Amanshausers Album: Interpretationsspielraum

50 - Taxifahrten sind gelegentlich die schlechten Erlebnisse an guten Orten. Das Beispiel Algier.

Tarif. Selten ist das so geregelt wie in  Österreich: Die Summen, die Taxifahrer in manchen Ländern verlangen, haben großen Interpretationsspielraum.
Tarif. Selten ist das so geregelt wie in  Österreich: Die Summen, die Taxifahrer in manchen Ländern verlangen, haben großen Interpretationsspielraum.
Tarif. Selten ist das so geregelt wie in Österreich: Die Summen, die Taxifahrer in manchen Ländern verlangen, haben großen Interpretationsspielraum. – (c) APA (GEORG HOCHMUTH)

Taxifahrer sind für Reisende eine faszinierende Berufsgruppe. Die meisten von ihnen sind eh ehrlich und nett. In Erinnerung bleiben leider die Argen. Da war dieser Mann in Mumbai, der mit Pokerface das exakt Zehnfache des vereinbarten Preises abkassieren wollte, und sein treuherziger Blick, als ich lachen musste! Der Schmäh funktioniert bestimmt gelegentlich. Dann war da der Tätowierte in Bratislava, der mir nachlief und mich zu Boden rang, nachdem ich – nach Zahlung – schimpfend ausgestiegen war und die Hintertür offen gelassen hatte. Dann noch die Lissabonner Taxler, die alle möglichen Zuschläge zu erfinden pflegen, aber sanft werden, wenn man sagt, dass man mit ihnen zur nächsten Polizei fahren möchte.

Und jetzt der Taxifahrer in Algier. Laut meinen Erkundigungen kostete eine Fahrt vom Flughafen in die Stadt 1000 Algerische Dinar. Der Erste verlangte 2500. Für weniger würde er nicht fahren. Zwei Kollegen stimmten ihm mit ernsthafter Miene zu. Ich solle aber den dort hinten fragen. Und der ließ sich wirklich auf 1500 ein.

Er sprach kein Französisch und kannte die Adresse nicht. Er ließ sie sich von meiner Airbnb-Wohnungsfrau über mein Handy zwölfeinhalb Minuten lang erklären. Das Roaming würde schon einmal mehr als die Fahrt kosten. Beim Losfahren meinte er, sie koste ohnehin 1800 Dinar. Begründung? Die Adresse sei so kompliziert. Angesichts meiner Zwangslage fügte er hinzu: entweder 1800 – oder er müsse mein Zeug wieder aus dem Kofferraum packen. Nun zahle ich ja gern ein bisschen mehr als die Einheimischen. Aber ich will nicht verarscht werden, und ich hasse Nachverhandler. Ich sagte ihm, dass er ein Kretin sei und dass ich seine 1800 akzeptierte.

Unterwegs machte er mich mürrisch auf Staus und andere verschärfte Arbeitsbedingungen aufmerksam, ich ignorierte ihn. Am Ende zahlte ich per Zweitausendernote. Er stieg zurück in den Wagen, ich dachte, er würde das Wechselgeld suchen, doch er fuhr davon. Das Erlebnis hatte etwas Gutes. Danach war ich echt überrascht, wie nett und ehrlich die restlichen Leute in Algier waren.

www.amanshauser.at

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