Ein Tragetuch namens Werner

Mit ihren Tragetüchern will Petra Etzelstorfer gerade auch Jungväter ansprechen. Genäht werden ihre Produkte nur von Wiener Schneidern.

Wiener Label-Gründerin Petra Etzelstorfer mit selbst entworfenem Tragetuch.
Wiener Label-Gründerin Petra Etzelstorfer mit selbst entworfenem Tragetuch.
Wiener Label-Gründerin Petra Etzelstorfer mit selbst entworfenem Tragetuch. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Werner gibt es in senfgelb, minzgrün oder rosé. Sepp kommt wahlweise in dunkelgrau oder terracottafarben daher. Werner und Sepp sind Tragetücher, mit denen Eltern ihre Babys und Kleinkinder am Körper tragen können.

Und echte Wiener sind sie dabei auch: Entwickelt wurden sie in Aspern, von Petra Etzelstorfer, selbst zweifache Mutter, die als Familienbegleiterin und Tragebraterin seit Jahren Jung-Eltern berät. Nicht nur, aber auch in der Frage, wie sie ihr Baby – alternativ zum Kinderwagen – am besten tragen: Tragehilfe, Tragetuch (ja, das sind zwei verschiedene Dinge), elastisch, fix vernäht, für vorne, hinten, seitlich? Die Auswahl ist groß – und für viele Jungeltern nicht selten überfordernd.

Etzelstorfer hat daher vor einigen Monaten das „Wiener Label“ gegründet – und selbst elastische Tragetücher entworfen. Denn ein solches – das man sich salopp gesagt in einer speziellen Technik um den Körper wickelt – „ist mit Abstand das einfachste für Mütter und Väter, vor allem in den ersten Monaten,“ findet sie. Nicht nur, weil sich das Baby direkt am Körper der Mutter oder des Vaters geborgen fühlt, „es geht auch wirklich superschnell“, sagt Etzelstorfer. (Wenn man einmal weiß, wie.) Außerdem sei es, da es elastisch ist und anders als Tragehilfen keine fix vernähten Teile hat – flexibel und passt sich so jedes Mal automatisch an die Körperform des Tragenden und des Babys an.

Die „Wiener Label“-Gründerin will – nicht nur jetzt, da der Vatertag (9.6.) naht – gerade auch Männer dazu animieren, ihr Baby im Tragetuch zu tragen, und ortet bei den Jungvätern auch eine zunehmende Bereitschaft dazu: „Da findet durchaus eine Revolution im positiven Sinn statt.“

Dass ihre Tragetücher männliche Vornamen haben – ihr erstes Produkt ist nach ihrem Mann Werner benannt – ist also kein Zufall: Auch in der Videoanleitung zur richtigen Verwendung der Tragetücher steht ihr Mann (und bewusst keine Frau) Modell.

Wie man nun Sepp (der sich für Babys von Geburt an bis zu einem Gewicht von 20 kg eignet) oder Werner (bis 15 kg) richtig verwendet, können Eltern im erwähnten Video ansehen, mitgeliefert wird auch eine kleine Anleitung in Papierform. „Wir wollten bewusst keine 20 Seiten Anleitung, weil alle Jungeltern, die ich beraten habe, mit Riesenanleitungen völlig überfordert sind.“ Wer möchte, kann Etzelstorfer auch anrufen und sich – etwa via Videotelefonat – versichern, dass er alles richtig macht.

Sitzt das Tuch zu fest, zu locker, erdrücke ich mein Kind eh nicht? „Vor allem beim ersten Kind sind Eltern sehr besorgt, das ist ja auch ganz klar, man ist frisch in die Elternrolle geboren worden“, sagt Etzelstorfer. Mit etwas Übung gehe das Tragen – bei Neugeborenen wird das Tuch so angebracht, dass auch der Babykopf vor unkontrollierten Bewegungen geschützt ist – dann sehr flott.

Die (Öko-)Stoffe, aus denen die Tragetücher hergestellt werden, stammen aus Deutschland, der Blaudruckstoff aus Ungarn, wo er in Handarbeit in einem Unternehmen in neunter Generation gedruckt wird. Genäht werden die Tragetücher ausschließlich in Wien, „mir ist es wichtig, die lokalen Schneider zu unterstützten“, sagt Etzelstorfer. Kommt sie doch selbst aus einer Schneiderfamilie: Ihr Urgroßvater war Herrenschneider in Ungarn, ihre Großeltern führten 40 Jahre lang eine Schneiderei im 9. Bezirk, auch ihre Mutter ist Meisterschneiderin. Da verwundert es fast, dass Etzelstorfer selbst gar nicht nähen kann und erst mit 30 zum ersten Mal hinter einer Nähmaschine saß. „Ich bin“, sagt sie, „mehr der kreative Kopf“.

 

Verpackt im Geschirrtuch

Der eigentlich aus einer anderen Ecke kommt: Etzelstorfer hat Wirtschaft mit Schwerpunkt Marketing und Sales studiert und war bis zur Geburt ihres ersten Sohnes Immobiliengeschäft tätig. Nach der Geburt war für sie klar, „dass ich nicht mehr in ein Angestelltenverhältnis zurück möchte und für die Baubranche zu empathisch bin“. So ließ sie sich unter anderem zur Familienbegleiterin und pre- und postnatalen Trainerin ausbilden.

Weil ihr die Vermeidung von Müll ein Anliegen ist, werden Werner (86 €), Sepp (99 €) und die anderen Tücher nicht in Plastik verpackt – sondern in Geschirrtücher (aus dem Waldviertel) gewickelt verschickt. So bleibt das Wiener Label in der Küche präsent, selbst wenn die Kinder dem Tragetuchalter längst entwachsen sind.

Auf einen Blick

Petra Etzelstorfer ist seit einigen Jahren mit ihrem Unternehmen „grossekleinewunder“ als Trageberaterin und Familienbegleiterin tätig. Seit dem Vorjahr verkauft sie unter „Wiener Label“ selbst entwickelte elastische Tragetücher für Eltern mit Babys und Kleinkindern. Die Tragetücher (ab 86 €) sind über ihren Onlineshop und in einigen Geschäften (u.a. bei „Schuppidu“ im 18. Bezirk) erhältlich. Am 9. und 10. Juni ist Wiener Label beim Biofest auf Schloss Hof vertreten.

Web: www.wienerlabel.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.06.2019)

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