Versace: Mode als Kriminalfall

Der Ermordung von Gianni Versace vor mehr als 20 Jahren wird nun vielerorts – auch in einer Fernsehserie – gedacht.

Vereint. Penélope Cruz spielt Donatella Versace, Édgar Ramírez deren Bruder Gianni.
Vereint. Penélope Cruz spielt Donatella Versace, Édgar Ramírez deren Bruder Gianni.
Vereint. Penélope Cruz spielt Donatella Versace, Édgar Ramírez deren Bruder Gianni. – (c) Jeff Daly/FX Networks

Selbst wenn das Gedenken an Gianni Versace und seine Ermordung im Mittelpunkt der neuen Staffel von „American Crime Story“ steht: Die Familie des Designers, allen voran seine Schwester Donatella, hat keine große Freude mit diesem populärkulturellen Produkt. In einer Aussendung bezeichnete der Versace-Clan das von Fox produzierte Format zuletzt als „voll von Tratsch und Spekulationen“ und darum als „traurig und verurteilenswert“. Im Mittelpunkt der Serie stehen Verbrecher, die als Produkt der amerikanischen Gesellschaft dargestellt werden: War es in der ersten Staffel O.  J. Simpson, so ist es in der zweiten der homosexuelle Serienmörder Andrew Cunanan, dessen prominentestes Opfer Gianni Versace im Sommer 1997 wurde.

Doku-Serie. „American Crime Story: The Assassination of Gianni Versace“ läuft ab 29. Jänner auf Sky Atlantic.
Doku-Serie. „American Crime Story: The Assassination of Gianni Versace“ läuft ab 29. Jänner auf Sky Atlantic.
Doku-Serie. „American Crime Story: The Assassination of Gianni Versace“ läuft ab 29. Jänner auf Sky Atlantic. – (c) Jeff Daly/FX Networks

In die Rolle von Donatella Versace schlüpft in „The Assassination of Gianni Versace“ die Spanierin Penélope Cruz; ihrem Bruder Gianni sieht Édgar Ramírez tatsächlich zum Verwechseln ähnlich. Die Geschichte von Andrew Cunanan, gespielt von Darren Criss, wird in Rückblicken erzählt. Als wesentliche Motivation seiner Tat identifizierte die Journalistin und Autorin Maureen Orth, auf deren Buch „Vulgar Favors“ die Serie beruht, den Neid Cunanans – den sie zuletzt in „Vanity Fair“ als einen „witzigen, faulen, narzisstischen Trickbetrüger“ bezeichnete – auf Versaces Gay-Celebrity-Status: „Heutzutage“, so Orth in ihrem rezenten Artikel, „hätte er vielleicht ein Ventil für seinen Zorn und Hass als Versace-Troll in sozialen Medien gefunden“.

Hommage. Die Sommerkollektion 2018 legte Donatella als Würdigung ihres Bruders an.
Hommage. Die Sommerkollektion 2018 legte Donatella als Würdigung ihres Bruders an.
Hommage. Die Sommerkollektion 2018 legte Donatella als Würdigung ihres Bruders an. – (c) Carlo Scarpato

Re-Editionen. In größerer Nähe zu Versaces 20.  Todestag im Juli 2017 präsentierte seine Schwester Donatella ihre Hommage: Die Sommerkollektion der Luxusmarke ist als Tribut angelegt und umfasst eine große Anzahl aus neu aufgelegten Archivstücken aus den Jahren 1991 bis 1995. Diese Kollektion soll, so der Wunsch der Modemacherin, Gianni als „ein Genie, eine Ikone und meinen Bruder“ zelebrieren. Dem Schaffen von Gianni Versace spürt auch eine Ausstellung im Berliner Kronprinzenpalais nach: „Gianni Versace Retrospective“ ist der englische Titel der Schau, die am 30. Jänner eröffnet wird. Die Anbindung an Berlin liegt für die Ausstellungsmacher auf der Hand, wurde doch 1994 hier die letzte von Gianni Versace selbst kuratierte Ausstellung, „Signatures“, im Kunstgewerbemuseum gezeigt. Ein Querschnitt durch sein Modeschaffen wird mit 300 Exponaten nachgezeichnet, die den Anspruch auf ein als „Gesamtkunstwerk“ angelegtes Œuvre untermauern sollen.

Tipp

Rückschau. Ausstellung in Berlin, ab 30. 1.: www.retrospective.gianniversace.com

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