GNTM: Sexismus oder Bildungsfernsehen?

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Text: Christina Lechner

Man glaubt es kaum: Germany's Next Topmodel (kurz GNTM) ist bereits in der 13. Staffel angelaufen und damit schon älter als viele der Pre-Teens, die Woche für Woche einschalten.

Ebenso alt ist die Kritik an dem TV-Format, bei dem "Heidis Mädchen" in einer Art Bootcamp die Stationen des Modeldaseins durchlaufen um danach Klums Auserwählte zu werden.

(c) imago/Future Image (imago stock&people)
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In Zeiten, in denen keine Woche ohne Berichten zur #MeToo-Bewegung oder Time's Up-Initiative vergeht, erhält die Kritik an GNTM neues Gewicht. Dabei werde nicht nur Missstände in der Modeindustrie neu aufgerollt und  sexuelle Gewalt, sondern auch die Selbstbestimmung von Frauen ins Zentrum gerückt.

 

(c) imago/Revierfoto (Revierfoto)
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Die Organisation "Pinkstinks" hat den viel beachteten Protestsong "Not Heidis Girl" veröffentlicht, der knapp 580.000 Mal auf Youtube geklickt wurde. Darin singen junge Mädchen etwa:  „They say only one can be/ Topmodel of Germany/ But I‘m not Heidis girl/ I‘m a firework of talents/ I can be anything in this world."

Die Aussage: Junge Frauen können mehr sein als nur schön anzusehen und eines von Heidis Mädchen zu sein.

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Denn die Frage stellt sich: Wie zeitgeistig kann da eine Sendung sein, die junge Frauen zum einen ein enges Korsett an Schönheitsidealen auferlegt und zum anderen Prüfungen vorgibt, die wenig Spielraum für den eigenen Willen zulassen, wenn man nicht vorzeitig den Kampf um Platz 1 aufgeben will?

(c) imago/Revierfoto (imago stock&people)
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Der Machtmissbrauch in der Mode wird dabei in Form eines Reality-TV-Formats abgebildet. Denn egal ob Umstyling mit ungewissem Ausgang oder leicht bekleidete Shootings, bei denen die Models ihre Scham- und Schmerzgrenze überwinden müssen: Nein zu sagen sagen lernt man bei Germany's Next Topmodel nicht. Der Kunde ist schließlich immerhin König und ein paar Tränen machen sich für die Einschaltquoten immer gut.

 

 

 

(c) imago/foto2press (imago stock&people)
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Natürlich: Sexuelle Gewalt und sexistische Aussagen und Aufforderungen, wie sie bei GNTM vorkommen, sind zwei verschiedenen paar Schuhe. Doch die Frage bleibt, welches Frauenbild die Sendung, die gerade bei Pre-Teens und Teenagern beliebt ist, transportiert.

Instagram/@germanysnexttopmodel
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Immerhin, ganz spurlos ist die Kritik nicht an dem Format vorbeigegangen. In diesem Jahr hat man sich um ein bisschen mehr "Diversity" bemüht und auch Modelanwärterinnen mit Kurven gecastet. Auch wenn sich das eher im Bereich der Kleidergröße 38 bewegt.

 

 

 

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Dass Zuschauer und Fans der Sendung nicht automatisch mit dem Frauenbild einverstanden sind, meint Medienwissenschafterin Jutta Röser von der Uni Münster.

 

 

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Welt-Redakteur Michael Pilz geht sogar so weit, GNTM als Bildungsfernsehen einzustufen, das nicht mehr sei als "ein Gedankenspiel" bei dem die Zuschauerinnen ganz klar für sich ihre Regeln abstecken: "Die meisten aber sitzen auf dem Sofa und denken darüber nach, wie weit sie gehen würden und wozu sie selbst bereit wären. (...) Sie träumen nicht vom Opel Adam und von Heidis Lidl-Kollektion", schreibt er.

 

Instagram/@julia.topmodel.2018
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Und auch Welt-Autorin Eva Sudholt versteht die Verachtung für Heidi Klum nicht. "Klums Ansprüche daran, wie ein Model zu sein und auszusehen hat, beschreiben nicht ein Frauenbild, sondern eine berufliche Qualifikation."

Instagram/@germanysnexttopmodel
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Und weiter:" Gendergerechtigkeit sollte auch heißen, dass auch Frauen aufhören, Frauen zu unterschätzen. Niemand muss Heidis Girl sein. Junge Frauen von heute wissen das längst. Die Sendung ist für sie gute Donnerstagabendunterhaltung. Und am nächsten Tag gehen sie wieder ihren eigenen Wünschen und Plänen nach."

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