Amanshausers Album: Help

40 - Wenn man sich verirrt hat, heißt es Ruhe bewahren und nach Lösungen suchen.

Ein Helikopter rettete zwei US-Amerikanerinnen, die sich in einem Nationalpark in Neuseeland verirrt hatten, weil der Pilot die „Help“-Zeichen aus Steinen, Ästen und Farnblättern entdeckte.
Ein Helikopter rettete zwei US-Amerikanerinnen, die sich in einem Nationalpark in Neuseeland verirrt hatten, weil der Pilot die „Help“-Zeichen aus Steinen, Ästen und Farnblättern entdeckte.
Ein Helikopter rettete zwei US-Amerikanerinnen, die sich in einem Nationalpark in Neuseeland verirrt hatten, weil der Pilot die „Help“-Zeichen aus Steinen, Ästen und Farnblättern entdeckte. – (c) imago stock&people

Dieses Gefühl, sich verirrt zu haben: In einem Moment ist man noch völlig unbeschwert, im nächsten überkommt einen die Erkenntnis wie eine undurchdringlich schwarze Wolke. Als mir damals auf der Halbinsel Musandam, Oman, in einer nackten, wüsten Felslandschaft der Weg mit jedem Schritt falscher erschien, schlug mein kleines Herz bis in den Hals. Die Sonne ging unter. Handyempfang sowieso null. Ich hatte gerade noch einen Viertelliter Wasser und großen Durst, mir fehlte der Pullover, ich erahnte die Nachttemperaturen. Ich hatte keine Ahnung, ob ich im richtigen Tal war, alle Felstäler wirkten völlig identisch, nur eines führte zu einer bewohnten Siedlung. Ich blickte mit neuen Augen um mich: War das die Landschaft, in der ich sterben würde?

Carolyn Lloyd, 44, und ihre Tochter Rachel, 22, US-Bürgerinnen, erlebten 2016 im Tararua Forest Park auf der Nordinsel Neuseelands Traumatischeres. Im Gegensatz zu mir in Musandam, der ich mit hochrotem Schädel wie deppert auf meiner Notpfeife pfiff und eh bald meinem Retter begegnete, verirrten sie sich total. Die orangefarbenen Pfeile des Kapakapanui Track endeten, verschwanden, sie gingen nun blauen Pfeilen nach – tatsächlich ein Schädlingsbekämpfungspfad –, gerieten in zerklüftetes Felsengebiet, verloren in der Wildnis den Überblick. Sie kletterten einen 180 Meter hohen Wasserfall hinab, erreichten ein Wassereinzugsgebiet.

Der Tagesausflug wurde zum fünftägigen Kampf ums Überleben, bei Nachttemperaturen von fünf bis zehn Grad. Als Rachel bei einer der notwendigen Querungen des Flusses abrutschte, ins eisige Wasser fiel und sich am Kopf verletzte, steckten sie fest. Die Tochter wurde nachts nicht trocken, kühlte aus, verlor den Sehsinn. „Ich ging schon meine letzten Wünsche durch“, erzählte Rachel später, „was nicht leicht für meine Mutter war“. Doch die Lloyds machten alles richtig, blieben zusammen, rationierten ihre Snacks. Gerettet wurden sie, weil ein Hubschrauberpilot eines ihrer beiden „Help“-Zeichen aus Ästen, Steinen und Farmwedeln entdeckte. Der Verirrte sollte rational handeln. Survival-Lehrbücher beschreiben das in der Theorie. Aber leicht ist das nicht.

www.amanshauser.at

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