„No no-show“: Airline geht gegen Trickser vor

Mit einer Klage verschärft die Lufthansa jetzt ihre Gangart gegen Passagiere, die teure Tarife mit Cross-Ticketing oder anderen Tricks umgehen wollen.

Tricksereien – wie etwa Flüge auszulassen – schieben Airlines einen Riegel vor.
Tricksereien – wie etwa Flüge auszulassen – schieben Airlines einen Riegel vor.
Tricksereien – wie etwa Flüge auszulassen – schieben Airlines einen Riegel vor. – (c) Getty Images (Csondy)

Dass man sich mit der „No-show“ genannten Taktik bei den Fluglinien nicht gerade beliebt macht, war schon lang zumindest in Vielfliegerkreisen bekannt. Allerdings galt bisher als ungeschriebene Regel: Wer es mit den Tricksereien nicht übertreibt, muss sich nicht wirklich vor Konsequenzen fürchten. Die Lufthansa hat nun aber Ende vergangenen Jahres mit einer massiven Nachforderung an einen Fluggast diesen Weg der Duldung verlassen und scheint das auch weiter tun zu wollen. Denn obwohl sie in erster Instanz mit ihrer Klage gegen den Passagier, der sich weigerte, der Forderung nachzukommen, vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte unterlag, kündete die Airline an, in Berufung zu gehen.

Damit verschärft die Lufthansa ihren Kampf gegen jene Passagiere, die Teile ihrer gebuchten Flüge verfallen lassen, um in den Genuss besserer Preise zu kommen. Eine Praxis, die es in den unterschiedlichsten Ausprägungen und Formen gibt: Die einfachste Variante nutzen auch weniger erfahrene Fluggäste dann, wenn ein längerer Auslandsaufenthalt – beispielsweise ein Austauschjahr oder eine Auswanderung – ansteht und der Tarif für einen One-way-Flug deutlich höher liegt als jener für einen regulären Hin- und Rückflug. Welcher dann gebucht und am Hinweg auch angetreten wird, während man für den zum preiswertesten Termin gebuchten Rückflug eben nicht mehr auftaucht – und so in der Fachsprache zum „No-show“ wird.

Trickreiche Kombinationen

Bei Geschäftsreisenden ist überdies das sogenannte Cross-Ticketing beliebt, mit dem die Wochenendbindung umgangen werden soll, die viele Economy-Tarife aufweisen. Um diese buchen zu können, muss häufig eine Nacht von Samstag auf Sonntag zwischen Hin- und Rückflug liegen; will man vor dem Wochenende wieder zurück, werden die häufig weit mehr als doppelt so teuren Business-Tarife fällig. Die sich aber dadurch umgehen lassen, dass man zwei Hin- und Rückflug-Tickets bucht und dann jeweils die Rückflüge verfallen lässt.

Einen Schritt weiter gehen manche Flugerfahrene dann beim sogenannten Cross-Border-Selling, indem sie nicht alle Segmente ihres Fluges abfliegen und somit vor allem auf Langstreckenflügen die oft günstigeren Angebote aus dem benachbarten Ausland nutzen. Was in der Praxis meist so aussieht, dass man einen One-way-Flug zum günstigen Abflugsort bucht (in der jüngeren Vergangenheit waren dabei besonders die skandinavischen Flughäfen beliebt), die teils mit konkurrenzlos günstigen Preisen beispielsweise in die USA locken. Von dort aus fliegt man dann – nicht selten mit Umstieg im Heimatland – an das Übersee-Ziel. Und steigt bei manchen Verbindungen einfach auf dem Rückweg früher aus.

Diese Option hatte auch jener Passagier gewählt, dem die Lufthansa ihre Nachzahlungsforderung ins Haus schickte, wie dessen Rechtsanwalt, Matthias Böse, in einem Interview mit der Plattform frankfurtflyer.de erklärt: „Der Mandant ist in der Business Class von Oslo über Frankfurt nach Seattle und zurück geflogen. In Frankfurt stieg er aus und flog auf separatem – bezahltem – Ticket der Lufthansa nach Berlin.“ Eine gängige Praxis zumindest auf den Rückflügen; wer den Hinflug verfallen lässt, muss bereits seit einigen Jahren damit rechnen, dass wahlweise alle nachfolgenden Segmente ebenfalls storniert werden oder am Gate der One-way-Aufschlag gezahlt werden muss, um an Bord zu gelangen. Wer aber einfach früher ausstieg, hatte bislang wenig zu befürchten.

Mehr Klagen erwartet

Genau diese Praxis hat die deutsche Airline nun aber aufgekündigt. 2100 Euro Nachzahlung forderte sie von dem Frühaussteiger unter Berufung auf ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen, in denen sich folgende Klausel findet: „Sofern Sie sich für einen Tarif entschieden haben, der die Einhaltung einer festen Flugscheinreihenfolge vorsieht, beachten Sie bitte: Wird die Beförderung nicht auf allen oder nicht in der im Flugschein angegebenen Reihenfolge der einzelnen Teilstrecken bei ansonsten unveränderten Reisedaten angetreten, werden wir den Flugpreis entsprechend Ihrer geänderten Streckenführung nachkalkulieren. Dabei wird der Flugpreis ermittelt, den Sie in Ihrer Preisgruppe am Tag Ihrer Buchung für Ihre tatsächliche Streckenführung zu entrichten gehabt hätten.“

Eine Argumentation, der das Berliner Gericht auch grundsätzlich folgte, allerdings stellte es eine unangemessene Benachteiligung des Kunden fest, wenn die Bestimmung nicht klar verständlich ist, was zur Unwirksamkeit der Regel führe. Und genau damit argumentierte Anwalt Böse für seinen Mandanten, wie er erklärt: „Sie (die Klausel, Anm.) ist intransparent, weil der anfallende Aufpreis für den Passagier bei Vertragsschluss nicht klar ersichtlich wird (und in diesem Fall massiv ausfiel). Sie ist überraschend, denn wer weniger Leistung abnimmt, erwartet nicht, dafür mehr zahlen zu müssen.“

Jedoch rechnen Reiserechtler in Zukunft häufiger mit derartigen Klagen der Airlines – und damit dürfte dann zumindest das Argument der „Überraschung“ hinfällig werden. (sma)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.03.2019)

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