Was kann der Grüne Knopf?

Der Grüne Knopf soll in Deutschland als erstes staatliches Siegel fair und ökologisch produzierte Kleidung sichtbar machen. Kritik gibt es schon vor der Einführung.

In Deutschland wird der Grüne Knopf eingeführt
In Deutschland wird der Grüne Knopf eingeführt
In Deutschland wird der Grüne Knopf eingeführt – (c) imago images / photothek (via www.imago-images.de)

Es gibt ein neues Nachhaltigkeitssiegel. Initiator des Grünen Knopfs ist der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller von der CSU. Am 9. September soll er eingeführt werden, die Vergabe wird staatlich überwacht und soll sozial und ökologisch nachhaltig hergestellte Textilien kennzeichnen.

Mit dem neuen Siegel will Minister Müller eine klare Differenzierung zwischen nachhaltiger und konventioneller Produktion am Markt gewährleisten: „Dazu zählen soziale Standards wie gerechte Löhne und humane Arbeitsbedingungen. Für die Unternehmen, die fair produzieren, ergeben sich daraus auch Qualitäts- und Wettbewerbsvorteile gegenüber den Wettbewerbern, die nicht fair produzieren“, heißt es in einer Pressemitteilung der CDU/CSU– Bundestagsfraktion.

Unabhängige Prüfer sollen die Einhaltung der Kriterien kontrollieren - und davon gibt es einige. Ein Produkt muss 26 soziale und ökologische Mindeststandards einhalten. Außerdem muss das Unternehmen als Ganzes seine Sorgfaltspflichten anhand von 20 Kriterien nachweisen. Ist ein Kleidungsstück mit dem Siegel gekennzeichnet, übernimmt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit die Garantie für Waren und Dienstleistungen, die mit dem Produkt zusammenhängen.

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In der Einführungsphase von 2019 bis 2021 deckt der Grüne Knopf allerdings nur die Produktionsstufen „Zuschneiden und Nähen" (Konfektionierung) sowie „Bleichen und Färben" (Nassprozesse) ab. In den kommenden Jahren soll der Kriterienkatalog die gesamte Lieferkette, z.B. den Punkt existenzsichernde Löhne, weiter abdecken. Der softe Start gibt Kritikern das meiste Feuer.

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Skeptisch sieht die Kampagne für Saubere Kleidung zum Beispiel den produktbezogenen Ansatz und warnt vor der Gefahr des Greenwashings. Wenn ein Unternehmen nur ein Produkt aus dem Sortiment unter akzeptablen Bedingungen herstellt, dann wird es seine Einkaufspraxis nicht grundsätzlich ändern, schreiben die Betreiber des Netzwerks, das sich hauptsächlich für die Rechte der Arbeiter in den Lieferketten der internationalen Modeindustrie einsetzt.

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Die Grünen-Politikerin Renate Künast spricht sich für ein europaweites Siegel aus: „Der Grüne Knopf ist ein Anfang, aber noch Augenwischerei. Er deckt gerade mal zwei letzte Stufen der Kette ab. Das ist viel zu wenig. Statt ein noch unzureichendes Siegel einzuführen, sollte Minister Müller besser bereits bestehende gute Siegel wie GOTS zur staatlichen Anerkennung bringen, so wie das in den USA bereits der Fall ist", sagte Künast gegenüber „Der Welt".

 

(sh.)

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