Amanshausers Album: Auf Tuchfühlung

51 - Wachstumsbranche Kreuzfahrt: Ich mag sie. Aber der Natur und den Menschen schadet sie.

Am Wasserweg absolviert der Passagier ein Sight nach dem anderen. Zum wachsenden Unmut der Locals, die zugleich auf dem Landweg überrannt werden.
Am Wasserweg absolviert der Passagier ein Sight nach dem anderen. Zum wachsenden Unmut der Locals, die zugleich auf dem Landweg überrannt werden.
Am Wasserweg absolviert der Passagier ein Sight nach dem anderen. Zum wachsenden Unmut der Locals, die zugleich auf dem Landweg überrannt werden. – (c) imago/robertharding

Kreuzfahrt ist eine hochprofitable Sache. Die Schiffe werden zu Türmen, einige tragen an die 7000 Passagiere. Fünf Mal durfte ich als Reiseautor an Bord gehen und das schaurig-nette Seeleben teilen.

Ich empfand es anders als der US-Autor David Foster Wallace, der nach einer solchen Einladung den Essay „Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich“ (1997) schrieb. Ich bin gerne in diesen schwimmenden Giganten, liebe den Blick aufs Meer und die Möglichkeit zum ruhigen Arbeiten.

2015 schrieb ich unter solchen Eindrücken einen Roman, „Der Fisch in der Streichholzschachtel“, der an Bord eines Kreuzfahrtschiffs spielt. Im Gegensatz zu mir verabscheute mein Protagonist das Reisegenre. Anschließend herrschte Schweigen von Seiten der Reedereien. Während auf Foster Wallace (glaub ich) weiterhin Einladungen herunterprasseln, obwohl er gar nicht mehr lebt, ließ die Branche ihre Finger von mir.

Ohne meine Person setzt sich der Boom ungebremst fort. Das Magazin „Seatrade Cruise News“ schreibt, in diesem Jahr kämen neue Schiffe im Wert von 8,4 Milliarden Dollar auf den Markt. Mittlerweile weiß man zwar bis ins Detail, wie die Riesenkreuzer Korallen ersticken, Lebensräume zerstören und lokale Strukturen beschädigen, zudem bestreitet niemand den negativen Einfluss von Tagesgästen auf Baudenkmäler (Dubrovnik, Venedig) beziehungsweise Städte (Ramschläden prosperieren;
All-inclusive-Verpflegte meiden Gastronomie).

Doch das fördert offenbar nur die Popularität eines Urlaubs, der perfekt in unsere Epoche passt – Gruppenreise, die ein bisschen auf Individualreise macht; für Fütterung und Unterhaltung ist gesorgt; Reisende gehören ähnlichen Einkommensschichten an; mit dem Panoptikum interessanter Destinationen muss man sich nur oberflächlich beschäftigen; in der Natur, doch auch ein paar Meter über ihr; mitten in der Welt, doch immer in Mamas sicherem Schoß; Teil einer hierarchischen Organisation mit einem Übervater (Kapitän); zweifellos im Ausland, doch kaum Begegnungen mit Einheimischen, deren Problemen und hygienischen Eigenheiten.

www.amanshauser.at

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Amanshausers Album: Auf Tuchfühlung

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.