Israel

Es tut sich etwas in der Negev-Wüste

In der ockerfarbenen Wüstenlandschaft leben die Kibuzzim auf und produzieren kraftvolle Rotweine. Steinböcke und Adler sind die Begleiter, wenn die Besucher durch die bizarren Steinformationen wandern. Besuch im ewig alten Land.

Diesige Mondlandschaft: der Krater Makhtesh Ramon in der Abenddämmerung
Diesige Mondlandschaft: der Krater Makhtesh Ramon in der Abenddämmerung
Diesige Mondlandschaft: der Krater Makhtesh Ramon in der Abenddämmerung – (c) Özkan

Die Reise in die Wüste beginnt vielleicht wirklich am aufregendsten, wenn man ins kalte Wasser springt. Sprichwörtlich, natürlich. Wenn man also in einer beliebigen Stadt den Flieger nach Israel besteigt und am nächsten Tag im En-Avdat-Nationalpark loslegt. Störrische Sträucher weisen den Weg zum Eingang und rundherum breitet sich die ockerfarbene Steinwüste aus, Felsformationen, die an den Grand Canyon erinnern, nur ein bisschen kleiner und heller.

Die Morgensonne knallt auf die Gesichter der wintergeplagten Europäer, Adler kreisen hoch über den wenigen Menschen, die sich in der Früh hier eingefunden haben. Sie sind heute die einzigen Begleiter, die sichtbaren zumindest. Ja, hier kann man die Reise beginnen. Die Luft ist, trotz Wüste, klar und entstaubt, und der leichte Wanderweg führt an lehmigen Wegen durch die bizarren Steinformationen. Hauptsächlich weißer Kalkstein ist hier zu sehen, ein wenig Feuerstein, Sandstein. Es ist komplett still, und die angenehm eintönige Gegend lässt etwas Gutes zu: den freien Lauf der Gedanken.

Eingang zum En-Avdat-Nationalpark.
Eingang zum En-Avdat-Nationalpark.
Eingang zum En-Avdat-Nationalpark. – (c) Özkan
Mehr als die Hälfte der israelischen Landesfläche besteht aus Wüste, wiewohl hier die wenigsten Menschen leben. Der erste Ministerpräsident des Landes, David Ben-Gurion, träumte von der Bevölkerung, dem Lebendigmachen der spröden Erde, aber gelungen ist das bislang nicht. Ben-Gurion selbst ist im Norden des En-Avdat-Nationalparks begraben, seine auf einem Plateau gelegene Grabstätte schützt nicht nur die ewige Steinlandschaft, sondern auch die Steinböcke der Gegend.

Bevor die Tiere herauskriechen

Der Tourismus soll Ben-Gurions Traum nun endlich aufleben lassen, und tatsächlich tut sich etwas in der Negev-Wüste zwischen Totem und Rotem Meer. Ausgangspunkt für Touren ist das Städtchen Mitzpe Ramon, von hier aus ist ein riesiger Wüstenkrater zu sehen: Der Makhtesh Ramon, er klafft richtig auf und lässt einen freien Blick auf seine sehnigen, lehmigen Adern und milden Sandhügel. Durch das Innere des 40 Kilometer langen Kraters führt der Jeep, in den wir uns abenteuerfreudigst hineingequetscht haben. Er fährt mal gemächlich, mal holprig dem Sonnenuntergang entgegen. Von den Gesteinen hat die Zeit verschiedene Schichten freigelegt, sie schimmern diesig in der roten Abenddämmerung. Nachts werden die Wüstentiere auftauchen und dieses scheinbare Nichts bevölkern. Es hat schon abgekühlt. Die Landschaft ist nun atmosphärisch dem Mond näher, und wohl nicht zufällig befindet sich am oberen Teil des Kraters das Ilan-Ramon-Museum, gewidmet dem ersten Astronauten des Landes, der von seinem Flug mit der Nasa-Raumfähre Columbia nicht mehr lebend zurückkam.

Ben-Gurion hätte bestimmt gefreut, dass in den kilometerlangen Weiten rund um Mitzpe Ramon die Kibbuzim ein sanftes Revival erleben; das ist nicht nur der Umweltbewegung geschuldet, sondern auch der religiösen Sinnsuche – und der immer teurer werdenden Agglomeration im Norden des Landes. Von städtischer Hektik ist der Kibbuz Ne'ot Semadar weit entfernt. Ende der 1980er-Jahre hat eine Gruppe Spiritueller diesen bereits bestehenden Kibbuz revitalisiert und begonnen, ökologische Landwirtschaft zu betreiben. Ihre Oase ist eine Art Disneyland für Umweltbewusste: märchenhafte Türme in Zuckerlrosa und Hellblau, kleine Werkstätten mit Baldachin. Datteln seien die wichtigste Einnahmequelle, erzählt eine Bewohnerin, während sie durch das Areal führt. Ein Weingut erstreckt sich auf der einen Seite von Ne'ot Semadar: „Der Rotwein ist sehr kraftvoll, wie die Wüste.“

15 Jahre lang habe man an diesem Zentrum gebaut, mithilfe von vielen Freiwilligen, erzählt die Bewohnerin mit den wallenden, weißen Haaren und dem weiten Gewand. Rosen blühen, und viele weiße, kleine Blüten an niedrigen Sträuchern. „Wenn das Wasser nur nicht so teuer wäre!“, ein Satz, den man oft hört, auch in den anderen Weingütern der Negev-Wüste. Es ist ein knappes Gut, aber die Dattelpalmen und Reben verlangen nun einmal danach.

„Alles eigentlich grün“

Kibbuzim wie Ne'ot Semadar haben begonnen, kleine Gästewohnungen aufzubauen. Wandertouren bieten sich an, oder einfach nur ein paar Tage Wüstenstille, ein Tagesausflug in den Timna-Nationalpark weiter südlich, auf der Strecke nach Eilat gelegen. Auch hier die ewig alten Steinformationen, die gleichmütig vor sich hinruhen. Hier ließen schon die Pharaonen Kupfer abbauen, die Überreste der Bergwerke, die Schächte der alten Ägypter können noch besichtigt werden. „Ein mineralisches und geologisches Paradies“, freut sich Eitan, der durch den Nationalpark führt. Verdörrte Sträucher komplettieren die surreale Landschaft. Knapp zwei Dutzend ausgewiesene Wander- und Radwege gibt es im Park, und obwohl die Welt hier nur ocker- und schlammfarben ist, wirkt sie dennoch erstaunlich farbig.

„Alles hier ist eigentlich grün“, sagt Eitan noch und sorgt für kurze Verwirrung. Er nimmt eine kleine Wasserflasche, begießt den großen Stein am Boden vor ihm, und tatsächlich verfärbt sich der nasse Flecken grün. Kupfer, unverarbeitet. Wie die alten Ägypter das Metall verarbeitet haben, zeigt Eitan später an jener Stelle, wo sie deren Arbeitsstätte so originalgetreu wie möglich wieder aufgebaut haben. Es ist ein ausgeklügeltes System, unsere schlauen Vorfahren haben freilich Gebrauch von Steinen und der Witterung gemacht.

Delfine im Hippieparadies

Für viele Reisende ist die Wüste ein Zusatz zu ihrem Badeurlaub in Eilat. Die Hafenstadt am Roten Meer hat für die nächsten Jahre große Träume: Zum einen soll der neue Ramon International Airport (geplante Eröffnung 2019) den Transport der Touristen erleichtern, und zum anderen schließt endlich der Flughafen in Eilat, der sich tatsächlich mitten in der Hafenstadt befindet. Den Korallenriffen in Eilat eilt ihr Ruf schon voraus, und die Tage verbringt man am besten im Dolphin Reef.

Die Anlage ist direkt am Meer gelegen: Holzhütten, kleine Diwane, Palmen und bunte Kissen, alles Hippie. Von einer kleinen Holzbrücke aus, quer über der Anlage, lassen sich die freundlichen Delfine beobachten, die sich hier nicht nur gern blicken lassen, sondern gnädigerweise auch mit uns Menschen eine Runde schwimmen. Im Dolphin Reef selbst, in den Holzhütten, könnte man stundenlang in den verschiedenen Wasserbecken entspannen, könnte schweben im Salzwasser, untertauchen im Süßwasser. Es ist eine Art Spa, nur irgendwie . . . salziger. Und stiller. Wie das Meer und die Wüste eben.

NEGEV-WÜSTE

Lufthansa fliegt seit Kurzem Eilat-Ovda in der Negev-Wüste an. Zweimal die Wo- che Flüge ab Frankfurt. Der Airport Eilat-Ovda ist eigentlich ein Militärflughafen, derzeit wird der neue Airport Ramon International finalisiert, www.lufthansa.de.

Timna-Nationalpark: www.parktimna.co.il.

Ne'ot Semadar: office@neot-semadar.com.

Ramon Visitor Center: Touren im Makhtesh Ramon: Tel. 00972 8 65886 918.

En-Avdat-Nationalpark: Tel. 00972 8 6555684.

Dolphin Reef: www.dolphinreef.co.il.

Infos: www.goisrael.com.

Compliance: Die Reise erfolgte auf Einladung des Staatlichen Israelischen Verkehrsbüros in Berlin.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.12.2018)

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