Anklage: Missstände in der Modewelt

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Hinter vorgehaltener Hand wurde seit Jahren immer wieder über Missstände in der Modeindustrie gesprochen. Durch die Weinstein-Affäre und die #MeToo-Bewegung bekommen sie jetzt wieder neues Gewicht. Und vor allem: Statt die Probleme totzuschweigen, folgen jetzt Konsequenzen.

Jüngster Fall: Paul Marciano, Mitbegründer und Kreativdirektor des Modelabels Guess. Er zieht sich nach Anschuldigungen von seinen operativen Aufgaben zurück.

(c) APA/AFP/GETTY IMAGES/JUSTIN SULL (JUSTIN SULLIVAN)
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Model Kate Upton, die als Testimonial für Guess arbeitete, gibt an, dass Marciano sie belästigt habe. Er soll sie 2010 während eines Fotoshootings an den Brüsten berührt haben und gegen ihren Widerstand auch ihr Gesicht und ihren Hals geküsst haben.

(c) APA/AFP/ANGELA WEISS (ANGELA WEISS)
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Seit der Weinstein-Affäre finden die Missstände in der Modewelt mehr Beachtung. Jahrelang nahm man Belästigungsvorwürfe hin, beziehungsweise mussten Models um ihre Karriere fürchten, berichtet etwa Model Coco Rocha.

(c) imago/MediaPunch (Diego Corredor)
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"Schon vor zehn Jahren habe ich über die Missstände berichtet, damals wurde ich ausgeschlossen oder geächtet. Ich war nicht die Einzige, die Veränderung wollte, andere Models äußerten sich auch schon vor Jahren öffentlich, viele haben ihre Karriere komplett verloren", erklärt sie im Gespräch mit Glamour.com.

(c) imago/E-PRESS PHOTO.com (E-PRESS PHOTO.COM)
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Jahrelang war auch das Fehlverhalten von Fotograf Terry Richardson bekannt. Der 52-Jährige, der für seine obszönen Bilder am Rande der Pornografie bekannt ist, soll Models zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. Schon 2013 starteten Models eine Petition gegen ihn, erst Ende 2017 gab der Verlag Condé Nast an, dass "Vogue, "Vanity Fair" und "GQ" nicht mehr mit Richardson zusammenarbeiten werden.

(c) imago/ZUMA Press (Susan J. Rose/Pi)
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50 Models haben sich Mitte Februar zusammengetan um große Figuren der Modeindustrie, mindestens 25 Fotografen, Agenten, Stylisten und Castingdirektoren zu beschuldigen.

Darunter befindet sich auch Starfotograf Patrick Demarchelier, vor dessen Kamera sich schon alle namhaften Supermodels ausgezogen haben. Der 74-Jährige, der sieben Frauen sexuell belästigt haben soll, weist die Vorwürfe zurück. Der Verlag Condé Nast hat die Zusammenarbeit mit ihm eingestellt.

(c) imago/Starface (Stephen Caillet / Panoramic/Star)
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Dutzende Männer werfen den beiden Modefotografen Bruce Werber und Mario Testino (hier im Bild mit Anna Wintour) sexuelle Belästigung vor.

Laut der "New York Times" habe Testino die Models gerne im Bademantel auf dem Hotelzimmer empfangen und nackte Atem- und Energieübungen angeregt.

(c) APA/AFP/GETTY IMAGES/DIMITRIOS K (DIMITRIOS KAMBOURIS)
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Dass immer mehr bekannte Models auspacken und auch berühmte Fotografen in die Schusslinie geraten, ist ein großer Schritt. Victoria's Secret Engel Cameron Russell beschreibt ihre Erfahrungen auf Instagram.

Hunderte Models haben ihr daraufhin unter dem Hashtag #myjobshouldnotincludeabuse ihre Geschichten berichtet.

(c) imago/ZUMA Press (imago stock&people)
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"Mit 16 wurde ich von einer großen Agentur unter Vertrag genommen und nach Mailand geschickt. Bei einem meiner ersten Shootings (ein Handtaschen-Editorial) arbeitete ich mit einem Fotografen zusammen, von dem mir meine Agentur sagte, er sei ein bisschen "exzentrisch". Nach zwei Minuten vor der Kamera hat er mir gesagt ich 'soll mich locker machen' und sexier sein und hat mir gesagt, ich soll mich selbst anfassen...", schreibt etwa ein Model, das anonym bleiben will.

(c) REUTERS (Carlo Allegri)
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Vor allem junge und noch unbekannte Models, die außer der Modelagentur niemanden haben, der hinter ihnen steht, sind oft leichte Beute. Um in der umkämpften Modeindustrie Fuß zu fassen, ist ein guter Kontakt zu bekannten Fotografen und Castingagenten oft unerlässlich.

(c) REUTERS (Olivia Harris)
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Viele Models sind jung, wissen nicht, wie sie sich zur Wehr setzen können und wollen ihre Jobs nicht verlieren oder den Ruf bekommen, "schwierig" zu sein.

(c) REUTERS (David Mdzinarishvili)
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Der CFDA, der Rat der US-Modedesigner, hat eine Gesundheitsinitiative ins Leben gerufen um Opfern zu helfen einen Polizeibericht einzureichen oder Hilfe bei der Interessenvertretungsgruppe Model Alliance zu suchen.

Reuters
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Zudem will man zumindest bei den Fashion Weeks ein sichereres Arbeitsumfeld schaffen und im Backstagebereich private Umkleiden einrichten, zu denen etwa Pressefotografen keinen Zutritt haben. 

(c) REUTERS (Brendan McDermid)
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#MeToo: Missstände in der Modewelt

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