Amanshausers Album: Zwischenfall

41 - Immer stärkere Stürme wüten in den Alpen. Bisher halten moderne Sessellifte das aus.

Sessellifte gehören zu den sichersten Verkehrsmitteln. Selten müssen Festsitzende ausharren, bis Hilfe aus der Luft beziehungsweise zum Abseilen kommt, wie jüngst am Kreischberg.
Sessellifte gehören zu den sichersten Verkehrsmitteln. Selten müssen Festsitzende ausharren, bis Hilfe aus der Luft beziehungsweise zum Abseilen kommt, wie jüngst am Kreischberg.
Sessellifte gehören zu den sichersten Verkehrsmitteln. Selten müssen Festsitzende ausharren, bis Hilfe aus der Luft beziehungsweise zum Abseilen kommt, wie jüngst am Kreischberg. – (c) APA/BARBARA GINDL

In meiner Kindheit gab es in den Ski-gebieten meiner Reichweite (mehr oder weniger Salzburg) keine Sechsersessellifte. Als letzter Schrei galt der Zweiersessellift. Die aus Vorjahrzehnten übernommene Norm war der Einersessellift. Jener Einerlift, den ich als Erstes befuhr, ratterte in Werfenweng bergauf. Auf ihm würden die Schlüsselszenen spielen, falls ich je einen Horrorfilm drehe. Und falls Sie einmal eine Metapher für Einsamkeit benötigen: Alleiner als auf einem solchen Einer kann ein Mensch sich nicht fühlen.

Bei meiner ersten Sesselliftfahrt gelang es mir nicht, den Sicherheitsbügel zu schließen. Der Sessel stand vorn offen, und so fuhr unten kein Abstützbügel für meine Ski aus. Meine Zähne klapperten laut wie die Räder, die die Sessel damals bei den Stützen durchschüttelten. An jeder Stütze war das Schild des Seilbahnunternehmens angebracht. Sein Name liest sich für mich bis heute wie „Geisterbahn des Todes“.

Am Ende verlor ich durch ungeschickte Bewegungen sogar einen Ski. Er stürzte nicht ab. Er blieb am Fangriemen hängen, den Bindungen damals hatten. Erlösung kam erst, als der Liftwart mich einskiiges Nervenbündel oben sanft aus der Geisterbahn hob.

An all das musste ich jüngst bei diesem YouTube-Video denken, in dem in der Silvretta Montafon ein Sechsersessel-lift-Sessel mit Passagieren durch Sturmböen so arg nach links und rechts schaukelt, dass er ans „Piratenschiff“ erinnert. Dort zahlt man für das Schwingen allerdings Eintritt. Auslöser war ein Sturmtief mit dem Namen Burglind. Solche Stürme suchen die Alpen in Zeiten der Erderwärmung immer häufiger heim.

Der Pressesprecher der Firma Doppelmayr erklärte danach allerdings glaubwürdig, dass diese modernen Geisterbahnen des Todes neben der Plexiglashaube über eine Vierfachsicherung verfügen. Sessellifte gehörten zu den sichersten Verkehrsmitteln der Welt. Um die Klemmen zu öffnen, müsse eine Kraft von fünf Tonnen einwirken. So einen Typen wie diesen Sprecher hätte ich damals in Werfenweng neben mir benötigt! Aber es war halt nur ein Einersessellift.

www.amanshauser.at

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