Madeira I: Kurven, Tunnel, berglauf, berglab

Bergsteigen, Wasserkanäle entlangwandern, Gärten bewundern und die Wildnis genießen – dafür eignet sich die Insel ideal.

Madeira
Madeira
Madeira – Imago

Wenn es einem spanisch vorkommt, dass man in Funchal in einer österreichischen Doppelmayr-Gondel ins 560 Meter höher gelegene Dörfchen Monte schwebt, ist das kein Grund zur Beunruhigung. So sind die wunderbaren Gartenanlagen einfach am bequemsten zu erreichen. Gerade in den Wintermonaten ist Madeira dank des milden Klimas ein lohnendes Ziel. Direkt neben der Bergstation grünt und blüht es im Jardim Tropical (Tropischen Garten). Man spaziert durch üppiges Grün zwischen Azaleen und Orchideen aus dem Himalaja, Palmen aus Südafrika und Palmfarnen aus der ganzen Welt.

Eine weitere Gondelfahrt über die João-Gomes-Schlucht führt zum Jardim Botanico (Botanischen Garten), der viel kleiner und meist voller ist als der abwechslungsreichere Tropische Garten. Noch mehr Blumen gibt es etwas weiter südlich in der mehr als 100 Jahre alten Orchideenzucht Jardim Orquidea, die die österreichische Familie Pregetter seit 1991 führt. Ein kleines tropisches Paradies. Von Monte aus kann man die zwei Kilometer hinunter nach Funchal mit einer Fahrt in den legendären Korbschlitten zurücklegen (30 Euro) oder gemütlich per Gondelbahn zurück an die Strandpromenade schweben und dabei einen Blick in die Hausgärten und Hinterhöfe Funchals werfen. Gegenüber der Talstation in der hübschen Altstadt liegt das Madeira Story Center mit einer interaktiven Ausstellung über Geschichte und Kultur der Insel.

Wetterelastisch planen

Madeiras Klima ist wie geschaffen für alles, was grünt. Um die 20 Grad und immer wieder Regen. Dabei ist die Insel durch einen zentralen Bergkamm topografisch in zwei Hälften geteilt, was wettertechnisch oft einen ähnlichen Effekt hat wie der Alpenhauptkamm. Bei Staubewölkung und Niederschlag auf der Nordseite gibt es an der Südküste strahlenden Sonnenschein. Dann heißt es flexibel sein und eine Tagestour entsprechend anpassen. Der schnellste Weg führt direkt durch die Inselmitte über einen 1000 Meter hohen Pass von Süd nach Nord (etwa 18 km).

Madeira liegt, salopp gesagt, nördlich der Kanaren, ein bisschen südlicher als Casablanca und irgendwie sehr einsam mitten im Atlantik. Wer einen Badeurlaub auf Madeira plant und/oder ein reges Nachtleben erwartet, ist hier eher falsch. Trotz Wasserreichtums ist die Insel kein Ziel für einen reinen Badeurlaub. Zu viele Klippen, zu wenige Strände, zu kalter Atlantik, nur im August und September über 20 Grad. Einen neun Kilometer langen Sandstrand gibt es allerdings auf der Nachbarinsel Santo Porto, 40 Kilometer von Funchal entfernt und per Schiff und Tagesausflug gut erreichbar. Natur- und Wanderfreunde sowie Ruhesuchende hingegen sind auf Madeira goldrichtig. Obwohl die Insel nur eine Fläche von circa 30 mal 50 Kilometern hat, gibt es Gipfel mit mehr als 1800 Metern und tiefe Täler. Das bedeutet: viele Kurven und Tunnel, abenteuerliche Küstensträßchen, meist geht es bergauf oder bergab.

Die ungleiche Wasserverteilung auf der Insel führte zum Bau künstlicher, weit verzweigter Wasserkanäle, den sogenannten Levadas. Sie leiten das Wasser von der feuchten Seite der Insel in den trockeneren Süden, wurden teilweise schon vor 600 Jahren angelegt und bilden ein Netz von mehr als 2000 Kilometern Länge. Die Levadas machen Madeira zu einem Wanderparadies. An ihnen können auch ungeübte Wanderer ohne große Höhenunterschiede entlegenere Stellen der Insel erkunden. Die Orientierung ist einfach: immer am Kanal entlang. Auch wenn die bekannteren Einstiege meist an einer belebteren Stelle oder Straße liegen, taucht man schon nach der ersten halben Stunde in die einsame Bergwelt Madeiras. Die Kulisse ist grandios: immergrüner Lorbeerwald, schroffe Berggipfel. Streckenweise geht man nur auf den gut 40 Zentimeter breiten Mäuerchen – das heißt mit achtsamem Blick nach vorn und unten und hintereinander. Es gibt aber auch fast hochalpine Touren, die Kondition, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit verlangen.

Eher ein Spaziergang ohne großen Höhenunterschied führt in 30 Minuten von Ribeiro Frio zum Aussichtspunkt Balcoes – mit Ausblick auf das Zentralgebirge. Diese Wanderung führt entlang eines sehr breiten Levada-Weges. Das Schwierigste an diesem Ausflug ist die Parkplatzsuche in Ribero Frio – bei allen Aktivitäten lohnt es sich deshalb, den Tag früh zu beginnen. Auch bei der wunderbaren Wanderung von Ponta de Sao Lourenco aus, 32 Kilometer nordöstlich von Funchal. Dort spürt man die raue Wildnis, während einem die kräftige Brise des Meeres um die Nase weht. In einer guten Stunde durch das kupierte Gelände lässt sich die Küstenlandlandschaft mit aufregenden Klippen und tiefen Einschnitten erleben. Dabei leuchtet der vulkanische Kalktuff in den schönsten Farben.

 

MADEIRA

Blumenfest (Festa da Flor), 7. bis 13. April 2016: Funchal feiert den Frühling und die für diese Jahreszeit typische, üppige Blütenpracht. U. a. ziehen Motivwagen beim großen Blumenumzug durch die Stadt, über und über mit den Blüten der Insel geschmückt. Parallel dazu schaffen Künstler aus Madeira an besonders stark frequentierten Stellen in der Innenstadt unvergessliche Blütenteppiche.

Anreise. Direktflug mit Austrian Airlines ab Wien. Nach 4,5 Stunden landet man auf dem spektakulär auf Betonstelzen ins Meer verlängerten Flughafen von Madeira. Mietwagen sind günstig und das individuellste Fortbewegungsmittel.
Gut schlafen.

Funchal: The Vine (5*), www.hotelthevine.com
Ponto do Sol: Estalagem Ponta do Sol (4*), www.pontadosol.com; Hotel da Vila (3*), www.pontadosol.com/hoteldavila

Reiseführer. Baedeker Smart „Madeira“, mit praktischer Spiralbindung und Karte: www.baedeker.com

Infos:
www.visitmadeira.pt
www.visitportugal.com/de/destinos/madeira
www.storycentre.com

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.09.2016)

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