Auftakt der Berlin Fashion Week mit Austro-Designer Christoph Rumpf

Kenner der Modebranche sagen dem gebürtigen Steirer eine steile Karriere voraus. Rumpf setzt auf Opulenz, fasst dabei aber auch die Öko-Problematik ins Auge.

(c) imago images / Pacific Press Agency (Beata Siewicz via www.imago-images.de)

Seit Christoph Rumpf im April beim renommierten Festival für Mode und Fotografie von Hyeres mit dem Hauptpreis bedacht wurde, wird der in Wien lebende Steirer allerorts gehypt. Kenner der Modebranche sagen ihm eine steile Karriere voraus. Am Montag eröffnete er mit seiner preisgekrönten Kollektion die Fashion Week in Berlin.

Die in Hyeres prämierten Kreationen sind inspiriert von einem ohne menschlichen Kontakt im Dschungel aufgewachsenen Prinzen, der nach seiner Rückkehr in die Gesellschaft damit kämpft, die ihm zugedachte Rolle auszufüllen. Die namenlose Kollektion wurde für Berlin um Womenswear-Looks erweitert. "Die Inspiration war dieselbe, aber es gibt einen neuen Charakter in der Geschichte: eine selbstbewusste Frau, die genau weiß, wer sie ist und keinerlei Ängste mit sich trägt. Das Gegenteil des Jungen in der Geschichte", umriss Rumpf seine Arbeit.

Opulenz mit Upcycling

Die Kreationen des gebürtigen Grazers sind opulent und ausladend, Anzüge und Mäntel erinnern mitunter an den Schutzpanzer eines futuristischen Kriegers oder aber historische Hofroben, feudal und prächtig, monumental geradezu, jedenfalls das Gegenteil von Minimalismus. Sein Ansatz geht trotzdem mit dem Öko-Zeitgeist ganz konform, weil er sich dem Re- und Upcycling verschrieben hat: "Ein Großteil meiner Kollektion ist aus recycelten Materialien hergestellt wie zum Beispiel Teppichen, Vorhängen und Bauchtanzkostümen. Außerdem verwende ich gerne Deadstock-Materialien", schilderte Rumpf. Das sind meist noch originalverpackte, jedenfalls nie getragene Lagerstücke.

Bei aller Opulenz hat der Newcomer aber immer auch die Öko-Problematik im Auge: "Einsatz natürlicher, nachwachsender Rohstoffe, Recycling und Upcycling" nennt er als richtungsweisend für die Branche. "Außerdem ist die Überproduktion von Kleidungsstücken ein großes Problem", betonte der gebürtige Steirer. "Ich produziere lieber zu wenig als zu viel. Mode wird heute als Wegwerfprodukt gesehen, diese Einstellung muss sich beim Konsumenten ändern, und Designer sind dafür verantwortlich, dies zu vermitteln."

Aber auch die Herstellerseite solle umdenken: "Ich denke, Designer müssen sich bewusst werden, welchen Einfluss sie auf unsere Umwelt haben, und die Wiederverwertung von bereits vorhandenen Materialien ist mein momentaner Ansatz, mit meinen Kollektionen der Umwelt nicht zu schaden."

Kollektion für Berlin erweitert

In Berlin präsentiert wurden, zu einem Remix von Madonnas "Erotica", zudem lange Kleider und generell "etwas mehr tragbare Looks", wie Rumpf betonte. In der Sparte Womenswear brachte er beispielsweise elegante einfarbige Bundfaltenhosen und tief ausgeschnittene Falten-Roben auf den Laufsteg, dazu ein locker sitzender schwarzer Anzug für den Mann und ein feminines Pendant in Weiß.

"Sehr wenig Zeit. Sehr viel zu tun", umriss der Modemacher gegenüber der APA, wie sich die Zeit seit Hyeres für ihn angefühlt hat. "Die Kollaborationen mit Petit Bateau und Premiere Vision beginnen gerade", berichtete der Student der Wiener Universität für angewandte Kunst im Vorfeld der deutschen Modewoche. Die Kooperationen sind unmittelbare Früchte der Auszeichnung.

Christoph Rumpf wurde in der Steiermark geboren und zog mit 19 nach Wien. 2020 plant er, sein Studium dort mit dem Diplom abzuschließen. Die Einladung nach Berlin war ihm wichtig, sagte er: "Ich hoffe natürlich, mehr Menschen damit zu erreichen. Ich freue mich, meine Kollektion einem weiteren Publikum vorstellen zu können und neue Kontakte zu knüpfen."

(APA)

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