Fashion Week Berlin: Leder, Lack und Historismus bei Marina Hoermanseder

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Nur eine handvoll Modelabels zeigten in Berlin ihre Kollektionen für den nächsten Winter außerhalb der beiden zentralen, von der Fashion-Week-Organisation dafür vorgesehenen Räumlichkeiten. In den wenigen zu verzeichnenden Fällen zeugte dies unweigerlich vom Wissen um die eigene Relevanz.

So etwa bei Odeeh, dem Label des deutschen Designerduos Jörg Ehrlich und Otto Dressler: Für die beiden war das Auffinden einer unabhängigen Verortung vor einigen Saisonen sogar erst Anstoß, mit der Kollektionspräsentation von Paris nach Berlin zu wechseln.

 

(c) APA/dpa/Jens Kalaene (Jens Kalaene)
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In Berlin groß geworden, zumindest als Designerin, ist hingegen die gebürtige Wienerin Marina Hoermanseder: Die deutschsprachige Modewelt feiert sie seit einigen Saisonen ausgiebigst, zudem zählt sie zu den ersten Labels, die der neu gegründete deutsche Fashion Council überhaupt als förderungswürdig erachtete.

Hoermanseder ist charmant und von gewinnendem Wesen, zugleich weiß sie - glücklicherweise -, was sie an sich hat. Das also unterstrich sie durch die Entscheidung, an einer eigenen Location, somit zugleich außerhalb des offiziellen Showkalenders, zu zeigen.

(c) APA/dpa/Jens Kalaene (Jens Kalaene)
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Die Erwartungen durften also groß sein, auch wegen der der auf dem Platz jedes Gasts hinterlegten Show-Notes mit Hinweisen auf die Inspirationen: Vom Victorian Age über die Zwanziger- und Dreißigerjahre war Marina Hoermanseder auf die Suche nach Inspirationen gegangen. Dass auch die Ergebnisse einer Zusammenarbeit mit Wolford gezeigt werden würden, hatte Hoermanseder schon zuvor auf ihren intensiv bespielten Social-Media-Kanälen bekannt gemacht.

(c) APA/dpa/Jens Kalaene (Jens Kalaene)
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Zu sehen gab es letztlich dann in der Tat einiges. Neben den historisierenden Entwürfen (man mochte sich an Alexander McQueen erinnert fühlen), die ein Novum in ihrer Entwicklung darstellen und ein verfolgenswerter Ansatz sein könnten, zeigte Hoermanseder viele neue Variationen jener markanten Bondage- und Bandagen-Ästhetik, mit der sie bekannt geworden ist und die sich ihre umfangreiche Fan- und Followerschar von ihr erwartet.

(c) APA/dpa/Jens Kalaene (Jens Kalaene)
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Von Anfang an eine sehr charakteristische Ästhetik zu entwickeln und damit den Kern einer Marken-DNA zu definieren, das ist natürlich ein wichtiger, auch unternehmerisch bedeutender Punkt.

Durch ihr großes Kommunikationstalent und bestehende oder neu geknüpfte Kontakte zu potenziellen Partnern vermag Marina Hoermanseder diesen Punkt geschickt auszunützen: Ein gemeinsames Projekt setzte sie etwa mit Rauch-Fruchstäften um, Aufsehen erregte sie zuletzt auch mit einer Hello-Kitty-Kooperation. Hoermanseders Entwürfe für Wolford, die im Herbst 2017 in den Handel kommen, greifen ebenfalls die Gürtel-Bondage-Ästhetik auf. 

(c) APA/dpa/Jens Kalaene (Jens Kalaene)
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Das ist zum einen das Ergebnis konsequenter Markenbildung. Zum anderen schnürt sich so Hoermanseder selbst ein enges Korsett. Um ihrem offenkundigen Wunsch zu entsprechen, als Designerin neue Wege stilbildend zu beschreiten, wäre es für sie hingegen ein interessantes Experiment, die in den vergangenen Saisonen so kompakt verdrehte Doppelhelix ihrer Marken-DNA auch einmal aufzudröseln und auf manche der dominanten Elemente zu verzichten (womöglich gar auf die am Laufsteg sehr im Vordergrund stehenden Schuhe von Christian Loboutin).

(c) APA/AFP/TOBIAS SCHWARZ (TOBIAS SCHWARZ)
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Weder ihre zahlreichen Kooperationspartner noch ihre Fans und Kunden werden Marina Hoermanseder freilich darauf stoßen, zu erfolgreich ist die von der Kreativunternehmerin bislang geleistete Arbeit.

 

Text: Daniel Kalt in Berlin

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Marina Hoermanseder: Leder, Lack und Historismus

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