Amanshausers Album: Totalvernichtungspläne

60 - Der Autoreisezug, eine Spezies in großer Gefahr  – ein Plädoyer für diese sanfte Reiseart.

Wütender Widerstand ist angesagt, wenn die ÖBB planen sollten, die Autoreisezüge einzustellen.
Wütender Widerstand ist angesagt, wenn die ÖBB planen sollten, die Autoreisezüge einzustellen.
Wütender Widerstand ist angesagt, wenn die ÖBB planen sollten, die Autoreisezüge einzustellen. – (c) Michaela Bruckberger

Ein Modewort der Gegenwart ist das „Alleinstellungsmerkmal“, ein sogenanntes Asset, das ein Unternehmen zum eigenen Vorteil ausspielt, da kein Mitbewerber Ähnliches aufweist. Firmen versuchen, Alleinstellungsmerkmale anzuhäufen, und sie pflegen vorhandene. Nicht zuletzt dadurch überzeugen sie ihre Kunden.

Eines der Alleinstellungsmerkmale der Bahn heißt Autoreisezug. Von Wien aus gibt es heute Züge nach Feldkirch, Hamburg (täglich), Livorno und Verona (zweimal pro Woche). Pkw-Besitzer, die Nachtstrecken scheuen, können ihr Gefährt auf einem Waggon abstellen und in der Eisenbahn übernachten. In einer Welt, in der ökologisches, nachhaltiges Operieren überlebensnotwendig sein wird, ist das eine zukunftsweisende Lösung. Die Kunden generieren bewusst eine 70-prozentige Ersparnis an CO2-Ausstößen. Die Deutsche Bahn schoss sich dieses Asset fröhlich kaputt. 2013 hatten 200.000 Passagiere den Autozug  – die dortige Bezeichnung – genutzt. 1999 gab es noch 40 Verladestellen. Fast nichts davon bleib. Regelmäßig verkehrt nur noch der 39 Kilometer lange „Sylt Shuttle“, die einzige Methode, ein Auto per Landweg nach Sylt zu schaffen.

Die Demontage erfolgte scheibchenweise. Teilstrecken wurden gar eine Zeit lang als „Auto + Zug“ betrieben, wobei die Menschen Bahn fuhren, während die Autos im Lkw (!) transportiert wurden. Wäre es nicht so traurig, müsste man schallend lachen angesichts solcher Kaputtwirtschaftungsmethoden, die den Verkehrsträger Schiene desavouieren und zur Autobahnüberlastung beitragen.

Oft liest man dann: „Österreich wird nachziehen.“ Der Autoreisezug Wien–Düsseldorf wurde unlängst abgeschafft. Ohne aktuellen Anlass appelliere ich an die Vernunft – bevor irgendetwas Irreversibles bekannt gegeben wird. Denn ohne Zweifel wälzen schlaue ÖBB-Sanierer Totalvernichtungspläne. Doch würde die Bahn, die sich landesweit mit der Schließung sogenannter unrentabler Strecken entgegen jedem modernen Mobilitätsverständnis schon eine dreckige Nase verdient hat, die Zerstörung dieses Reisegenres nicht ohne wütenden Gegenwind durchstehen. Zumindest nicht ohne meinen – denen verspreche ich Widerstand.

www.amanshauser.at

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