Overtourism

57 - Touristen sind die anderen, man selbst ist kultur-beflissener Reisender. Ein Überblick des Horrors.

Voll. Overtourism plagt immer mehr Destinationen.
Voll. Overtourism plagt immer mehr Destinationen.
Voll. Overtourism plagt immer mehr Destinationen. – (c) imago/CHROMORANGE

Das Portal „Tipps-zum-reisen.de“ beschriebt „13 Orte auf der ganzen Welt, die durch den Tourismus zerstört werden“: das total überfüllte Rom, Du­brovnik, Opfer des „Game of Thrones“-Ruhms, oder Amsterdam, Opfer von Partykultur und Airbnb-Problematik; in Barcelona demonstrieren Einheimische gegen Touristen, in New York war es auch schon gemütlicher; Santorin verdaut jährlich knapp 800.000 Kreuzfahrtgäste bei 15.000 Einwohnern, Venedig und Reykjavík ziehen vergleichbare Bilanzen; in Mexikos Cozumel wurden die Korallenriffe durch Schiffe und Taucher weitgehend zerstört; auch die Inkastätte Machu Picchu in Peru biegt sich unter dem Andrang; in Kuba führt die Flut von jährlich 3,5 Millionen Touristen zu Nahrungsmittelknappheit und Preissteigerungen; und auf der unbewohnten Big Major Cay Island (Bahamas) reiten Unverschämte auf den schwimmenden, verwilderten Hausschweinen und füttern sie unsachgemäß.

Abgesehen von der letzten Destination, von der ich erstmals hörte, sind die Beispiele wohlbekannt. Die UNWTO (Weltorganisation für Tourismus) spricht von weltweit 1,322 Milliarden „grenzüberschreitenden Reiseankünften“ jährlich (davon 671 Millionen in Europa), und diese Zahl pflegt pro Jahr um fünf Prozent zu steigen. 1950 waren es 25 Millionen. Die höchsten Einnahmen durch Reisende haben die USA, gefolgt von Spanien und Thailand, während die Chinesen vor Amerikanern und Deutschen im Ausland das meiste Geld ausgeben.

Doch für uns Normalverbraucher sind Touristen immer die anderen – die bösen Reisegruppen, früher Japaner, heute Chinesen, oder die dummen Pensionisten, früher Deutsche, heute Spanier und Polen – während man selbst zu den Kulturbeflissenen zählt. Das irre Wachstum, Goldenes Kalb unserer Epoche, scheint vorläufig gesichert.

Ich für meinen Teil hab jetzt so richtig Lust gekriegt, ich pack mein Zeug. Muss unbedingt nach Big Major Cay Island, Bahamas. Wer möchte nicht heimlich auf Schweinen reiten? Vielleicht kann man mit denen sogar Wasserball spielen und ihnen zum Dank die Lunchbox aus dem Hotel unterjubeln, das Zeug ist eh immer so grausig.

Tipp

Neu: Martin Amanshauser, „Die Amerikafalle, oder: Wie ich lernte, die Weltmacht zu lieben“, Kremayr & Scheriau 2018.

www.amanshauser.at

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