Manche Mitreisende kommen aus der Hölle

In der nach oben offenen Enervierungsskala im Flieger und im Hotel tummeln sich spezielle Zeitgenossen. Passagiere ohne Genierer.

Zum Beginn der Passagierluftfahrt waren die Umgangsformen an Bord wohl ein wenig angenehmer
Zum Beginn der Passagierluftfahrt waren die Umgangsformen an Bord wohl ein wenig angenehmer
Zum Beginn der Passagierluftfahrt waren die Umgangsformen an Bord wohl ein wenig angenehmer – Getty Images

Von ihnen bleibt keiner verschont, der sich auf Reisen begibt: Jene Mitreisenden, die allem Anschein nach denken, sie seien allein im Flieger oder Hotel, und einem den letzten Nerv rauben können. Welcher rücksichtlose Zeitgenosse unter ihnen die meisten Punkte auf der nach oben offenen Enervierungsskala erzielt, erhebt das Buchungsportal Expedia alljährlich in seiner „Flugzeug- und Hoteletikette-Studie“. Heuer wurden dafür 18.000 Menschen weltweit befragt, die darüber Auskunft gegeben haben, welche Verhaltensweisen sie bei anderen Reisenden am meisten stören.

• Der Trittfreudige

And the winner is? Bereits zum vierten Mal in Folge der gefürchtete Sitztreter im Flieger. Mehr als die Hälfte der von Expedia Befragten kürte den Hintermann, der ungeniert gegen die Lehne tritt, sich daran hochzieht oder dagegen haut, zum allernervigsten Reisenden von allen. Schlechte Nachricht: In Zeiten schwindender Beinfreiheit im Flugzeug befindet sich dieses Exemplar ungebremst auf dem Vormarsch.

• Der Bloßfüßige

Auf gleich große Abneigung stößt im Luftverkehr der Bloßfüßige. Über 90 Prozent der Befragten gaben in der Studie an, dass es alles andere als in Ordnung sei, barfuß zu fliegen. Was allerdings nicht heißt, dass man auch auf der Langstrecke die Schuhe anbehalten muss – lediglich beim Ablegen der Socken ist eine Schmerzgrenze erreicht, die man nicht überschreiten sollte. Und schließlich gibt es auf mancher Fernstrecke noch Stoffpatschen für alle.

• Der Aromatische

Im Ranking der unbeliebtesten Mitreisenden im Flugzeug findet sich dann mit 43 Prozent der Sitznachbar mit den stärksten Aromen. Bei manchen ist die Erfindung des Deos noch nicht angekommen, andere hüpfen nach einer durchzechten Nacht gleich in den Flieger. Hierzu zählen allerdings nicht nur begnadete Körper, sondern auch mitgebrachte Speisen, die noch drei Reihen weiter hinten keinen Zweifel darüber aufkommen lassen, was da vorn gerade verzehrt wird.

• Der allzu Entspannte

Den letzten Stockerlplatz erobern im Ranking der unangenehmsten Mitreisenden im Flieger die unaufmerksamen Eltern. Deren Kinder mittlerweile die Aufmerksamkeit jedes anderen Passagiers an Bord genießen, nur die eigenen Eltern nicht dazu bewegen können, den Blick vom Smartphone oder Monitor ab- und sich ihrem Nachwuchs zuzuwenden.

• Der Sprechfreudige

Auch die gute alte Regel „Durchs Reden kommen die Leut' zusammen“ gilt im Luftverkehr nur bedingt. 69 Prozent der Befragten ziehen ein Nickerchen einer ausgiebigen Unterhaltung mit einem ihnen unbekannten Sitznachbarn vor. Ganze 77 Prozent fürchten sich davor, einen Sitzplatz neben einem (Zu-)Vielsprecher zu bekommen. Im Ranking der schlimmsten Mitreisenden schafft es der zu laute Mitreisende mit 29 Prozent auf Platz vier.

• Der Raumgreifende

Die Knie fallen locker auf beiden Seiten seines Sitzes nach außen, die Arme ruhen in voller Länge auf beiden Lehnen, und sein Gepäck unter dem Sitz ragt noch ein gutes Stück in den Fußraum des Vordermannes: Wer je neben einem solchen Kandidaten den würdelosen Kampf um ein wenig Raum aufgenommen hat, weiß, warum er von 34 Prozent der Befragten auf einen vorderen Platz der nervigsten Mitreisenden gewählt wurde.

• Der Sparefroh & andere Übel

Dicht gefolgt wird der Raumgreifende vom Sparefroh. Dieser Typus freut sich über all die neuen günstigen Tarife bei den Fluglinien – dass dabei oft kein Aufgabegepäck mehr inkludiert ist, macht ihm nichts aus: Er kompensiert das Manko durch ausgiebiges Nutzen aller Handgepäcksmöglichkeiten. Was dann manchem Mitreisenden buchstäblich auf den Kopf fällt, wenn die Fächer unvorsichtig geöffnet werden.

Außerdem unter den Top Ten finden sich der Drängler, der auch bei noch geschlossener Flugzeugtüre den starken Drang nach vorn verspürt, und der Bis-zur-letzten-Minute-Telefonierer, der die Umsitzenden noch kurz vor Abheben über die Unabkömmlichkeit seiner Person informieren will.

• Die Hotelplagen

Im Ranking der mühsamsten Mitreisenden im Hotel haben es die ignoranten Eltern an die Spitze geschafft, die von 45 Prozent zu den ärgsten Urlaubern gezählt wurden. Auf Platz zwei schaffen es hier mit 41 Prozent die Zimmerzecher und Durch-die-Gänge-Tober, die den erholsamen Nachtschlaf zu etwas machen, das man dann daheim nachholen muss. Wobei man sich nicht darüber beschweren sollte, denn die Beschwerdeführer liegen in der Wahrnehmung von 29 Prozent der Befragten auf Platz drei der unbeliebten Mitgäste.

Außerdem hat die Expedia-Studie noch ein paar Angewohnheiten und Einstellungen der Reisenden zutage gefördert: So sind zum Beispiel 54 Prozent der Reisenden der Meinung, dass man schnarchende Mitreisende durchaus aufwecken darf, ohne allzu unhöflich zu sein. Beim Thema Sitzlehnenetikette herrscht bei der Mehrheit der Befragten die Meinung, dass es auf Flügen über drei Stunden okay sei, sie zurückzustellen, darunter sei es unhöflich. Und die Mehrheit der Hotelgäste hat bei der Umfrage zugegeben, ihre Wertsachen vor dem Hotelpersonal zu verstecken. (sma)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2018)

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