tänzer den Arbeitsprozess in einer Performance dargestellt. Auch davon ist ein Video zu sehen.“

Verantwortung. Für Koppelstätter und das Team ist der Prozess jedoch mit der Ausstellungseröffnung nicht beendet: „Wer Raum nützt, verändert ihn, produziert neuen. Das Publikum wird die Geschichte fortschreiben.“ Nicht nur Tanz, auch Architektur lebt. Manchmal sogar gemeinsam. Das AFO Architekturforum Oberösterreich bietet mit Ausstellungen, Diskussionsrunden und Vorträgen eine Plattform für die Auseinandersetzung mit Architektur. Architektur wird in ihren vielfältigen Bezügen zur Gesellschaft gesehen, schafft doch die gebaute Umwelt Lebens-, Wirtschafts- und Kulturräume für die Menschen. Architektur, so der Leitgedanke, trägt eine besondere Verantwortung gegenüber Mensch und Umwelt.

Tipp

Ausstellung „Architektur + Tanz“, bis 17. 12. 2016, AFO Architekturforum Oberösterreich, Linz.
www.afo.at

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