Unsehenswürdigkeiten

Amanshausers Albträume - 06 New York

Wer den Times Square besucht, beobachtet dort auch garantiert die eine oder andere klassisch amerikanische Solo-Einlage – solange er nicht zwischen den Mitbesuchern erstickt.

Wer Manhattan besucht, kommt nicht wirklich am mittlerweile vollständig überwachten Times Square vorbei – benannt übrigens nach der berühmten und wohl besten Zeitung der Welt, der New York Times, die hier residiert ...

(c) Martin Amanshauser

... und beobachtet dort auch garantiert die eine oder andere klassisch amerikanische Solo-Einlage – solange er nicht zwischen den Mitbesuchern erstickt.

(c) Martin Amanshauser

Mittlerweile eine Sehenswürdigkeit ist die Gedenkstätte des Ground Zero, offiziell heißt das „World Trade Center Site“. Dort, wo bis in den September 2001 die beiden WTC-Türme standen, saugt seit 2014 ein Bassin Wassermassen in einen tiefen, schwarzen Schlund – das „National September 11 Memorial“ nach einem Konzept von Daniel Libeskind. Es ist ein düsterer, eingängiger und durchaus schlüssiger Ort.

(c) Martin Amanshauser

Ein Gutteil der New-York-Touristen überquert den holzbebretterten Fußweg auf der Brooklyn Bridge. Die berühmte Hängebrücke aus dem Jahr 1883 geht auf Pläne von John August Roebling (1806-1869, früher Johann August Röbling aus Thüringen) zurück, der sich bei den Bauarbeiten einen Fuß einquetschte und bald darauf an der Blutvergiftung starb – sein Sohn Washington (er saß nach einer tückischen Krankheit, die er sich am Bau zuzog, monatelang im Rollstuhl) vollendete die Brücke. Sie führt in die gleichnamige, heute gentrifizierte Vorstadt auf der anderen Seite des East River ...

(c) Martin Amanshauser

... während sich andere Besucher bei jedem Wetter mit überteuerten Schiffen vom Battery Park zur Freiheitsstatue (1886, nach Plänen des Franzosen Frédéric-Auguste Bartholdi, 1834-1904) karren lässt – die offiziell nicht „Statue of Liberty“ heißt, sondern „Liberty Enlightening the World“ (engl.) oder „La Liberté éclairant le monde“ (frz.), die weltweit lange Zeit als Bartholdi-Statue bekannt war ...

(c) Martin Amanshauser

... und sich die Kulturinteressierten im Schatten der Wolkenkratzer Midtowns brav in Schlangen stellen, um Musicals und Theateraufführungen mitzuerleben, ein veritabler Menschenalbtraum, außer natürlich, es macht dann doch Spaß.

(c) Martin Amanshauser

Die reizvollsten Seiten des Großen Apfels liegen indes jenseits der prominenten Sights – zum Beispiel in den Parks von Chinatown, wie hier im Thomas Paine Park, wo die Kampfkunst Tai Chi (chin. Taijiquan) praktiziert und Ping Pong gespielt wird.

(c) Martin Amanshauser

Ausgezeichnet schmeckt das Pastrami-Sandwich mit Salzgurken bei Katz´s Delicatessen (ein Laden aus dem Jahr 1888, als die Brooklyn Bridge 5 Jahre alt war, die Freiheitsstatue 2 Jahre) auf der East Houston Street am Rande der Lower Eastside – bei dem die Dose Cream Soda von Dr. Brown´s nicht fehlen darf.

(c) Martin Amanshauser

Ein paar Häuser weiter, ebenfalls in der East Houston, befindet sich ein von Woody Allen gerne propagiertes Uralt-Kaffeehaus, die „Yonah Schimmel´s Knish Bakery“ aus dem Jahr 1890 (die Brooklyn Bridge war zu dieser Zeit 7, die Freiheitsstatue 4 Jahre alt). „Knish“ ist ein jiddischer Begriff, kommt aus dem Ukrainischen (knysh / книш) und Polnischen (knysz), und bezeichnet eine Art gefüllte Teigfladenkrapfen. Der Laden von Yonah Schimmel ist ein Ort, an dem ...

(c) Martin Amanshauser

... die Zeit – und hier stimmt dieser Vergleich – tatsächlich stehengeblieben scheint. Allerdings noch nicht so lange, sagen wir, in den späten Sechzigerjahren. Der Kaffee selbst präsentiert sich durchaus amerikanisch-dünn, passt aber großartig zu den Kartoffel- und Blaubeer-Knishes. Die Bedienung ist auf sympathische Art nachlässig-wienerisch-cool, was hier niemanden stört.

(c) Martin Amanshauser

Parkszene im nördlichen Harlem, zentrales Siedlungsgebiet der Latino-Community – ein Vater bringt seinem Nachwuchs Football bei. Harlem ist ein lebendiges Viertel Manhattans, ganz zu Unrecht mit einem schlechten Ruf versehen, in dem sich die wenigen Touristen völlig verlaufen.

(c) Martin Amanshauser

Zurück ins Zentrum. Recht versteckt – wie könnte es auch anders sein – befindet sich seit 2012 in der West 35th Street das winzige und doch großartige Houdini-Museum. Es zeichnet Leben, Plakate und Gegenstände des großen Zauberkünstlers Harry Houdini nach. Hier treffen sich Zauberer aller Kontinente, und jeder Gast wird auf andere Weise in Erstaunen versetzt. Das Houdini-Museum ist garantiert einer der newyorkerischsten Orte in Manhattan.

www.amanshauser.at

Tipp: Martin Amanshauser, „Die Amerikafalle, oder: Wie ich lernte, die Weltmacht zu lieben“, Kremayr & Scheriau 2018.

(c) Martin Amanshauser
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Wer Manhattan besucht, kommt nicht wirklich am mittlerweile vollständig überwachten Times Square vorbei – benannt übrigens nach der berühmten und wohl besten Zeitung der Welt, der New York Times, die hier residiert ...

(c) Martin Amanshauser

... und beobachtet dort auch garantiert die eine oder andere klassisch amerikanische Solo-Einlage – solange er nicht zwischen den Mitbesuchern erstickt.

(c) Martin Amanshauser

Mittlerweile eine Sehenswürdigkeit ist die Gedenkstätte des Ground Zero, offiziell heißt das „World Trade Center Site“. Dort, wo bis in den September 2001 die beiden WTC-Türme standen, saugt seit 2014 ein Bassin Wassermassen in einen tiefen, schwarzen Schlund – das „National September 11 Memorial“ nach einem Konzept von Daniel Libeskind. Es ist ein düsterer, eingängiger und durchaus schlüssiger Ort.

(c) Martin Amanshauser

Ein Gutteil der New-York-Touristen überquert den holzbebretterten Fußweg auf der Brooklyn Bridge. Die berühmte Hängebrücke aus dem Jahr 1883 geht auf Pläne von John August Roebling (1806-1869, früher Johann August Röbling aus Thüringen) zurück, der sich bei den Bauarbeiten einen Fuß einquetschte und bald darauf an der Blutvergiftung starb – sein Sohn Washington (er saß nach einer tückischen Krankheit, die er sich am Bau zuzog, monatelang im Rollstuhl) vollendete die Brücke. Sie führt in die gleichnamige, heute gentrifizierte Vorstadt auf der anderen Seite des East River ...

(c) Martin Amanshauser

... während sich andere Besucher bei jedem Wetter mit überteuerten Schiffen vom Battery Park zur Freiheitsstatue (1886, nach Plänen des Franzosen Frédéric-Auguste Bartholdi, 1834-1904) karren lässt – die offiziell nicht „Statue of Liberty“ heißt, sondern „Liberty Enlightening the World“ (engl.) oder „La Liberté éclairant le monde“ (frz.), die weltweit lange Zeit als Bartholdi-Statue bekannt war ...

(c) Martin Amanshauser

... und sich die Kulturinteressierten im Schatten der Wolkenkratzer Midtowns brav in Schlangen stellen, um Musicals und Theateraufführungen mitzuerleben, ein veritabler Menschenalbtraum, außer natürlich, es macht dann doch Spaß.

(c) Martin Amanshauser

Die reizvollsten Seiten des Großen Apfels liegen indes jenseits der prominenten Sights – zum Beispiel in den Parks von Chinatown, wie hier im Thomas Paine Park, wo die Kampfkunst Tai Chi (chin. Taijiquan) praktiziert und Ping Pong gespielt wird.

(c) Martin Amanshauser

Ausgezeichnet schmeckt das Pastrami-Sandwich mit Salzgurken bei Katz´s Delicatessen (ein Laden aus dem Jahr 1888, als die Brooklyn Bridge 5 Jahre alt war, die Freiheitsstatue 2 Jahre) auf der East Houston Street am Rande der Lower Eastside – bei dem die Dose Cream Soda von Dr. Brown´s nicht fehlen darf.

(c) Martin Amanshauser

Ein paar Häuser weiter, ebenfalls in der East Houston, befindet sich ein von Woody Allen gerne propagiertes Uralt-Kaffeehaus, die „Yonah Schimmel´s Knish Bakery“ aus dem Jahr 1890 (die Brooklyn Bridge war zu dieser Zeit 7, die Freiheitsstatue 4 Jahre alt). „Knish“ ist ein jiddischer Begriff, kommt aus dem Ukrainischen (knysh / книш) und Polnischen (knysz), und bezeichnet eine Art gefüllte Teigfladenkrapfen. Der Laden von Yonah Schimmel ist ein Ort, an dem ...

(c) Martin Amanshauser

... die Zeit – und hier stimmt dieser Vergleich – tatsächlich stehengeblieben scheint. Allerdings noch nicht so lange, sagen wir, in den späten Sechzigerjahren. Der Kaffee selbst präsentiert sich durchaus amerikanisch-dünn, passt aber großartig zu den Kartoffel- und Blaubeer-Knishes. Die Bedienung ist auf sympathische Art nachlässig-wienerisch-cool, was hier niemanden stört.

(c) Martin Amanshauser

Parkszene im nördlichen Harlem, zentrales Siedlungsgebiet der Latino-Community – ein Vater bringt seinem Nachwuchs Football bei. Harlem ist ein lebendiges Viertel Manhattans, ganz zu Unrecht mit einem schlechten Ruf versehen, in dem sich die wenigen Touristen völlig verlaufen.

(c) Martin Amanshauser

Zurück ins Zentrum. Recht versteckt – wie könnte es auch anders sein – befindet sich seit 2012 in der West 35th Street das winzige und doch großartige Houdini-Museum. Es zeichnet Leben, Plakate und Gegenstände des großen Zauberkünstlers Harry Houdini nach. Hier treffen sich Zauberer aller Kontinente, und jeder Gast wird auf andere Weise in Erstaunen versetzt. Das Houdini-Museum ist garantiert einer der newyorkerischsten Orte in Manhattan.

www.amanshauser.at

Tipp: Martin Amanshauser, „Die Amerikafalle, oder: Wie ich lernte, die Weltmacht zu lieben“, Kremayr & Scheriau 2018.

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