Prada und der Hang zur Romantik

Frankenstein, Wednesday Addams und schwarze Spitzencapes - Miuccia Prada liebäugelt in Mailand mit der Anziehungskraft der Dunkelheit.

Prada bei der Mailänder Modewoche
Prada bei der Mailänder Modewoche
Prada bei der Mailänder Modewoche – Reuters (Alessandro Garofalo)

Das Spiel mit Gegensätzen, mit verschiedenen Codes und (oft freilich nur ansatzweise) verwischten Geschlechtergrenzen ist ein Thema, das sich in dieser Saison in einigen der Mailänder Kollektionen aufspüren lässt. Niemand beschäftigt sich freilich länger und konsequenter mit solchen Wirrnissen und dem Einbringen von unerwarteten Referenzen und Störelementen in die High Fashion als Miuccia Prada.

Mit ihrer Damenmode für den kommenden Herbst erweist sich Frau Prada nun im Herzen als Romantikerin. Achtung: Der Ursprung des Wortes ist hier die Romantik, nicht die Romanze. Wie die Denker und Künstler der Romantik im frühen 19. Jahrhundert sich auch von der dunklen Seite der Welt angezogen fühlten, genüsslich Schauerromane verschlangen (oder verfassten), in denen sie die Facetten des Jenseitigen ausloteten - ebenso liebäugelt Miuccia Prada nun mit der Dunkelheit, oder sagen wir besser: dem Chiaroscuro, und ihrer Anziehungskraft.

Reuters (Alessandro Garofalo)

Frankenstein auf einem T-Shirt-Print, die Frisur von Wednesday Addams an Models, feine schwarze Spitzencapes, die wie unendlich formschöne Spinnennetze anmuten: All dies kombiniert Miuccia Prada in ihrer Kollektion mit Details, die aus der eindimensionalen Schauerhaftigkeit herausführen und - ganz im Sinne der Romantik - tröstlichen Hoffnungsschimmer zulassen. Am deutlichsten manifestieren sich zarte Triebe des Schönen im Schaurigen in glitzernden Prinzessinnenschuhen und Rosenmotiven, die sich durch die Kollektion ziehen.

Fast ist man darauf vorbereitet, Kylie Minogue im Duett mit Nick Cave "They Call Me the Wild Rose" im Showsoundtrack zu hören - so einfach macht es Miuccia Prada sich und ihren Gästen aber natürlich nicht. Und wer Prada kennt und mag, ist ihr für diese Komplexität dankbar.

Reuters (Alessandro Garofalo)

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