Fliegende Röcke, eine Hose

Die Kostüme der Buhlschaften

Laszivität, Verführung, Selbstbewusstsein - Jedermanns lebenslustige Geliebte bekommt für ihren Auftritt am Schönwetter-Domplatz Jahr für Jahr ein neues Kostüm. Heuer trägt die Buhlschaft erstmals eine Hose.

2019 Valery Tscheplanowa

Wie sehen die Kleider der neuen "Jedermann"-Buhlschaft Valery Tscheplanowa bei den diesjährigen Salzburger Festspielen aus? Dieses bis kurz vor der Premiere am 20. Juli gehütete Geheimnis wurde mit einer Überraschung enthüllt. Erstmals tritt eine Buhlschaft in Hosen auf. "Dieser weiße Einteiler hat Rockstarmentalität", sagte Kostümbildnerin Renate Martin (hier links im Bild neben Bettina Hering, Festspielleiterin für Schauspiel in Salzburg).

APA

Auf der Bühne sieht das dann so aus. Wenn die Buhlschaft von Musikanten begleitet zum ersten Mal die Bühne betritt und singend "Jedermann"-Tobias Moretti begegnet, trägt sie einen mit Glasperlenketten, Pailletten und Marabufedern bestickten, halbtransparenten Hosenanzug aus weißem Tüll, der aus Mailand stammt.

APA

Die acht 1,2 Zentimeter langen und vier Millimeter breiten Swarovski-Kristalle auf dem weißen Gürtel verstärken den Glitzereffekt. Der Einteiler vermittelt etwas laszives, verführerisches, aber auch selbstbewusstes und passe gut für die zeitgenössische Inszenierung und den Typ Frau, den Valery Tscheplanowa verkörpert. 

APA

Für Tscheplanowas Auftritt bei der Tischgesellschaft fertigte Martin in rund 400 Arbeitsstunden ein elegantes, klassisches Abendkleid in "buhlschafts-roter" Farbe an. Dafür verwendete sie 25 Meter Seidenchiffon aus Berlin. Am Kostümständer wirkt es auf den ersten Blick vielleicht etwas schlicht ...

APA

... in Bewegung ändert sich das. Die sechs Schichten Stoff und der lange Beinschlitz auf der Vorderseite lassen der Schauspielerin viele Gestaltungsmöglichkeiten offen.

APA

Sinnlichkeit, Liebe, Leben - Mit dem Kleid stellt die Buhlschaft einen Kontrast zur Tischgesellschaft dar. Die kleine Haarbrosche der Buhlschaft ist mit winzigen Kristallen verziert. Zum Kleid passend trägt die deutsche Schauspielerin handgefertigte rote Samtschuhe mit rund zehn Zentimeter langen Absätzen.

APA

2017-2018 Stefanie Reinsperger

Auch in den Jahren zuvor haben die Festspiel-Werkstätten zwei Kostüme für die vielleicht kraftvollste Buhlschaft neu entworfen. Eine elegante Robe für eine Frau, kein Fräulein.

APA

Märchenhafter viel dieser Entwurf aus, der mitunter auch für Gesprächsstoff am Domplatz sorgte.

APA

2016 Miriam Fussenegger

Spitzen-Bustier und Strapse: Die zweitjüngste Buhlschaft der Geschichte trat einen Sommer lang neben und auf Cornelius Obonya im Lingerie-Look auf.

APA

2013-2015 Brigitte Hobmeier

In ihrem letzten Jahr als Buhlschaft funkelte Brigitte Hobmeiers Kleid (von Kostümbildnerin Olivera Gajic) besonders schön, das lag mitunter an den 5000 Swarovski-Kristallen, die in viertägiger Handarbeit am Seidensatin fixiert wurden.

APA

Dass das Kleid an seinen Aufgaben wuchs, sieht man an der Vorgängerversion.

APA

2010-2012 Birgit Minichmayr

Die dröhnendste Stimme der deutschsprachigen Theaterwelt kleidete 2010 ein Bustierkleid aus sienarotem Seidensatin.

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2008-2009 Sophie von Kessel

Sie fiel farblich aus der Reihe: Sophie von Kessel trug ein Kleid aus blauem Seidentaft.

APA

2007 Marie Bäumer

Die deutsche Schauspielerin wirbelte in einem weich fließenden, pfirsichfarbenen Kleid über den Domplatz. 

Imago

2005-2006 Nina Hoss

Dorothea Nicolai, bis 2015 Direktorin für Kostüm und Maske der Salzburger Festspiele, verzierte Nina Hoss mit einer Borte, allerdings nicht am Kleid, sondern an den Schuhen. Nicolai hatte sich von der „Beserlborte“, die den Saum priesterlicher Soutanen vor Schmutz und Beschädigung schützten, inspirieren lassen.

Imago

2002-2004 Veronika Ferres

Das ewige "Superweib" trat 2002 in einer Robe aus rosafarbenem Taft auf.

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1999-2001 Dörte Lyssewski

Dörte Lyssewski 1999 in einem von der Renaissance inspirierten Kleid aus changierender Seide in Gold und Rot.

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1998 Sophie Rois

Üppiger, schwerer und goldener fiel das Kostüm von Sophie Rois im Jahr davor aus.

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1994-1997 Maddalena Crippa

Man sieht deutlich, dass das Kleid der gebürtigen Italienerin in den Jahren danach immer wieder als Vorlage diente.

APA

1990-1993 Sunnyi Melles

Sunnyi Melles trug ein Kleid aus fuchsiafarbenem Seidentaft, am Ausschnitt des Mieders blitzt eine Borte mit roten Strasssteinchen. Leider müssen wir in diesem Fall mit der Vorstellungskraft auskommen, Bild ließ sich keines auftreiben.

 

Imago

1980-1982 Senta Berger

Und es wird immer dunkler in den Archiven. Ein Kostüm können wir Ihnen zumindest ansatzweise noch zeigen. Senta Berger mit viel Dekolleté und schweren Borten neben Maximilian Schell im Jahr 1980.

Die fehlenden Bilder in den Archiven sind kein einsames Phänomen, erst seit 1990 wurden die Kleider an sich erst archiviert, Kreationen früherer Produktionen gingen verloren.

Imago
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2019 Valery Tscheplanowa

Wie sehen die Kleider der neuen "Jedermann"-Buhlschaft Valery Tscheplanowa bei den diesjährigen Salzburger Festspielen aus? Dieses bis kurz vor der Premiere am 20. Juli gehütete Geheimnis wurde mit einer Überraschung enthüllt. Erstmals tritt eine Buhlschaft in Hosen auf. "Dieser weiße Einteiler hat Rockstarmentalität", sagte Kostümbildnerin Renate Martin (hier links im Bild neben Bettina Hering, Festspielleiterin für Schauspiel in Salzburg).

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Auf der Bühne sieht das dann so aus. Wenn die Buhlschaft von Musikanten begleitet zum ersten Mal die Bühne betritt und singend "Jedermann"-Tobias Moretti begegnet, trägt sie einen mit Glasperlenketten, Pailletten und Marabufedern bestickten, halbtransparenten Hosenanzug aus weißem Tüll, der aus Mailand stammt.

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Die acht 1,2 Zentimeter langen und vier Millimeter breiten Swarovski-Kristalle auf dem weißen Gürtel verstärken den Glitzereffekt. Der Einteiler vermittelt etwas laszives, verführerisches, aber auch selbstbewusstes und passe gut für die zeitgenössische Inszenierung und den Typ Frau, den Valery Tscheplanowa verkörpert. 

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Für Tscheplanowas Auftritt bei der Tischgesellschaft fertigte Martin in rund 400 Arbeitsstunden ein elegantes, klassisches Abendkleid in "buhlschafts-roter" Farbe an. Dafür verwendete sie 25 Meter Seidenchiffon aus Berlin. Am Kostümständer wirkt es auf den ersten Blick vielleicht etwas schlicht ...

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... in Bewegung ändert sich das. Die sechs Schichten Stoff und der lange Beinschlitz auf der Vorderseite lassen der Schauspielerin viele Gestaltungsmöglichkeiten offen.

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Sinnlichkeit, Liebe, Leben - Mit dem Kleid stellt die Buhlschaft einen Kontrast zur Tischgesellschaft dar. Die kleine Haarbrosche der Buhlschaft ist mit winzigen Kristallen verziert. Zum Kleid passend trägt die deutsche Schauspielerin handgefertigte rote Samtschuhe mit rund zehn Zentimeter langen Absätzen.

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2017-2018 Stefanie Reinsperger

Auch in den Jahren zuvor haben die Festspiel-Werkstätten zwei Kostüme für die vielleicht kraftvollste Buhlschaft neu entworfen. Eine elegante Robe für eine Frau, kein Fräulein.

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Märchenhafter viel dieser Entwurf aus, der mitunter auch für Gesprächsstoff am Domplatz sorgte.

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2016 Miriam Fussenegger

Spitzen-Bustier und Strapse: Die zweitjüngste Buhlschaft der Geschichte trat einen Sommer lang neben und auf Cornelius Obonya im Lingerie-Look auf.

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2013-2015 Brigitte Hobmeier

In ihrem letzten Jahr als Buhlschaft funkelte Brigitte Hobmeiers Kleid (von Kostümbildnerin Olivera Gajic) besonders schön, das lag mitunter an den 5000 Swarovski-Kristallen, die in viertägiger Handarbeit am Seidensatin fixiert wurden.

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Dass das Kleid an seinen Aufgaben wuchs, sieht man an der Vorgängerversion.

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2010-2012 Birgit Minichmayr

Die dröhnendste Stimme der deutschsprachigen Theaterwelt kleidete 2010 ein Bustierkleid aus sienarotem Seidensatin.

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2008-2009 Sophie von Kessel

Sie fiel farblich aus der Reihe: Sophie von Kessel trug ein Kleid aus blauem Seidentaft.

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2007 Marie Bäumer

Die deutsche Schauspielerin wirbelte in einem weich fließenden, pfirsichfarbenen Kleid über den Domplatz. 

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2005-2006 Nina Hoss

Dorothea Nicolai, bis 2015 Direktorin für Kostüm und Maske der Salzburger Festspiele, verzierte Nina Hoss mit einer Borte, allerdings nicht am Kleid, sondern an den Schuhen. Nicolai hatte sich von der „Beserlborte“, die den Saum priesterlicher Soutanen vor Schmutz und Beschädigung schützten, inspirieren lassen.

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2002-2004 Veronika Ferres

Das ewige "Superweib" trat 2002 in einer Robe aus rosafarbenem Taft auf.

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1999-2001 Dörte Lyssewski

Dörte Lyssewski 1999 in einem von der Renaissance inspirierten Kleid aus changierender Seide in Gold und Rot.

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1998 Sophie Rois

Üppiger, schwerer und goldener fiel das Kostüm von Sophie Rois im Jahr davor aus.

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1994-1997 Maddalena Crippa

Man sieht deutlich, dass das Kleid der gebürtigen Italienerin in den Jahren danach immer wieder als Vorlage diente.

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1990-1993 Sunnyi Melles

Sunnyi Melles trug ein Kleid aus fuchsiafarbenem Seidentaft, am Ausschnitt des Mieders blitzt eine Borte mit roten Strasssteinchen. Leider müssen wir in diesem Fall mit der Vorstellungskraft auskommen, Bild ließ sich keines auftreiben.

 

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1980-1982 Senta Berger

Und es wird immer dunkler in den Archiven. Ein Kostüm können wir Ihnen zumindest ansatzweise noch zeigen. Senta Berger mit viel Dekolleté und schweren Borten neben Maximilian Schell im Jahr 1980.

Die fehlenden Bilder in den Archiven sind kein einsames Phänomen, erst seit 1990 wurden die Kleider an sich erst archiviert, Kreationen früherer Produktionen gingen verloren.

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