Eine britische Liebeserklärung an Christian Dior

Eine ehrgeizige Ausstellung des Victoria & Albert Museum in London zeigt die anglophile Seite von Christian Dior.

Akurat. Weiße Modelle im „Atelier“-Bereich zeigen Schnitt und Silhouette.
Akurat. Weiße Modelle im „Atelier“-Bereich zeigen Schnitt und Silhouette.
Akurat. Weiße Modelle im „Atelier“-Bereich zeigen Schnitt und Silhouette. – (c) Adrien Dirand

Genauer hinsehen muss man, um das Herzstück der Ausstellung „Christian Dior: Designer of Dreams" im Londoner Victoria & Albert Museum mit der großen Fotografie an der Wand in Verbindung zu bringen. Das Geburtstagsporträt von Queen Elizabeths Schwester Prinzessin Margaret zeigt die 21-Jährige in einer üppigen weißen Robe mit silbernen Stickereien, ihre zierliche Taille betonend. Das Original hinter einem Schaukasten ist hingegen beige, fast cappuccinofarben. Die Applikationen golden. Doch hier haben nicht knapp sieben Jahrzehnte ihre Spuren am wertvollen Textil hinterlassen – die Robe wurde 1951 angefertigt –, vielmehr war Fotograf Cecil Beaton schon damals der Bildretusche nicht abgeneigt. „Er hat die Farben des Porträts verändert. Auf dem Bild wirkt die Stickerei silbern und das Sofa, auf dem sie im Buckingham Palace sitzt und das eigentlich dunkelrot ist, pink. Er hat die Fotografie komplett gebleicht und somit die Prinzessin in ihrer Reinheit verkörpert. Ein starker Kontrast", meint Oriole Cullen, die Kuratorin der Ausstellung, die auf jener des Musée des Arts Décoratifs in Paris namens „Christian Dior: Couturier du Rêve" basiert. Fotograf Cecil Beaton ist es auch, dem das Museum seine große Sammlung an Couturekleidern verdankt. Beaton, der die High Society liebte und in ihren Kreisen verkehrte, entschloss sich, seine berühmten Kundinnen anzusprechen und eine Modesammlung anzulegen. „Damals hatten die Kleider noch nicht den Wert von heute. Diese Frauen gaben ihm also diese großartigen Stücke, insgesamt 400 Kleider von Schiaparelli, Balenciaga, aber natürlich auch Christian Dior", erzählt Cullen. Ganz selbstlos war der Gedanke nicht. Die Kleider überließ der Fotograf dem Museum, im Gegenzug verlangte er eine Ausstellung.

Royal. Prinzessin Margaret ließ sich zu ihrem 21. Geburtstag ein Kleid von Christian Dior schneidern.
Royal. Prinzessin Margaret ließ sich zu ihrem 21. Geburtstag ein Kleid von Christian Dior schneidern.
Royal. Prinzessin Margaret ließ sich zu ihrem 21. Geburtstag ein Kleid von Christian Dior schneidern. – (c) Adrien Dirand

British Way of Life. In nur neun Monaten entstand die größte Modeausstellung seit „Alexander McQueen: Savage Beauty" aus dem Jahr 2015. Nicht nur die ausgestellten Stücke, sondern das ganze visuelle Konzept wurden verändert. An der Pariser Ausstellung hat man sich dabei nur zu etwa 40 Prozent orientiert. Zum einen, um die historischen Stücke vor Licht und Staub zu schützen, zum anderen, um eine neue, noch wenig bekannte Geschichte des Modehauses zu erzählen. Die von Christian Diors Liebe zu Großbritannien. In seiner Biografie „Dior by Dior" schrieb der 1957 verstorbene Couturier einst: „Es gibt kein anderes Land auf dieser Welt, außer mein eigenes, dessen Lebensstil ich so mag. Ich liebe englische Traditionen, englische Freundlichkeit, englische Architektur. Ich liebe sogar englisches Essen."

500 Objekte, darunter 200 Haute-Couture-Kleider – beginnend mit der „New Look"-Silhouette 1947 –, sind ausgestellt und in elf Themengebiete, etwa „Travel", „The Ballroom" und eben „Dior in Britain", unterteilt. Nicht nur Diors Entwürfe, sondern auch die seiner Nachfolger Yves Saint Laurent, Marc Bohan, Gianfranco Ferré, John Galliano, Raf Simons und Maria Grazia Chiuri befinden sich darunter.

New Look. Die ältesten Stücke stammen aus dem Jahr 1947.
New Look. Die ältesten Stücke stammen aus dem Jahr 1947.
New Look. Die ältesten Stücke stammen aus dem Jahr 1947. – (c) Adrien Dirand

Detailverliebt. Cullens Lieblingsstück stammt von Marc Bohan: Es ist ein goldenes Kleid mit einfachem Schnitt, aber kunstvollen Stickereien. Für sie der Inbegriff der Haute Couture. Anziehen würde sie aber keine der Roben. „Das ist, als ob man einen Keramikexperten fragt, warum er keinen Tee aus antikem Porzellan trinkt. Für uns sind die Kleider Objekte." Die größte Herausforderung als Kuratorin ist dabei nicht nur die Recherche und das Aufspüren von Kleidungsstücken – der Teufel liegt wie so oft im Detail. Und zwar bei den Schaufensterpuppen. Denn die Kleider aus den 1950er-Jahren haben andere Formen. „Ich kann Ihnen gar nicht sagen – und das ist so langweilig –, wie lang wir über die Puppen diskutiert haben."

Modeausstellungen erfreuen sich großer Beliebtheit. Cullen sieht vor allem in den letzten zehn Jahren eine Veränderung. „Mit Mode kann jeder etwas anfangen, weil sie jeder trägt. Daran ist nichts Exklusives, anders als bei zeitgenössischer Kunst etwa. Bei Kleidung kann jeder sagen: ,Das liebe ich, das hasse ich.‘ Und die Meinung wird ernst genommen."

Blockbuster. 500 Objekte in elf Themengebieten sind ausgestellt.
Blockbuster. 500 Objekte in elf Themengebieten sind ausgestellt.
Blockbuster. 500 Objekte in elf Themengebieten sind ausgestellt. – (c) Adrien Dirand

 Die Autorin war auf Einladung von Dior in London.

Tipp

„Designer of Dreams". Die Ausstellung ist noch bis 14. Juli im Victoria & Albert Museum in London zu sehen.

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