Salzkammergut: Ein Langlaufmenü zum Abspecken

Zwei Aufwärmrunden als Vorspeise, ein Marathon als Hauptspeise und der Hochgenuss als Dessert – die Große Runde inklusive der Panoramaloipe auf der Postalm.

Langlaufen im Salzkammergut
Langlaufen im Salzkammergut
Langlaufen im Salzkammergut – Imago

Alles ist für ein paar Tage Langlaufvergnügen angerichtet im Salzkammergut. Der Winter hat die Landschaft in dieser Saison in ein zauberhaftes Schneekostüm gekleidet, vom tiefblauen Himmel schmunzelt die Sonne, und in vielen Gegenden haben fleißige Heinzelmännchen zwei Parallelen in den Schnee gelegt, die darauf warten, geschliffen zu werden.

Nun, auch die Waage pocht jetzt darauf, dass der Geist wieder zum Herrn im eigenen Haus wird und sich der mit Winterspeck gepolsterte Körper wieder einmal an anderen Orten als am Esstisch oder hinter dem Ofen profiliert – das Lehnstuhlbehagen nach dem Stockeinsatz ist schließlich das Allergrößte! Es empfiehlt sich allerdings, den Körper zunächst mit ein, zwei bescheidenen Runden auf harmlosem Terrain für höhere Aufgaben zu wappnen.

Ein kleiner Appetitmacher ist im Flyschbergland oberhalb von Mondsee zu finden. Zwei rund fünf Kilometer lange kombinierbare Loipen, beide im klassischen Stil zu befahren, führen in diesem abgeschiedenen Landstrich auf knapp 1000 Metern Seehöhe durch das Winteridyll des Mondseeberges. Auf der Hochmoorloipe gleitet man fast mühelos über flache Wiesen, gelangt durch ein Waldstück und umrundet das namensgebende Hochmoor, das wegen der Vielfalt an seltenen Pflanzen nicht nur unter Botanikern als Geheimtipp gilt, sondern im Sommer auch bei Heidelbeersammlern beliebt ist. Die Ebnatloipe über Wiesen und Felder bietet hingegen einige Steigungen und verlangt schon ein bisschen mehr Krafteinsatz, der jedoch gleich mit rasanten Abfahrten belohnt wird.

Schneeloch Faistenau

Diese machen Lust auf ein Entrée jener Art, wie es etwa auf dem Thalgauberg geboten wird, wo es herrliche Ausblicke auf Gebirgszüge vom Höllengebirge bis zum Tennengebirge gibt sowie eine Galerie von Salzburger Hausbergen und bei klarer Sicht sogar auf den Watzmann. Neben der Aufwärmrunde, die auch als kleine Flutlichtvariante zur Verfügung steht, wacht ein kolossales, geschecktes echtes Schwein, das den Läufern, darunter viele Skater, viel Vergnügen bei der Vertilgung der nächsten Loipenkilometer entgegenzugrunzen scheint. Auf einem Zubringerabschnitt geht es zur Wasmoserloipe. Das Befahren der auf einem kupierten Gelände liegenden Spur, die von Waldlichtung zu Waldlichtung mäandert, treibt einem so manche Schweißperle auf die Stirn, weil es bei den Abfahrten dann und wann brenzlig wird.
Nach diesen beiden Häppchen wird es nun aber Zeit für einen richtig großen Fisch. Der als Schneeloch bekannte Erholungsort Faistenau, der sich in den vergangenen Jahren als Langlaufdorf positioniert hat, kann mit einem 55 Kilometer umfassenden Loipennetz aufwarten, das in verschiedenen Ausdauer- und Schwierigkeitsniveaus sowohl mehrere klassische Loipen als auch eine Skatingstrecke, die auch in den Abendstunden bei Flutlicht genutzt werden kann, bietet.

Im Schatten des Zwölferhorns

Eine landschaftlich besonders reizvolle Möglichkeit, die konditionellen Fortschritte zu evaluieren, ermöglicht die Loipe in die entlegene, lang gestreckte Tiefbrunnau, die, wie die Mehrzahl aller Touren, im Ortszentrum von Faistenau beginnt und ebendort endet. Wie es die Bienen, die in Stöcken am Loipenrand überwintern, sommers auf der Suche nach dem Blütenstaub tun, sammelt man im Schatten des Zwölferhorns auf der Tiefbrunnauloipe Kilometer um Kilometer. Um sich am Ende der Schleife im Loipenstüberl, wo ein paar Schnapsdrosseln schon quietschvergnügt singen, eine Rast zu gönnen, nach der es sich so leicht gleitet, dass man den Ausgangspunkt mühelos wieder erreicht.

Als Dessert möchte man einen richtigen Leckerbissen zu sich nehmen. Diesen bekommt man auf dem in lichten Höhen gelegenen Postalmgebiet zwischen Abtenau und Strobl serviert. Wenn die Täler in einer Nebelsuppe verschwinden, scheint hier die Sonne. Das wirkt besser als jede künstliche Lichttherapie, weshalb man nicht nur Vertretern der eigenen Spezies, sondern auch zahlreichen Spaziergängern und Schneeschuhwanderern begegnet.

In dieser durch gemütliche Heuschober und Holzhütten bereicherten Almlandschaft werden die Anstrengungen, deren es bedurfte, um die körperliche Fitness (wieder) zu erlangen, freilich mehr als belohnt. Alle prächtig hergerichteten Loipen auf der Postalm bestehen aus zwei nebeneinanderlaufenden Spuren für den klassischen Langlaufstil sowie einer daneben befindlichen Spur für Skater. Die Postalm verdankt übrigens ihren Namen 1862 dem Postmeister Franz Koch aus Ischl, der den Postverkehr zwischen seiner Heimatstadt und Salzburg betrieb und die Postpferde auf die Sommerweide trieb. Ein wahres Vergnügen bereitet das Gleiten auf der Panoramaloipe auf rund 1400 Metern Seehöhe, die viele landschaftliche Höhepunkte bietet, etwa den Blick auf den Wolfgangsee oder den Schafberg.

Zeit für die Große Runde

Roberto, der sächsische Wirt der Schafbergblick-Hütte, kredenzt wunderbare Suppen, deftige Hauptgerichte und sündhaft gute Nachspeisen, von denen mit teutonisch-nobler Zurückhaltung etwa „die wahrscheinlich besten Pofesen Österreichs“ beworben werden. Er sei, sagt der Bartträger, vor Jahren von einer Einheimischen in die Geheimnisse der Zubereitung landestypischer Kost eingeweiht worden, denn er wolle, wenn er schon die hiesige Mundart nicht erlerne, doch wenigstens die Kochkunst seiner Wahlheimat beherrschen, in der die Uhren noch ein bisschen anders tickten – dies will er als Kompliment verstanden wissen.

Mehr Zeit braucht man jedenfalls, wenn man die Panoramaloipe mithilfe einer Verbindungsloipe, auf der man eine spektakuläre Abfahrt durch den Wald hinunterrattert, durch die Lienbachloipe zur Großen Runde ergänzt. Bevor man wieder zum Ausgangspunkt der Panoramaloipe gelangt, kommt man an der Postalmkapelle vorbei. Das kleine, malerisch vor dem dahinter aufragenden Rinnkogel befindliche Gebetshaus war 1865 anlässlich des Besuchs der Kaiserin Elisabeth vom Ehepaar Franz und Juliane Koch erbaut worden und ermöglichte den Almleuten den Besuch einer Messe. Der Anblick dieses Kleinods kann getrost als das Obershäubchen dieses kleinen Langlaufmenüs bezeichnet werden, mit dem man den Winterspeck locker verkochen kann.

Info

Mondseeberg: zwei Loipen (Ebnatloipe, 4,5 km, mittlerer Schwierigkeitsgrad; Hochmoorloipe, 5 km, leicht) beide kostenlos. Die Zufahrt erfolgt über die Mondseebergstraße, einige Parkplätze sind vorhanden. mondsee.salzkammergut.at

Thalgauberg: Neben einer von 18–21 Uhr beleuchteten Nachtloipe (1,8 km) steht die Wasenmoosloipe (5,1 km, Zubringer 0,8 km) zur Verfügung. Die Benützung ist prinzipiell kostenlos, Erwachsene werden aber um eine freiwillige Spende von 4 Euro für die Tageskarte gebeten.

Anfahrt: über Thalgau, es stehen mehrere Parkplätze zur Verfügung, u. a. beim Wasenmooswirt, wo es für Kinder und Anfänger auch einen Schlepplift in Sonnenlage gibt. Alle Loipen für klassische Langläufer und Skater geeignet. www.langlauf-thalgau.info

Faistenau: Im Ortskern beginnen und enden fast alle Loipen. Dort gibt es einen Parkplatz, wie auch bei den anderen Einstiegen. Die längste Loipe ist die Tiefbrunnauloipe (19,2 km), die sich für leistungsorientierte Sportler eignet. Die Skatingloipe kann in einer kürzeren, bis 21 Uhr beleuchteten Variante (5 km) oder in einer längeren Variante (10 km) mit mehreren Anstiegen befahren werden. Weiters gibt es drei rund 5 km lange Loipen (leicht bis mittel). Am Haupteingang der Volksschule Faistenau (im Ortskern) stehen eine Duschgelegenheit, Toiletten und ein Raum für die Skipräparierung zur Verfügung. Es werden auch Langlaufkurse für Anfänger und Fortgeschrittene angeboten. www.nordic-fun.at

Langlaufpreise: Tageskarte: 6 Euro; www.langlaufdorf.at

Postalm: Von Strobl am Wolfgangsee oder Voglau bei Abtenau gelangt man über eine Mautstraße hinauf zur Langlaufarena, wo es einen Parkplatz gibt. Im Almgebiet gibt es eine 12 km lange Panoramaloipe und die 5 km lange Lienbachloipe, die über eine 5 km lange Verbindungsloipe zu erreichen ist. Die Loipen können kostenlos befahren werden, allerdings werden 8 Euro pro Erwachsenem/Tag für die Benützung der Mautstraße eingehoben. bergfex.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.03.2018)

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