Amanshausers Album: Orientierung

67 - Wie sich orientieren? Was trägt eine Tourist-Info bei, was ein Stadtplan, was das Telefon?

Stadtplan. Die Haptik von raschelndem Papier statt ­digitaler Wünschel­rute: Mancher Tourist schätzt den guten  alten Stadtplan. Und Direktauskunft bei der Tourist-Info.
Stadtplan. Die Haptik von raschelndem Papier statt ­digitaler Wünschel­rute: Mancher Tourist schätzt den guten  alten Stadtplan. Und Direktauskunft bei der Tourist-Info.
Stadtplan. Die Haptik von raschelndem Papier statt ­digitaler Wünschel­rute: Mancher Tourist schätzt den guten alten Stadtplan. Und Direktauskunft bei der Tourist-Info. – (c) APA (BARBARA GINDL)

Mir tut es um den Stadtplan leid. Nennen Sie mich unverbesserlich, aber ich hab daheim eine Schublade für Stadtpläne – ehrlich gesagt sind es eh zwei Laden – und unverdrossen kaufe ich an jeder Destination weitere ein. ­ Ich liebe sie, falte sie auf, streichle sie.

Ein Mobiltelefon hat den Vorteil der Standortanzeige, doch eine Stadt gibt es nicht im Geringsten wieder. Ich hasse den Bildausschnitt, das lästige, langsame Zoomen, bei dem Straßennamen kommen und verschwinden, und die Tatsache, dass ich mir aufgrund einer Teilbegriffsschwäche nicht merken kann, was „plus" und was „minus" bedeutet. Schlimmer ist aber, dass die unfunktionelle Verstadtplanung der Mobiltelefone eine Flut ferngesteuerter Menschen hervorbringt, die ihrer digitalen Wünschelrute durch die Gassen folgen, bis sie andere niedermähen . . . oder bis Kollisionen mit Verkehrsschildern ihren Ausflügen ein Ende setzen. Manchmal werden diese Schlafwandler auch von Fahrzeugen erfasst und an den Randsteinen aufgeschlitzt, bleiben liegen, bis man sie dann blutend und aufgescheuert in Ambulanzen verfrachtet.

Da solche Touristen zu Robotern geworden sind, suchen sie auch nicht mehr die einst fundamentale Institution „Tourist Information" auf, die vom Aussterben bedroht ist. Deren Aufgaben­gebiet unterliegt einem Wandel. Heutige Besucher wissen – ein Vorteil der Digitalisierung – bereits um einiges mehr als früher. Ihre Fragen sind konkreter und gehen über Informationen zu klassischen Sehenswürdigkeiten und Stadtführungen weit hinaus. Dort, wo Tourist-Infos einen Sinn ergeben sollen, reduzieren sie inzwischen den herkömmlichen Prospektberg und setzen keine Menschen mit PR-Ausbildung an die Schalter, sondern solche, die viel von ihrer Stadt wissen.

Die deutsche Stadt Ravensburg (Sehenswürdigkeiten: eine nette Altstadt und der Ravensburger-Spieleverlag) geht zum Beispiel mit einer Erlebnis-Tourist-Info voran. Deren Leiterin kritisiert zu Recht: „Viele Tourist-Infos sehen immer noch aus wie Amtsstuben." Was wir als Besucher wollen, sollte klar sein: authentische Informationen statt vorgefertigter Werbesprüche.

www.amanshauser.at

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