Amanshausers Album: Inseldasein

Was man beim Inselurlaub wissen sollte. Teil 2: Es gibt durchaus neue Inseln, die entstehen.

Das Schicksal eines Eilandes hängt auch vom Aufbau ab.
Das Schicksal eines Eilandes hängt auch vom Aufbau ab.
Das Schicksal eines Eilandes hängt auch vom Aufbau ab. – (c) NevilleWooton/flickr (CC BY 2.0)

ls Kind dachte ich, dass Inseln so etwas wie Boote oder Flöße sind, dass sie also auf der Oberfläche des Meers schwimmen. Später kam ich drauf, dass sie unten fest angewachsen sind. Das war für mich eine ziemliche Enttäuschung. Dadurch stand fest, dass ich als Erwachsener niemals mit U-Booten unter Inseln wie Elba oder Ägina durchfahren können würde, was ich mir interessant vorgestellt hatte und worüber ich Jules-Verne-artige Geschichten schreiben wollte. (Unser U-Boot wäre an der Unterseite der Insel durch Fangarme festgehalten worden, unsere Besatzung wäre beinahe erstickt, wenn nicht der Held mit einem Spezialbohrer ein Loch bis zur Inseloberfläche gebohrt hätte.)

Als Erwachsener hatte ich weiterhin keine genaue Vorstellung von Inseln. Bald hatte ich kapiert, dass auch Kontinente Inseln waren, doch die Bezeichnung „Vulkaninsel" kam mir irgendwie absurd vor – war nicht jede feste Scholle aus Vulkanismus entstanden? Letztlich ja, doch wachsen Inseln oft aus verfestigten Steinkorallen an die Oberfläche – oder es steigt der Meeresspiegel in einer hügeligen Gegend, und aus einer zusammenhängenden Landmasse wird ein Inselreich. So kann man sich Teile des Vielinselstaats Indonesien vorstellen, auch Sardinien oder Madagaskar haben unterirdische Verbindungen zur kontinentalen tektonischen Platte.

Ich verstand die Sache erst, als ich las, dass es im Englischen zwei Inseltypen gibt, Vulkaninseln, also „high islands", und von Sand geprägte, durch Sedimentierung entstandene Sand- oder Koralleninseln, also „low islands" – wobei erstere ebensogut niedrig sein können und zweitere hoch. Wenn eine inaktive Vulkaninsel erodiert, abgetragen wird, so wie jeder Berg, wenn man lang genug wartet, wachsen rund um sie gern ­Riffe. Auch das, nicht nur die Wassertiefe, erklärt die unregelmäßige Verteilung von Inseln in den Weltmeeren, die mich immer gewundert hat. An vielen Orten ist gar keine Insel, an anderen sprießen sie aus dem Meer. Manchmal heben sich auch umsäumte Atolle (also Riffe mit Lagunen innerhalb) und werden zu ­Flächen von „low islands" – wie etwa der südpazifische Inselstaat Nauru.

www.amanshauser.at

Buchtipp: Martin Amanshauser: „Es ist unangenehm im Sonnensystem", Kremayr & Scheriau 2019.

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