Und ein Gormley ist immer schon da

Drei Täler und dazwischen windumtoste und sonnengeflutete Gipfel und Almen, Moore und Seen, die alle etwas gemeinsam haben: Spuren der Walser – und die Eisenmänner von Arthur Gormley.

(c) APA-FOTO: MARKUS TRETTER/KUNSTHAUS BREGENZ/ANTONY GORMLEY

Warth. Im Sommer, Herbst und Winter haben sie unerschütterlich Wind, Wetter und Wanderern getrotzt, und auch im Frühling spielen sie mit uns Hase und Igel. Denn wer auf mehr als 2000 Metern durch den Osterschnee stapfen will, der sieht sie schon von Weitem: die mannsgroßen Eisenmänner des Arthur Gormley. Dunkel und nackt oder halb verweht oder bis zum Kopf in Schnee eingepackt blicken sie stoisch in die aufgehende Sonne. Der Rost hat manchen schon ordentlich zugesetzt, denn seit bald zwei Jahren bevölkern sie die Berglandschaft zwischen Bregenzer Wald und Arlberg. Monumental und sehr präsent wirken die insgesamt 100 Eisenmänner, wenn man sie vom Tal aus erspäht; seltsam filigran und menschlich, wenn man neben ihnen steht. Vom Warther Horn bis hinüber Richtung Schröcken können wir drei von ihnen ausmachen; aber nicht allen kann man beim Schauen Gesellschaft leisten, schon gar nicht im Winter.

Von der Schweiz und aus Norditalien müssen sie im Mittelalter gekommen sein, die freiheitsliebenden Alemannen. Sie waren Meister im Bewirtschaften von schwindelerregend gelegenen Bergregionen und wehrten sich entschlossen gegen jede Form der Leibeigenschaft. Warth, Schröcken und Lech umgrenzen den Bezirk Tannberg, in dem ein halbes Jahrtausend lang das Walser Bezirksgericht getagt hat.

Auf den Spuren der wanderlustigen Walser finden sich uralte Walserhäuser – robust und wettergegerbt, solide und behaglich –, geheimnisumwitterte Moore, verlassene Almen, Wiesen mit sommergelbem Enzian, auf denen sich im Winter mannshoch der Schnee türmt. Berg-, Almen- und Wiesennamen klingen liebevoll und einladend, obwohl ihre Träger den grimmigen Launen der Natur, Wind und Wetter, hilflos preisgegeben sind: Älpeles Berg mit der „Heimat uf m Büel“, Kuchelalpe, Hus am Wießabach, Gaisbühelmähder. Warth selbst ist ein hübsches kleines Dorf, versprengt in einzelne Weiler, so weit oben und so einsam, dass sogar der Skitouristenansturm aus Lech hier ehrfürchtig haltmacht. Von Warth erstreckt sich nach Westen der Bregenzer Wald, der auch hier seine architektonisch typischen Arme ausbreitet: pittoreske Bauernhäuser – Wohnhaus und Stall unter einem Dach – mit dunklen, schuppenartig holzgeschindelten Fassaden, den blitzblanken kleinen Fenstern mit gestickten Vorhängen, im Sommer blumenumkränzt, und den holzfarbenen oder bunten Fensterläden.

 

Die Alp im Winter ...

Aber Vorarlberg wäre nicht bekannt als Vorreiter moderner Architektur, wenn nicht auch hier in Warth Tradition neu interpretiert würde: Schnörkellos-schlicht und fast unauffällig geradlinig präsentiert sich das moderne Sporthotel Steffisalp. Am Anfang war ein engagierter Bürgermeister, der in den 60er-Jahren mit der Gründung einer Skigesellschaft für die Warther Gemeinde das Fenster zur Welt öffnete. Die Skilifte kletterten, einer nach dem anderen, die steilen Hänge hinauf. 1989 wurde dann – an der Talstation der wenig später eröffneten 4er-Sesselbahn – das Skirestaurant Steffisalp mit seiner illustren Après-Skihütte errichtet.

Die Lage direkt an der Bergbahn ist für den Gast besonders bequem. Keine Frage: Wer Sport und Natur vom Feinsten offerieren will, muss auch für ein exzellentes Drumherum sorgen. In Steffisalp sind es die gemütlichen, großzügigen Designerzimmer mit schallschluckenden Wänden, ein exklusives Spa, die Sonnenterrasse mit Massagepavillon und abends die Kaminlounge, in der man nach dem Diner bei einem Glas Sauvignon noch ganz lässig vom Käsebuffet naschen kann.

 

... und im Sommer

Steffisalp, die Skioase im schneetiefsten österreichischen Winter, hat in den letzten Jahren auch den Sommer entdeckt. Denn sind Almen und Berge im späten Frühling endlich aper, bleibt die Luft hier auf 1500 Metern immer ein wenig kühler und reiner, die Natur ein wenig unberührter als unten im Tal. Statt Freeridern und Tourenprofis begegnen wir jetzt Bergsteigern, Kletterern, Kräuterkundlern und Wanderern in der Hotellobby. Wir tauschen uns aus: Wer hat schon den wildromantischen Körbersee gesehen oder das gottverlassene Walser Bergdörflein Bürstegg? Wer kennt die Moore von Hochkrumbach? Wer ist schon auf sonnigen Hochalmen über unzählige Kuhbeine gestolpert? Wer traut sich eine anspruchsvolle Kletterpartie zu oder eine nassforsche Raftingtour durch wilde Schluchten? Die Gormleys, die beharrlich schweigenden, jetzt sonnenbadenden Eisenmänner, die sind auf jeden Fall schon da.

Im Land der Walser

Im Winter offeriert der 3-Täler-Skipass diverse Inklusivleistungen. Im Sommer bietet Warth-Schröcken mit der Active-Inclusive-Card oder der Bregenzerwald-Card zahlreiche Leistungen, zum Beispiel geführte Wanderungen und Bergtouren. Neu ist der Themenweg: „Auf den Spuren der Walser“. www.warth-schroecken.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2012)

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