Val d’Orcia: Thermalwasser und Rotwein

Ein weniger überlaufenes Stück Toskana, voller heißer Quellen, Charakterhügeln und Sangiovese-Trauben: das Val d’Orcia.

Integriert. Der einstige Steinbruch ist baulich Teil der Adler Thermae.
Integriert. Der einstige Steinbruch ist baulich Teil der Adler Thermae.
Integriert. Der einstige Steinbruch ist baulich Teil der Adler Thermae. – (c) Thaddaeus Salcher/Adler Spa Resort Thermae

Lang hatte man in Bagno Vignoni Travertin aus dem Berg geschnitten. Dann aber war, wie so vieles in dieser traditionell ärmeren, dünner besiedelten Region, der Abbau des charakteristischen Steins nicht mehr lukrativ, die Stätte dämmerte vor sich hin – bis eine Südtiroler Unternehmerfamilie mit viel Vorstellungsvermögen den Steinbruch erwarb, noch Baubewilligung erhielt und darin einen der größten touristischen Betriebe in der südlichen Toskana errichtete. Heute, mehr als 14 Jahre nach der Eröffnung der Adler Thermae, braucht es schon einige Baustellenfotos, um zu erfassen, wie umfangreich, zugleich umsichtig damals diese Verwandlung des Geländes vonstatten ging, und wiederum, wie geschickt der große, dezente Hotelbau (ein toskanisches Haus mit zwei Flügeln), die kleinen Nebengebäude, die Schwimmbecken, die Spabereiche und die Gartenanlage in dieses Setting eingepasst ­wurden.

Nach vorne zeigt sich dem Gast der Adler Thermae die südliche Toskana, genauer gesagt das Unesco-geadelte Val d’Orcia, in der Übererfüllung ihrer landschaftlichen Klischees: Sanfte Hügel an Hügel, Dörfer wie Nester, Landgüter in Alleinlage. Zypressen, Weizenfelder, etwas Wein, toniger Untergrund. Geradezu klassisch, über Renaissance-Sujets in die Nachwelt hinausgetragen.

Pittoresk. Die Toskana-Bilder im Kopf werden im Val d’Orcia erfüllt.
Pittoresk. Die Toskana-Bilder im Kopf werden im Val d’Orcia erfüllt.
Pittoresk. Die Toskana-Bilder im Kopf werden im Val d’Orcia erfüllt. – (c) Paolo Naldi

Auf der Rückseite steht der Gast inmitten des ehemaligen Steinbruchs. Große Kalksteinblöcke umgeben hier ein seichtes, helles Naturbecken voller Thermalwasser, flankiert von einer Holzterrasse, einer Relaxzone. Über den flachen Travertinsee führt ein schmaler Steg zur neuen Biosauna, einen Glaswürfel mit Bambusstäben zwecks Sichtschutz und Aussicht. Über Steinstufen erreicht man das Dampfbad, die Grotta del Filosofo. Zuoberst wurde eine lichte finnische Waldsauna errichtet, in der sich den Schwitzenden ein Panoramabild über das ganze Thermengelände hinweg bietet.

Bademanteltage. Schauen, dösen, Wurzeln schlagen: Den Tag verbringen viele Gäste im Bademantel, vor allem jene aus Italien. Man bleibt vor Ort, bewegt sich zwischen den thermalwassergefüllten Freibecken, den Liegen und Bänken in der prächtigen Gartenanlage hin und her. Treibt etwas Outdoosport, zum Beispiel am Crosstrainer oder Laufband, schön positioniert im Freien. Sortiert sich zwischen den Behandlungsterminen, für die mehr als 40 Fachkräfte zur Verfügung stehen – zwecks Massagen, Beautytreatments, Ayurveda, Physioanwendungen, ärztlicher Konsultation. Und teilt den Urlaubstag auf zwischen ausgiebigem Frühstück, leichtem Mittagsbuffet im Bistro am Freigelände, dem Apero auf der erhöhten Terrasse und dem Gourmetmenü am Abend im Atrium des Restaurants. Selbst wenn man eine halbe Stunde weiter auf den Berg marschiert, verbleibt man letztlich am Areal der Adler Thermae, denn die Tenuta da oben gehört ebenfalls der Eigentümerfamilie Sanoner. Und der Sangiovese, den man dort in oder vor dem modernen Weinkeller verkostet, ist auch jener, den man vielleicht als Aperitif (etwa den Aetos Sparkling Rosé) oder abends zur Bistecca Fiorentina (Aetos Orcia Sangiovese Riserva Bio DOC) bestellen wird. Ja, tatsächlich, man könnte tagesfüllend im Bademantel bleiben, weil der Ausblick, den man hier auf die Umgebung hat, so unverstellt ist, so pars pro toto wirkt, als hätte man alles Restliche schon gesehen. Hat man freilich nicht (außer die treuen Stammgäste, die sogar zweimal im Jahr anreisen). Also wird man vor Ort auch angestiftet, sich die Wanderschuhe anzuziehen, aufs Bike respektive E-Mountain-Bike zu steigen oder sich einem Kulturausflug anzuschließen.

Versteckt. Nur der Verkostungsraum der Tenuta schaut aus der Erde.
Versteckt. Nur der Verkostungsraum der Tenuta schaut aus der Erde.
Versteckt. Nur der Verkostungsraum der Tenuta schaut aus der Erde. – (c) Adler Spa Resort Thermae

Thermalwasserstellen. Der erste Stopp einer Erkundung der Gegend erfolgt bereits nach wenigen Minuten, da zeigt der kleine Ort Bagno Vignoni, wie er seinem Namen gerecht wird. Mitten in dem mittelalterlichen Dorf befindet sich ein großes Becken mit Thermalwasser, in dem die Etrusker, die Römer, dann die Renaissancefürsten gebadet und sich kuriert haben. Für den Besucher ist dies an so zentraler Stelle nicht mehr möglich, sehr wohl aber an anderen rund um den Orcia, den idyllischen Weltkulturerbefluss, zu dem man dort und da hinunterklettern muss. Das bikarbonat- und sulfathaltige Thermalwasser wurde allerdings nicht nur gegen Leiden der Haut oder der Gelenke eingesetzt, sondern auch zum Betrieb von Mühlen und zur Bewässerung in dieser tendenziell trockenen Gegend genutzt. Wie das funktioniert hat, kann man sich im nahen Mühlenpark, dem Parco dei Mulini, ansehen, dort stehen einige Ruinen. Eine Mühle, die – wieder – in Betrieb ist, ist hingegen Molino Val d’Orcia ein paar Kilometer weiter Richtung Pienza, wo feines Mehl und Bio-Pasta produziert und an Abnehmer wie die Adler Thermae verkauft werden. Ein origineller Bau für eine Mühle, kastellartige Industriearchitektur.

Die Gegend südlich von Siena ist nicht augenscheinlich vom Wein dominiert. Weizen bestimmt das Bild, und wenn er wie jetzt im Herbst geerntet ist, zeigen sich die kargen Hügel ockerfarben, zwischen den kegelförmigen Anhöhen fast erodiert. Wein konzentriert sich auf ein paar bestimmte Lagen rund ums Val d’Orcia, allerdings sind es dann sehr prominente. Zu Montalcino im Nordwesten sieht man hinüber, von einem Glas spitzenmäßigen Brunellos trennen einen 20 Fahrminuten. Zu Fuß ist es nicht nur länger zu dieser berühmten steinbewehrten kleinen Stadt, sondern auch viel weiter, weil die Route hügelauf, hügelab schlingert. Durch dieses fast baumlose Gelände führt mit der Via Francigena ein historischer Weg, der immer häufiger begangen wird. Es brauchte eine Weile, bis in dieser so landwirtschaftlichen Gegend der Sinn und Nutzen eines Wanderwegenetzes oder der Anschluss an eine Pilgerwanderroute erkannt wurde. Beschilderung und Wegeführung waren bei den Grundeigentümern nicht immer einfach durchzubringen. Doch nun marschiert man durch Kulturlandschaft dahin, über leichte Anhöhen und leichte Senken, vorbei an zahlreichen Weingütern (in die man gegen Voranmeldung einkehrt und sich vom Rosso bis zum Brunello durchkostet), umstrichen vom leichten Wind, der hier immer weht.

Wirksam. Schwefeliges Wasser wird auch in die Freibecken geleitet.
Wirksam. Schwefeliges Wasser wird auch in die Freibecken geleitet.
Wirksam. Schwefeliges Wasser wird auch in die Freibecken geleitet. – (c) Adler Spa Resort Thermae

Idealstadtplanung. Auch in die Gegenrichtung lohnt ein Ausflug, nicht bloß weinverkostungstechnisch, sondern kulturell betrachtet: Mit Pienza wollte Papst Pius II. eine Art perfekte Renaissancestadt schaffen – Dom, Piazza, Palazzi. Dem Vorhaben war das vormalige Corsignano, das Heimatdorf des Bauherrn, insofern nicht gewachsen, als es sich als zu klein für dieses Plansoll erwies. Es musste getrickst werden, indem man sich optischer Effekte bediente, um den Platz größer aussehen zu lassen. Die Grundflächen, die man eigentlich nicht hatte, wurden durch hängende Bauten kompensiert. So wirkt Pienza großformatig im Kleinen. Weniger frequentiert als Pienza (und vor allem das etwas weiter entfernt gelegene Montepulciano) ist der Ort, zu dem Bagno Vignoni gehört: San Quirico d’Orcia zählt zu den schönsten Borghi Italiens. Innerhalb der befestigten Mauern reihen sich Lokale und Geschäfte, die nicht so deutlich an Touristen gerichtet sind als anderswo in der Toskana. Wobei diese Gegend südlich von Siena zu den weniger überlaufenen und touristisch vereinnahmten gehört.

Vulkanaktivitäten. Der Berg am südlichen Horizont passt auch wenig in das Bild, dafür ist er zu hoch, zu ausladend, zu dicht von Wald umgeben. Er hat sogar einen Sessellift – zwecks Skibetrieb, die Winter sind hier kalt. Und doch hat der Monte Amiata die Landschaft des Val d‘Orcia an seinen nördlichen Ausläufern geprägt: Der 1738 Meter hohe Berg war ein Vulkan. Der letzte Ausbruch wird vor 180.000 Jahren angenommen, heiße Quellen zeigen noch eine gewisse Restaktivität an. Quellen, die eben auch in Bagno Vignoni oder anderen kleinen Thermenorten wie Bagni san Filippo sprudeln. Dass die Aura des Monte Amiata Künstler anzog, verwundert im Übrigen nicht. In Seggiano etwa versammelt der „Giardino" des in Wien lebenden Schweizer Künstlers Daniel Spoerri auf einem Riesenareal viele eigene Arbeiten und Objekte von Wurm bis Tinguely. Man wandert dort ein, zwei Stunden – doch die spezielle Aura dieses Ortes erschließt sich sofort.

Compliance: Die Reise wurde von Adler Thermae unterstützt.

Info

Anreise: Tatsächlich lässt es sich bequem mit dem Zug nach Bagno Vignoni reisen. Der direkte Nachtzug Wien–Rom hält in Chiusi-Chianciano Terme (ab dort gibt’s Shuttle).

Unterkunft: Adler Thermae, Fünf-Sterne-Resort der Südtrioler Hotelierfamilie Sanoner. Spa, Beauty, Wellnes. Eigenes Weingut. Laufend Outdoor-Aktivitäten wie geführte Wanderungen oder Radtouren im Val d’Orcia. www.adler-thermae.com, www.adler-resorts.com

Anschauen: „Il Giardino di  Daniel Spoerri", in Seggiano.  www.danielspoerri.org

Pienza, die „ideale Stadt" von Papst Pius II. Montalcino, die Heimat des Brunello, und San Quirico d’Orcia – unverfälschtes Borgo, www.visittuscany.com

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