Amanshausers Album: Social-Media-Reality-Schocker

45 - Österreichischer Live-Schocker: Eine Frau postet aus dem Laderaum des ÖBB-Busses.

Busfahren mit  großem Gepäck kann durchaus riskant sein. Gerade hat man noch den Koffer im Bauch des Busses verstaut, da wird man auch schon „gefressen“.
Busfahren mit  großem Gepäck kann durchaus riskant sein. Gerade hat man noch den Koffer im Bauch des Busses verstaut, da wird man auch schon „gefressen“.
Busfahren mit großem Gepäck kann durchaus riskant sein. Gerade hat man noch den Koffer im Bauch des Busses verstaut, da wird man auch schon „gefressen“. – (c) imago stock&people

Dem Bus fehlt einfach die Großzügigkeit der Eisenbahn. Er hat keinen Speisewagen, man kann sich nirgends die Füße vertreten, Diesel verschwendet er auch noch – und in Bustoiletten stößt man mit dem Schädel an die Decke. Noch enger und unbequemer
ist es jedoch eine Ebene weiter unten.

Wie kommt man mit einer Busfahrt von Klagenfurt nach Wolfsberg in die „Bild“-Zeitung? Claudia, 21, Studentin aus Graz, schaffte das. Am 20. Februar meldete sie sich auf der App „Jodel“ mit folgendem Diskussionsbeitrag: „Ich bin im ÖBB-Bus hinten beim Gebäck eingesperrt, weil er schon losgefahren is, als ich mein Zeug reintun wollt.“

Aufgrund ihres Rechtschreibfehlers handelte sie sich gleich einmal die Userfrage ein, ob sie denn „in der Semmel oder im Kornspitz gefangen“ sei. Bis allmählich klar wurde, dass es sich um einen Social-Media-Reality-Schocker handelte. Claudia berichtete live aus dem Laderaum, dass an der ÖBB-Hotline keiner abhebe.

Nach einem Victory-Zeichen und Fotos ihrer Umgebung postete sie ihr Ticket und scherzte, dass sie ja einen Sitzplatz reserviert habe. Schließlich telefonierte sie mit der Polizei. Diese erreichte immerhin die ÖBB-Hotline, die aber ihrerseits keine Möglichkeit sah, Kontakt mit dem Fahrer herzustellen.

Die Polizei riet ihr, bis Wolfsberg durchzuhalten oder Bescheid zu geben, falls sie Atemnot verspüre, dann würden sie „dem Bus einen Streifenwagen nachschicken“. Das wollte die bescheidene
Studentin dann doch nicht. Sie schrieb zwar, dass sie „mit den Nerven fertig“ sei, hyperventilierte jedoch nicht.

Nach einer Stunde wurde sie am Wolfsberger Busbahnhof aus dem 8,3  Ku­bikmeter großen Gepäckkäfig befreit. Besorgte Polizisten hatten sich eingefunden, um die Heldin in Empfang zu nehmen, ebenso wie diverse Jodel-User. Schließlich setzte sie ihre Fahrt nach Graz auf ihrem reservierten Sitzplatz fort. Die ÖBB bedauerten den Vorfall und entschädigten sie mit einem sogenannten Goodie-Bag. Ob Claudia nach ihrem Laderaum-Trip tatsächlich noch Lust auf weitere „Bags“ hatte, ist nicht überliefert.

www.amanshauser.at

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