Schattige Alleen und Bürgergärten – danke, Mauer!

Historisch bedingt zählt Berlin zu den grünsten Europas. Die Berliner begrünen ideenreich weiter.

Prinzessinengarten in Berlin
Prinzessinengarten in Berlin
Prinzessinengarten in Berlin – Reuters

Ein Skatesurfer rast vorbei, dicht gefolgt von einem Radfahrer. Die Augen sind auf den Drachen am blitzblauen Himmel gerichtet, das Gras kratzt am Rücken, und doch möchte man diesen Platz um nichts in der Welt tauschen: eine Wiese direkt neben der Landebahn des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof. Nachdem der Flugbetrieb 2008 eingestellt wurde, ist das Tempelhofer Feld heute ein beliebtes Erholungsgebiet der Berliner und gleichzeitig der größte Park der deutschen Hauptstadt.

Dass Berlin eine sattgrüne Stadt ist, fällt an allen Ecken und Enden auf: Viele Straßen sind schattige Alleen, Biergärten laden zum Verweilen ein, es gibt unzählige Parks – Mauerpark, Viktoriapark, Tiergarten und die Gärten der Welt. Zum Grün gestellt sich das Blau der Gewässer: Spree und Havel, Seen und Kanäle, etwa der Landwehrkanal, an dessen Ufer man Jogger und Spaziergänger trifft. Nicht nur die Stadtplaner, auch die Bewohner haben einen grünen Daumen: Manche Balkone sind mit Grünzeug so voll behangen, dass man denkt, sie müssten unter der Last zusammenbrechen. „Früher hatte jedes Haus in Berlin einen Garten“, sagt Klaus Thorn von der Kreativen Gesellschaft Berlin, einer privaten Touristeninformation in Neukölln. Tatsächlich: In manchen Kiezen stehen heute noch Reihenhäuser mit kleinen Gärten davor. Kleinstadtidyll gepaart mit Großstadtflair. In anderen Stadtteilen wurden die Gärten dem Erdboden gleichgemacht, dafür entstanden breite Straßen mit Alleen. „Dass Berlin so grün ist, haben wir der Mauer zu verdanken“, sagt Thorn. Als sie noch stand, wurden viele Grätzel vernachlässigt. „Investoren und Hochhäuser blieben aus“, sagt der Mittsechziger. „Und jetzt ist es hier umso grüner, weil nicht alles abgerissen und neu gebaut wurde.“

Wie grün Berlin ist, beweisen die Zahlen: In der 3,4-Millionen-Einwohner-Stadt gibt es 2500 öffentliche Erholungs- und Grünanlagen. Fast sieben Prozent des Stadtgebiets sind Wasserflächen, knapp 18 Prozent Wald, 14 Prozent öffentliche Grünflächen und mehr als vier Prozent werden landwirtschaftlich genutzt. So wie der Prinzessinnengarten im Szeneviertel Kreuzberg: Mehr als 60 Jahre lang war der Moritzplatz eine Brache. Heute wachsen mitten in der Stadt 500 Sorten Gemüse und Kräuter. Die Gründer begannen vor einigen Jahren damit, Müll zu entsorgen und mobile Beete anzulegen. Mittlerweile ist das Projekt weit über Kreuzberg hinaus bekannt, es gibt Führungen, Projekte mit Schülern und Jugendlichen, Workshops und Diskussionsrunden. Im Gartencafé wird der Verkehrslärm von Vogelgezwitscher übertönt, an manchen Abenden wird gemeinsam unter freiem Himmel gekocht.

 

Verteidigung der Grünflächen

Das Projekt ist nur eine von vielen nachhaltigen Initiativen der Berliner. So entstanden neben Bürgergärten (Helle Oase, Laskerwiese) auch Tauschbörsen und Leihläden, in denen man sich selten benötigte Gegenstände wie zum Beispiel Bohrmaschinen ausborgen kann. Beim Jour fixe „Berliner Nachhaltigkeitsinitiativen“ werden Ideen ausgetauscht und entwickelt. „Es gibt Freiräume und aktive Menschen, die diese auch bespielen“, sagt Peter van de Loo, Geograf in Berlin. Er hat vor zehn Jahren nach New Yorker Vorbild die offene Plattform Greenmap Berlin ins Leben gerufen: einen multimedialen Stadtplan, in den jeder nachhaltige, ökologische und soziokulturelle Inhalte eintragen kann – vom Kinderbauernhof bis zum Bio-Café.

Das grüne Berlin entwickelt sich also stets von innen heraus weiter. Und wenn Grünflächen gefährdet sind, werden sie mit vereinten Kräften verteidigt.

IM GRÜNEN, AM WASSER


Essen

Tomasa Villa Kreuzberg. Die 120 Jahre alte Backsteinvilla steht mitten im Viktoriapark im Szeneviertel Kreuzberg. Im Keller des Hauses ist noch heute die Pumpe, die den Wasserfall im Park antreibt. Im gemütlichen Gastgarten kann man nicht nur ausgiebig frühstücken, sondern auch Tapas und Flammkuchen zum Bier genießen oder à la carte essen. Kreuzbergstraße 62,tomasa.de

Brauhaus Südstern. Hier gibt's neben selbst gebrautem Bier deftige Hausmannskost und wechselnde Wochengerichte. Auch Braukurse, Live-Musik und Kabarett stehen auf dem Programm. An Sonn- und Feiertagen gibt's ein Brunch-Buffet. Der Biergarten liegt direkt im Volkspark Hasenheide.Hasenheide 69, brauhaus-suedstern.de

Restaurant Freischwimmer. Legeres Plätzchen mit Kaminzimmer und Garten direkt am Landwehrkanal. Samstags Frühstücksbuffet, sonntags Brunch. Gäste können sich im Sommer Kanus ausborgen und gegen Aufpreis einen gefüllten Picknickkorb mitnehmen. Am späteren Nachmittag gibt's Barbeque vom Lavasteingrill. Vor dem Schlesischen Tor 2a, freischwimmer-berlin.com


Schlafen

Schlosshotel Berlin im Grunewald: 5-Sterne-Haus im Grünen mit Wellnessbereich und Swimmingpool im hauseigenen Park im Villenviertel Grunewald. Brahmsstraße 10, schlosshotelberlin.com

Hotel Almodóvar: Hell, viel Holz, natürliche Materialien, grüne Elemente. Bio-Hotel im trendigen Friedrichshain mit Wellness- und Spabereich. Das 2012 eröffnete Haus liegt zwar nicht im Grünen, von der Sauna aus blickt man aber über die Dächer und Baumwipfel der Stadt. Im Bistro gibt's vegetarische Küche aus biologischem Anbau, der Strom stammt aus erneuerbarer Energie und in den Zimmern liegen Yogamatten bereit. Boxhagener Str. 83, almodovarhotel.de

Nhow Hotel Berlin: Erstes Musik-Hotel Europas der NH-Hotelgruppe für junges Trendpublikum. Das Lifestylehotel liegt direkt am Spreeufer und verfügt neben einer Terrasse und einem farbenfrohen Spabereich über zwei Musikstudios. Stralauer Allee 3, nh-hotels.de

Infos: Deutsche Zentrale für Tourismus, Mariahilfer Str. 54, 1070 Wien, 01/5132792, germany.travel

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.05.2016)

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