Fendi: Mailands Abschied von Lagerfeld

Der Modezar war seit 1965 Kreativdirektor des römischen Modehauses, gemeinsam mit Silvia Venturini Fendi verantwortlich für die Damenkollektion.

(c) REUTERS (ALESSANDRO GAROFALO)

So frohsinnig die Modewoche üblicherweise auch verlaufen mag, die Stimmung in Mailand ist gedrückt. Oder zumindest mag es für den feinsinnigen Beobachter so erscheinen. Mit internationalen Kollegen, die man länger nicht gesehen hat, kommt man unweigerlich nur über eines ins Gespräch, zwei Tage nach dem Tod von Karl Lagerfeld: Wie wird es weitergehen mit seiner Marke, mit Fendi, mit Chanel, und wie mit dem Modesystem im Großen.

Auch seine Kollegen erweisen Karl Lagerfeld die Ehre, Jean-Charles de Castelbajac lässt etwa bei einer Präsentation von Benetton Grußworte verlesen. Am größten ist die Spannung vor dem Defilee von Fendi: Wie wird das Maison sich von ihm verabschieden? Die Damenkollektionen der in Rom ansässigen Luxusmarke entwarf Karl Lagerfeld durchgehend seit 1965 – das ist ein unerreichter Rekord in der Modebranche.

Manche der Ehrengäste in der ersten Reihe tragen Schwarz: Eine Einheitsuniform für viele, in diesen Tagen mag es aber, besonders im französischen und dem deutschsprachigen Block, so erscheinen, als wäre dies Trauerkleidung, die man zu Ehren des vor zwei Tagen verstorbenen Stardesigners angelegt hat.

Lagerfelds Abschiedsgeschenk an Fendi

Bei der Herbstkollektion von Fendi handelt es sich um die letzte der italienischen Marke, die Lagerfeld zu Lebzeiten entworfen hat. Dem Rhythmus des Modesystems entsprechend, wird sich diese Präsenz noch ein wenig hinziehen, denn diese Kleidung kommt erst mit Beginn der Herbstsaison in den Handel. Wenn es stimmt, dass, wie man in Mailand immer wieder hört, Karl Lagerfeld in den letzten Monaten an einer unheilbaren Krankheit litt, dann entwarf er diese Kollektion im Wissen darum, dass sie sein Abschiedsgeschenk an Fendi sein könnte.

Von Schwermut oder Selbstmitleid findet sich in diesen Entwürfen aber keine Spur. Lagerfeld spielt mit dem Thema der aus einem Seidentuch gebundenen Masche, die sich in verschiedenen Variationen durch die Kollektion zieht. Die Silhouette ist modern, der Ansatz des Kreativen bis zuletzt verspielt geblieben. Auch eine neue Variante des FF-Logos tritt in Erscheinung: Lagerfeld hat sie 1981 als „Karligraphie“ entworfen, wie es heißt.

"Wir werden ihn sehr vermissen"

Nach dem Ende des Defilees wird es dunkel im Showspace: In einer an die Wand projizierten Szene aus einer Dokumentation erinnert sich Lagerfeld an seinen ersten Arbeitstag in Rom im Jahr 1965 und skizziert die Kleidung, die er bei jener Gelegenheit trug. Als es wieder hell wird, wischen sich nicht wenige Gäste Tränen von den Wangen.

Im Begleittext zur Kollektion verabschiedet sich indessen Silvia Venturini Fendi von ihrem Mentor: „Ich bin tief getroffen von seinem Dahinscheiden und berührt von seiner unausgesetzten Sorge und Ausdauer, bis zum Schluss. Als wir einige Tage vor dem Defilee telefonierten, galten seine Gedanken nur dem Reichtum und der Schönheit dieser Kollektion. Sie ist ein echtes Charakterzeugnis. Wir werden ihn sehr vermissen.“

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