Irland: Zu Besuch in der Filmkulisse

Irische Traumgärten, Herrenhäuser und ihre einfallsreiche Finanzierung.

Filmreif. Bantry House, ein Ort zum Dinieren, Intrigieren, Tafeln, Kämpfen, Lieben und Sterben.
Filmreif. Bantry House, ein Ort zum Dinieren, Intrigieren, Tafeln, Kämpfen, Lieben und Sterben.
Filmreif. Bantry House, ein Ort zum Dinieren, Intrigieren, Tafeln, Kämpfen, Lieben und Sterben. – (c) Bantry House

An den Fjorden der westirischen Grafschaften Cork und Kerry, umgeben von Fels, Wind und Meer, haben einige Idealisten zauberhafte Gärten angelegt. Italienische Parks konkurrieren mit verwilderten Baumfarnwäldern und Raritätensammlungen. Ein traumhafter Meerblick ist allen gemein. Zur Finanzierung braucht es allerdings Erfindungsreichtum. Manch altes Gemäuer diente als Kulisse für Rosamunde-Pilcher-Kitschdramen, während manche ihrer Eigentümer aus der Filmwelt entsprungen scheinen. Und in den vergangenen Jahren waren mit der Queen und Präsident Obama auch noch echte Prominente im Land.

Dies ist also die Kulisse von Ehedramen und Liebesschwüren, tragischen Verwicklungen und romantischen Rendezvous – von Schicksalsgeschichten, die am Ende auf wundersame Weise in einer opulenten Hochzeit enden. Sie spielen in alten Herrenhäusern, auf gras-grünen Hügeln und an windumtosten Küsten. An Orten zum Dinieren und Spazieren, zum Reiten und Streiten – Orten für Rosamunde-Pilcher-Dramen. Wo getafelt und gekämpft wird, geliebt und betrogen, gestorben und geheiratet. In Herrenhäusern wie dem Bantry House, gerahmt von Statuen und hohen Kiefern und umgeben von blühenden Gartenterrassen. Sie schrauben sich hinter den Gebäuden 100 Stufen hoch, jede mit einer etwas steileren Sicht auf das Schloss an der Südwestküste Irlands. Hardy Krüger junior war hier, um einen Pilcher-Film zu drehen: „Jenseits des Ozeans“, eine romantische Komödie nach einem Buch von Rosamunde Pilchers Sohn, Robin, der seit einigen Jahren in die Fußstapfen seiner Mutter tritt. Bestimmt spielte eine der Liebesszenen im romantischen Blauregen-Rondell mit der Fontäne im Parterre oder auf der obersten Rhododendronterrasse mit dem wunderbaren Ausblick auf Schloss, Bantry Bay und die Caha Mountains. Wer würde da nicht in sehnsüchtigen Gefühlen schwelgen?

Herrschaftlich. Hardy Krüger  junior drehte im Bantry House „Jenseits des Ozeans“.
Herrschaftlich. Hardy Krüger  junior drehte im Bantry House „Jenseits des Ozeans“.
Herrschaftlich. Hardy Krüger junior drehte im Bantry House „Jenseits des Ozeans“. – (c) Bantry House

Restaurierte Renaissance. Aber selbst wer nicht romantisch veranlagt ist, wird hier seine Freude haben. Seit gut zehn Jahren werden Renaissancegärten und Gebäude aus dem 18.  Jahrhundert nach historischen Plänen restauriert. Gärtner John Albrow wacht über formale Buchshecken, Rhododendronbeete und den ummauerten Küchengarten. „Ein Garten sollte wie eine Symphonie sein“, meint er, „verschiedene Räume, die sich harmonisch zusammenfügen.“ Sophie Shelswell-White, die junge Schlossherrin, wacht über die Gästezimmer im Ostflügel und den Tearoom im Westflügel. Unter hohen Säulen sitzen Besucher hier in bequemen Sesseln, schmökern in alten Büchern, trinken Tee und genießen den Blick auf das Meer und den Senkgarten mit seinen Rosen und Malven. Und abends ziehen sie sich in ihre Gemächer zurück.

Das Ensemble versprüht den Charme einer herrschaftlichen Sommerfrische zu Zeiten Sisis. Der hier und da bröckelnde Putz verstärkt noch diesen Eindruck. Ebenso wie die porzellanfarbene Haut und anmutige Gestalt der Eignerin. Sophie Shelswell-White ist direkte Nachfahrin des zweiten Earl of Bantry, der die Gärten angelegt und auf seinen Reisen Kunstwerke für Haus und Garten gesammelt hat. Sophie entspricht zwar ganz dem Bild einer adligen Filmheldin bei Rosamunde Pilcher. Dennoch lebt die 30-Jährige ein eher schlichtes Leben und versucht, das Familienerbe, das sie erst vor einem Jahr angetreten hat, durch Zimmervermietung und Eintrittsgebühren zu erhalten. Filmcrews und Hochzeitspartys sind willkommene Zusatzeinkünfte.

Set für vier Filme. Die Landschaft ist für die Pilcher-
Geschichten wichtig, viel wichtiger als die Dialoge. Vier Filme nach den Ideen des Mutter-Sohn-Gespanns wurden in Irland gedreht. Wie hier in den südwestirischen Grafschaften Cork und Kerry, wo das Grün allgegenwärtig ist, wo die saftigen Wiesen bis zum Horizont reichen und nur von schroffen Klippen in ihre Grenzen gewiesen werden, wo alte Gemäuer von üppigen Gärten umschlungen sind und der Atlantik mit langen Zungen an der Insel leckt. Diese Umgebung hebt die im Grunde banalen Storys aus ihrer Alltäglichkeit, dient als Projektionsfläche für die derzeit so aktuellen Sehnsüchte nach dem Leben auf dem Land und befördert dabei die Nöte und Wünsche der Durchschnittsmenschen in die Welt der Adligen und Schönen. Die Happy-End-Storys verschaffen Lesern und Zuschauern eine Auszeit von Sorgen und Stress.

Phemie Rose findet ihre Auszeit tagtäglich auf dem eigenen Grund und Boden. Ihre Kilravock Gardens sind für sie Lebenssinn und Jungbrunnen zugleich. Als Rentnerin hat sie sich mit ihrem Mann ein Stück Fels direkt an der Dunmanus Bay gekauft. Auf der einen Seite des Zufahrtswegs regieren Ebbe und Flut, und es riecht würzig nach Algen. Auf der anderen Seite regiert Miss Rose und sonnt sie sich im Duft von Lavendel und Rosen. Stück für Stück haben die beiden Senioren den kargen Untergrund urbar gemacht. Phemies Mann, Malcom, war dabei der Handwerker, der grub, pflanzte und mauerte, sie selbst die Planerin und Gestalterin.

Die stämmige Rentnerin mit weißem, kurzem Haar spricht eindringlich und hebt dabei immer wieder mahnend den Zeigefinger. Sie wirkt wie die Miss Marple der Gärten, mit einem Gespür für Pflanzen, nicht für Verbrechen. Akribisch sammelt sie südafrikanische Gräser, ihr Mann tasmanische Baumfarne. Ein gärtnerischer Konflikt, der sich mit Feingefühl und einem Kompromiss lösen ließ. Die beiden entwarfen einfach mehrere Gartenzimmer. Zu der Baumfarngruppe mit Aussichtsplattform kam der südafrikanische Gräserhain, später folgten Teich und japanischer Garten, zuletzt ein mediterraner Bereich mit Agaven und Palmen. Und hinter allem braust das Meer. „Ich habe mich an die Farne gewöhnt,“ sagt Phemie, „und mit der Zeit gelernt, dass man beim Gärtnern tolerant sein muss.“ Mit ihrer energischen Art behält sie dabei allerdings meistens die Oberhand und das letzte Wort, genau wie Miss Marple.

Phemie und Sophie können Pflanzen kultivieren, die in Deutschland nur im Glashaus überleben. Viele Gewächse der Tropen und Subtropen fühlen sich in Irland heimisch, weil der Golfstrom die Küsten wärmt. Selbst im Winter fallen die Temperaturen nur selten unter den Gefrierpunkt. Das relativ warme und feuchte Klima hat die irische Gartenkunst schon früh beflügelt. Zumeist waren es englische Adlige oder Offiziere der königlichen Armee, die in Irland Ländereien als Lehen erhielten. Bei Expeditionen auf allen fünf Kontinenten sammelten sie neben Erkenntnissen über die Beschaffenheit der Welt auch neue Pflanzenarten für ihre Gärten. Und tauschten diejenigen, die das irische Klima gut vertrugen, untereinander aus. So kamen Palmfarne, Eukalypten und Keulenlilien aus Australien, hunderte Rhododendrenarten aus dem Himalaya und Araucarien aus Chile auf die Grüne Insel.

Einige Kilometer weiter nördlich war sogar einmal die Queen zu Besuch. Allerdings nicht Elizabeth, sondern ihre Ururgroßmutter Victoria. Im Jahr 1861 verbrachte sie zwei Tage im viktorianischen Muckross House. Bereits sechs Jahre zuvor erfuhr Lord Herbert, der Besitzer, von dieser Ehre und hatte so genug Zeit, einen ganzen Flügel des Hauses königlich umzugestalten. Die Vorhänge ließ er in Paris weben und das Bettleinen in China. Er erneuerte Teppiche, Spiegel und Tafelsilber. Im Parkgarten wurden neue Sitzplätze angelegt und Unmengen an Sommerblumen gepflanzt. Heute ist das Haus ein Museum, jeder kann die Räume von Queen Victoria besichtigen und ihren Ausblick auf bunte Rhododendrenalleen und den Lough Lake genießen. Übrigens war Victoria viermal in Irland, im Gegensatz zu Queen Elizabeth, die 2011 erstmals das Land betrat – der erste königliche Staatsbesuch seit jenem ihres Vaters vor mehr als 100 Jahren, ein blaublütiges Happening, das selbst die Pilcher-Dramen übertrifft. Doch Elizabeth sparte die privaten Güter und Gärten aus, konzentrierte sich auf symbolische Stätten und große Gesten. Der amerikanische Präsident Obama hielt es ähnlich.

Schluchtengarten. Beide verpassten so die spannende Entwicklung der Kells Gardens von Banker Billy Alexander. Bei ihm verwildern die Exoten und werden zu Einheimischen. Sein mehr als hundertjähriger Schluchtengarten darf sich frei entwickeln, überall dort, wo es nicht stört. Umgestürzte Baumriesen liegen wie morsche Brücken über dem Wildbach, Wasserfälle plätschern, der Besucher taucht in einen Urwald aus tasmanischen Baumfarnen ein, der gar kein Ende mehr nehmen will. „Ich glaube, es ist der größte in Großbritannien, wenn nicht auf der ganzen Nordhalbkugel“, sagt Billy stolz und zeigt ein filmreifes Lächeln.

Auch Billy ist notorischer Pflanzenjäger, jettet durch die Welt und sammelt für seinen Gartenhandel unbekannte Arten. Das ist sein zweiter Job, neben dem Hauptberuf als Banker, der ihn drei Tage pro Woche in der irischen Hauptstadt Dublin hält. Ein vielbeschäftigter Mann und einer, der überzeugen kann. Während sein Schauspielerdouble Robert Redford die Schönheit jenseits von Afrika beschwört, schwärmt Billy vom irischen Klima und der schönen neuen Pflanzenwelt.

Als das riesige Anwesen in Caherciveen 2006 zum Verkauf stand, schlug er zu. Ein verwunschenes Fleckchen Erde an der Küste war ein lang gehegter Wunsch. In den zwei folgenden Jahren säuberte er mit wenigen Helfern den verwahrlosten Park, legte Bambushaine, Palmen- und Sukkulentenbeete und ein Arboretum an, öffnete ein kleines Café, das alte Jagdhaus und den Garten für Besucher. Diese sind zwar durchwegs begeistert, aber nicht genug an der Zahl. Von den Eintritten kann er seinen Lebenstraum nicht finanzieren.

Daher pendelt Billy Alexander weiter zwischen Pflanzen- und Finanzwelt, zwischen Beeten und Moneten. Sein Lieblingsplatz ist ein Freisitz inmitten eines Rhododendrondickichts mit Sicht auf die zerklüftete Dingle Bay. Dort lässt es sich gut fantasieren: seinen Job in Dublin aufzugeben und ganz auf sein Gut zu ziehen. Vielleicht wird eines Tages eines seiner Kinder in den Betrieb einsteigen. Vielleicht, vielleicht . . . In Irland gedeiht eben beides gut: Sehnsüchte und Gärten.

Tipp

Allgemeine Informationen Siehe untere Box oder discoverireland.com.

Anreise
Wien–Dublin–Wien direkt mit der irischen Linie Aer Lingus, Hin- und Rückflug inklusive Steuern und Gebühren ab 488 Euro.
aerlingus.com
Mit Lufthansa via Frankfurt ab etwa 182 Euro (Flüge: 2./9. April 2016). lufthansa.com

Schlafen
Bantry House
Im hochherrschaftlichen Ambiente schläft es sich wunderbar bequem und stimmig ab 86 Euro pro Person mit Frühstück, auch Hochzeiten und Familienfeste lassen sich hier trefflich arrangieren.
bantryhouse.com

Gougane Barra
Das kleine Hotel liegt traumhaft einsam an einem kleinen See am Rande des Gougane-Barra-Nationalparks. Schlichte Doppelzimmer mit Aussicht und Frühstück ab 99 Euro für zwei Personen, Familienanschluss und irische Livemusik im Pub gehören zum charmanten Angebot. gouganebarrahotel.com

Essen und Trinken
Die beste Adresse für gutes
Essen ist das Blairscove House an der Dunmanus Bay in einem schön restauriertem Landhaus mit herrlichem Blick über die Bucht. Die jungen Pächter Antje Gesche und Richard Milnes servieren perfekt abgestimmte Kreationen aus frischen Zutaten der umliegenden Bauernhöfe und Fisch aus der Bucht, Dreigangmenü ab 60 Euro. blairscove.ie

In einem tropisch anmutenden Garten liegt das ehemalige Jagdhaus Carrig Country House am Ufer des Caragh Lake mit guter Küche in gediegenem Ambiente. carrighouse.com

Gärten
Die meisten Gärten sind von Mai bis September oder Oktober geöffnet.

Bantry House. Der Eintritt in die Gärten kostet fünf Euro, in das Haus mit kleinem Museum und Garten zehn Euro.
bantryhouse.com

Phemie Roses Kilravock. Gardens bei Durrus können nach Vereinbarung für
sechs Euro besichtigt werden. kilravockgardens.com

West Cork Garden Trail. Um ihre Erfahrungen an Gleichgesinnte weiterzugeben, gründete das Rentnerpaar den West Cork Garden Trail, dessen Mitglieder ihre privaten Gärten sommers für Besucher öffnen.
westcorkgardentrail.com

Billy Alexanders Kells Gardens liegen am Ring of Kerry, Eintritt: sechs Euro. kellsgardens.ie

Seinen Gartenversand findet man unter: dicksonia.ie

Muckross House. Die Gärten sind frei zugänglich, der Eintritt ins Herrenhaus kostet sieben Euro. muckross-house.ie

Info

Kneissl Touristik
Opernring 3–5, Eingang Operngasse, 1010 Wien, 01/408 04 40, Ferienmesse-Stand: A0515. www. kneissltourisik.at

Irland-Information/Tourism Ireland: Untere Donaustraße 11/3, 1020 Wien, 01/585 36 30-0, Ferienmesse-Stand: A0933.

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