Rücksichtslose Touristen: Wenn das Benehmen baden geht

Rücksichtslos, respektlos und umweltschädigend. Reisende verhalten sich im Ausland oft so, wie sie es in ihrer Heimat nicht tun würden. Das hat Folgen.

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Entspannen, dem Alltag entkommen, Neues entdecken. Urlaub ist für viele Touristen wohl die schönste Zeit im Jahr, doch manchmal macht auch das gute Benehmen Ferien.

Neuester Fall: Ein tschechisches Influencer-Pärchen entweihte Tempelwasser auf Bali. Zdenek Slouka und seine Freundin Sabina Dolezalova, die beide etwa jeweils 10.000 Fans auf Instagram haben, posteten ein Video, das sie dabei zeigt, wie Slouka seine Freundin Wasser von einer Quelle in der Nähe des Tempels auf das Gesäß spritzt.

Dies sorgte für Entrüstung auf der indonesischen Insel. Für Hindu gilt das Wasser im Naturpark Ubud als heilig. Das Land will nun Maßnahmen gegen rücksichtslose Touristen veröffentlichen, mitunter sollen sie auch das Land verlassen müssen, wie der britische "The Telegraph" schreibt.

"Wenn es in Zukunft Touristen gibt, die sich so verhalten, sollten wir sie einfach nach Hause schicken, sie kommen undiszipliniert nach Bali. Wir lassen ihnen diese Warnung zukommen", so das Statement von Wayan Koster, dem Gouverneur der Insel.

Das Paar entschuldigte sich öffentlich und nahm an einer rituellen Reinigungszeremonie teil, um ihren Respekt zu zollen.

Mangelnder Respekt

Doch das ist längst nicht der einzige Fall von Touristen, die sich daneben benehmen. In Italien fiel ein Pärchen aus Berlin im August unangenehm auf. Sie kochten sich an der Rialtobrücke in Venedig Kaffee mit einem Gaskocher. Sie mussten knapp 1000 Euro Strafe zahlen und die Stadt verlassen, denn das historische Erbe der Stadt wird durch Gesetze vom Massentourismus geschützt.

Instagram vs. Ökosystem

Auf Sardinien wiederum wurden zwei französische Touristen des Sanddiebstahls überführt. Sie füllten 40 Kilo Sand als Souvenir in Plastikflaschen ab. Das ist verboten, denn Touristen nehmen jährlich tonnenweise Sand, Steine und Muscheln als Souvenir mit nach Hause, was der Umwelt schadet.

Dem Ökosystem schaden auch die Steintürme auf dem Playa Jardin auf Teneriffa, die ein beliebtes Urlaubsmotiv abgeben. Rund 150 Umweltschützer haben die Steine abgebaut, doch Touristen fangen bereits wieder an, die Steintürme zu stapeln. Die Türme sind insofern problematisch als sich unter den Steinen normalerweise Insekten und Pflanzen ansiedeln. Auch an anderen Orten, etwa der Isle of Skye in Schottland oder dem See Orterer in Norwegen gibt es das Steinstapel-Problem.

Respektlos verhalten sich ebenso sogenannte Begpacker, auch wenn sie nicht der Umwelt oder Kulturstätten schaden. Diese hauptsächlich westlichen Touristen betteln in Reisezielen wie Südostasien oder Mittelamerika, um sich ihre Urlaubskasse aufzubessern. In den sozialen Medien kursieren Bilder von den Bettelaktionen, die auf Missfallen stoßen. Es sei ein respektloses Verhalten gegenüber den Einheimischen, die weit weniger Geld zum Leben hätten, so der Tenor.

>> Artikel auf „The Telegraph"

(chrile )

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