Vicky Heiler: Aus der Mode in die Mode

Nachdem die Wiener Bloggerin Vicky Heiler zehn Jahre lang über Mode geschrieben und geredet hatte, beschloss sie letztes Jahr, selbst Mode zu designen.

Bloggerin und Modedesignerin Vicky Heiler in ihrem Büro in der Mariahilfer Straße in Wien.
Bloggerin und Modedesignerin Vicky Heiler in ihrem Büro in der Mariahilfer Straße in Wien.
Bloggerin und Modedesignerin Vicky Heiler in ihrem Büro in der Mariahilfer Straße in Wien. – (c) Gabriele Paar

Insgeheim, erzählt Vicky Heiler, habe sie schon die Hoffnung, dass ihre Kollektionen irgendwann von einem ihrer Lieblings-Onlineshops vertrieben werden. Oder, wie sie es formuliert, „auf einer Fläche hängen“. Also beispielsweise in Boutiquen und globalen Ketten zum Verkauf stehen.

Ehrgeizige Ziele, die es braucht, um in einem derart umkämpften Markt wie Modedesign Fuß zu fassen. Und das hat sie mit ihrem erst im September 2018 gegründeten Label Viktoria Louise. Selbst ohne Werbung und Pressearbeit sei die Nachfrage von Anfang an enorm gewesen. Wobei sie einen kleinen, nennen wir es Startvorteil hatte, denn das Entwerfen von T-Shirts, Hosen und Bademode ist die zweite Karriere der 30-Jährigen, die im Brotberuf Influencerin ist.

„Ich nenne mich zwar immer noch Bloggerin“, sagt sie, „aber um den Begriff Influencer kommt man in Zeiten der enormen Bedeutung von Instagram nicht herum.“ Rund 130.000 Menschen folgen ihr dort. Damit gehört ihr Account zu den erfolgreichsten in Österreich – ebenso wie ihr englischsprachiger Mode-, Beauty- und Reise-Blog „Bikinis and Passports“, den sie 2010 ins Leben rief. Zu einer Zeit, als Blogs im deutschsprachigen Raum noch in den Kinderschuhen steckten und Kooperationsanfragen an Unternehmen eher auf Skepsis stießen, da es keine Erfahrungen mit Influencer-Marketing gab – heute ein Millionengeschäft.

Aber auch zu einer Zeit, in der die Konkurrenz überschaubar war, man sich ausprobieren und Nischen besetzen konnte. Auch hier könnte man von einem Startvorteil reden, ist doch ihr kosmopolitischer Werdegang für sich schon von einem gewissen Glamour umgeben und verleiht ihr einen unbezahlbaren Wiedererkennungswert: Geboren in Stuttgart, lebte sie einige Jahre in Bayern, bis sie mit ihrer Familie nach Südkalifornien ging und dort fünf Jahre verbrachte, ehe im Dezember 2004 der Umzug nach Österreich (Zell am See) folgte.

2008 kam sie wegen ihres Publizistikstudiums nach Wien, wo sie seither lebt. Noch während des Studiums ging ihr Blog online. „Aus einer Leidenschaft heraus“, wie sie heute sagt. „Um Mode und Reisen zu verbinden, zwei meiner größten Hobbys.“ Daher der Name des Blogs. Und daher auch das Modelabel, denn: „Bikinis stellen für mich die perfekte Kombination aus Mode und Destinationen dar.“

Die Entscheidung, bekanntes und lukratives Terrain zu verlassen und nicht nur unbekanntes, sondern vor allem auch unsicheres zu betreten, will erklärt werden. Ist es die Sorge vor einer endlichen Karriere als Influencerin? Oder geht es darum, den aktuell hohen Marktwert zu vergolden? Weder das eine noch das andere, sagt sie, sondern der schon länger in ihr gereifte Wunsch, nicht nur über Mode zu schreiben, sondern Mode zu kreieren. „Nicht als reines Merchandising, sondern als eigene Linie mit hochwertigen Produkten, die ich selbst anziehen würde.“

Ihr Anspruch: „Mit einem Koffer voller Produkte von Viktoria Louise soll durch ihre Kombinierbarkeit jede Frau für eine Geschäftsreise ebenso gerüstet sein wie für einen Trip mit Freundinnen oder ein romantisches Wochenende mit ihrem Partner.“ Dabei wird das Sortiment ständig erweitert. Geplant ist bis 2020 eine neue Kollektion mit drei bis fünf Teilen alle acht bis zehn Wochen. An Ideen für neue Kollektionen mangle es jedenfalls nicht.

Bestehende Infrastruktur

Und dann? Dann, so hofft sie, folgt besagte Expansion in namhafte Onlineshops. Als Lohn für die jahrelange nicht nur intensive, sondern lange Zeit auch unbezahlte Arbeit. „Ich glaube fest an Karma“, sagt sie und richtet damit einen Appell an junge Leute mit dem Traum einer Blogger-Karriere.

Einsteiger hätten zwar den Nachteil eines gesättigten Marktes, aber auch den Vorteil einer bestehenden Infrastruktur. Wer eine Message habe und authentisch sei, solle es also versuchen. Und habe auch Aussichten auf Erfolg. Denn: „Die Vorarbeit dafür wurde getan.“

Zur Person

Vicky Heiler betreibt seit 2010 ihren englischsprachigen Blog „Bikinis and Passports“. 2013 rief sie zudem gemeinsam mit ihrer besten Freundin, Katharina Hingsammer, den deutschsprachigen Blog „The Daily Dose“ ins Leben. Im September 2018 gründete sie schließlich ihr Modelabel Viktoria Louise (www.viktorialouise.com) als zweites Standbein, im Onlineshop werden unter anderem T-Shirts und Bademode ab 75 Euro und Hosen ab 155 Euro angeboten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2019)

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